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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-01 · Heft 40 (1.10.1849) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 40 (1.10.1849)
Date
1849-10-01
Page
Seite 567 (sequence 11)
Language
German
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567 Korrespondenzen. Franzensbad, Anfangs September. Seit einigen Wochen einen!n!mr ö*D aus der heilsamen Hand der Najade hier suchend, habe ich manche Gelegenheit gefunden, das hiesige jüdische kurgastliche Leben zu beobachten, obgleich ich selbst mich nicht so ganz innerhalb desselben bewege. Franzensbad hat keine jüdische Gemeinde, nicht einmal einzelne ansässige Judenfamilien und in dem ganzen sogenannten Egerlande, mehr als einem zweimaligen Umkreis, sind sie durch Intoleranz und Zufall von der Niederlassung ausgeschlossen. Erst jenseits dieses Kreises sehen wir mehr oder minder starke Gemeinden, wie Königsberg und Königswarth im Südosten, dagegen sind im Norden weit in Sachsen hinein und im Westen weit in Baiern hinein bis Beyreuth keine Glaubengenoffen. Der orthodoxe Kurgast müßte unter solchen Lokalverhältnissen ganz aus dem ihm Bedürfniß gewordenen Zusammenhänge mit den nationalen Sitten und Gebrauchen geworfen werden, hatte nichtein einziger Jude die Erlaubniß erhalten, während der Säson als Gastwirth hier thatig zu sein. Dieser, Herr Adler aus Bochlowitz, nämlich verabreicht nicht blos Speisen, sondern bildet durch sein Haus einen Mittelpunkt für die zeitweilige und stets sich ersetzende Gemeinde, indem er einen Saal zum sabbatlichen Gottesdienst eingerichtet, einen Sckochet und Chasan besoldet und Wohnungen für jüdische Familien in Bereitschaft hält. Auf solche Weise ist die „Neue Gaffe", in welcher des Adlers Horst sich befindet, zur eigentlichen Judengaffe geworden, da selbst solche Juden, die da sagen: kV, pbfi lA 'lütf ais fibro und die Speisegesetze nicht für das Wesen der Religion halten, doch gern in der Nahe ihrer Freunde und Landsleute wohnen, und es bietet sich hier die interessante, durch die Geschichte sich oft wiederholende Erscheinung dar, daß nicht eine schon vorhandene Gemeinde sich den nationalen Mittelpunkt schafft, sondern umgekehrt die Anziehungskraft des vorhandenen Heiligthums, oder der nationalen Einrichtung eine Kolonie um sich sammelt. Leider sind die Preise des Herrn A. ziemlich hoch, und wird dadurch mancher, sonst zeremoniell lebende, Jude in's christliche Speisehaus getrieben; besonders derjenige Kurgast, welcher ohne Unterstützung lebend, alle seine schwachen Mittel erschöpft, um die Reise- und Aufenthalskosten zu erschwingen, muß es drückend fühlen, sich noch einer Satzung für die Satzungen unterwerfen zu muffen, eine schwere Frömnugkeitssteuer entrichten zu müffen. Die Grundfärbung der jetzt hier weilenden Gäste ist orthodox, d. h. sie effen nicht nach der Speisekarte des angerichteten Tisches im Kursale, sondern nach der eines beffern Sch ulchan Aruch, mit anderen Worten, sie beachten die Religion, welche man durch eine orthodoxe Köchin besorgen lasten kann, überlassen aber die freilich unbequemere Religion, welche so erhaben in den mn« 'p-w gelehrt wird den Heterodoxen! Wenn ich sage, daß die meisten Kurgaste orthodox sind, so möge man nicht schließen, daß Krankheit und Orthodoxie Hand in Hand gehen, ich könnte Leute aufzeigen, die weit mehr körperliche Leiden haben, als die Rechnung ihrer Orthodoxie beträgt! Es sollen diesen Sommer verhältnißmäßig sehr viele Juden hier gewesen sein, und merkwürdigerweise eröffnet die Badeliste die Reihe ihrer Namen mit einem jüdischen Arzte, und ein jüdischer Seelenarzt prangt in der ersten Nummer der Liste. Für die vielen Armen, die hier Wiederherstellung oder Linderung suchen, ist leider von jüdischen Anstalten gar Nichts zu sehen, und ein städtisches Hospital, welches unter dem judenfreundtichen und überhaupt edeln Brunnenarzte Dr. Cartellierie steht, nimmt zwar die Kranken ohne Unterschied des Glaubans auf, es hat aber nur für 12 Hauslinge Raum. Die armen Glaubensgenossen würden ganz hilflos hier sein, hätte nicht der menschenliebende Arzt vr. Bochan es übernommen seit 1845 der thätige Vermittler zwischen der Wohlthätigkeit reicher und der Dürftigkeit armer Kurgäste zu sein. Leider betrug die von ihm und seinen Freunden während des ganzen Sommers gesammelte Summe nur ungefähr 250 Guldens ein Ergebniß, welches die obige Behauptung feststellt, daß die Grundfärbung der kurgastlichen Judenschast orthodox ist. Ich habe das Eintragebuch des Herrn vr. Bochan gesehen, dessen erste Seiten einen herzlich und gefühlvoll geschriebenen Aufruf des Rabbiners vr. Elbogen enthalten, ich sah mit Staunen die Namen sehr reicher und fanatisch frommer Geldmenschen zur Linken von 2 fl., schreibe zwei Gulden, stehen, was bei dem Kurse dieses Sommers etwas über einen Thaler ist. Es wäre eine gute und hoffentlich erfolgreiche That, wenn in jüdischen Zeitschriften gewichtige Stimmen ergingen, um Beiträge zur Gründung eines Hospitals zu sammeln, welches namentlich für solche Kranke ein unerläßliches Bedürfniß ist, die aus religiösen Gründen keinen Gebrauch von der Wohlthat der christlichen Anstalt machen. Obiges ist Alles, was ich vorläufig über hiesige jü-

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