Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1849)
- Date
- 1849-10-01
- Page
- Seite 562 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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562 nicht zufrieden ist, da man hoffte, daß das Resultat seiner Anwesenheit die Gründung eines Hospitals und einiger Schutz:» sein werde. Montesiore's Wunsch, zum Nassi (Fürsten — in der alten Bedeutung dieses Wortes —) der israelitischen Gemeinden in dem gelobten Lande ernannt zu werden, ist nicht in Erfüllung gegangen." Wien» 15. September. Der Dr. Jakob Goldenthal ist zum außerordentlichen Professor der hebräischen und rabbinischen Sprache und Literatur an der Universität zu Wien, und in gleicher Weise als außerordentlicher Professor an der Universität zu Prag der Dr. Wolfgang Wessely ernannt worden. Wien, 16. September. (Privatmitth.) Einen sehr erfreulichen Schritt hat die kaiserl. Regierung durch die Anstellung zweier jüdischer Gelehrten an den Universitäten zu Wien und Prag als außerordentliche Professoren gethan. Es sind hiermit einerseits Juden als akademische Lehrer eingetreten, andrerseits Lehrer der rabbinischen Sprache und Literatur den Universitäten gegeben. Also zwei Schritte in Einem. Wir haben also dieser Fächer schon vier Vertreter an den Universitäten in Deutschland: Fürst in Leipzig, Saalschütz in Königsberg, Goldenthal in Wien, Wessely in Prag. Die jüdische Theologie ist also nicht mehr so vereinsamt, und wenn es nicht gelang, eine jüdische theologische Fakultät zu Stande zu bringen, so ist doch immerhin ein Surrogat dafür gegeben. Freilich noch ein schwaches Surrogat; denn so wenig ein Mann alle Fächer einer ganzen Fakultät zu vertreten vermag, so wenig sind die genannten Herren (außer Saalschütz etwa) praktische Theologen, und können also eher für die historische Bildung, als für die Ausbildung praktischer Theologen wirken. Jndeß es ist doch wenigstens ein dankenswerthcr und bedeutsamer Schritt geschehen, an dessen Verwirklichung man vor zwei Jahren noch nicht geglaubt hätte. Pesth, 16. September. Die arader Juden wurden außer der den Banalem im Allgemeinen auferlegten Kriegssteuer noch mit einer speziellen Kontribution bestraft. Den Grund dieses strengen Verfahrens sucht man in folgendem Umstande: Als kurz vor der Unterwerfung Görgey's ein gemeiner Honved zu den kaiserlichen Truppen übergehen wollte, hielt ein Jude ihn von seinem Vorhaben zurück. Ein christ- > licher Bürger, der eben hinzu kam, war damit nicht zufrieden und mißhandelte den Honved durch wiederholte Schläge. Die ganze Stadt kennt die Szene und die Personen, welche die würdigen Rollen dabei gespielt. Der Magistrat jedoch glaubte, aus Schonung gegen einen seiner angesehensten Mitbürger die ganze Verantwortlichkeit dafür auf den Juden wälzen zu müssen, was die Gemeinde schon deshalb mit Geduld erträgt, um nicht noch den Haß der Bürgerschaft auf sich zu laden. So berichtet ganz naiv der „Lloyd". Pesth, 15. September. Der Lloyd bringt die cigenthümlicheBemerkung: „Der keszkemeterRabbincr ist requirirt worden, um wie als Geißel zu dienen." — In Preßburg sind bei einem Bäcker viele Seidenzeuge gefunden worden, die zu den in der vorjährigen Emeute gegen die Juden, diesen geraubten Sachen gehören. Die Schweiz. Bern, 15. September. Der Bundesrath hat auf Antrag des kleinen Raths von Aargau die Behörden von Luzern angewiesen, nach Maßgabe der Bundesverfassung den Juden von Aargau in keinerlei Weise den Besuch der Messen und Jahrmärkte in den Ortschaften von Luzern zu beschränken. Italien. Rom, 8. September. Die rücktreibende Kamarilla sucht jetzt jeden geschehenen Fortschritt wieder zurückzuschrauben. Die Reihe ist in dieser Beziehung jetzt auch an die von den Triumvirn durchaus emanzipirten Jsraeliren gekommen, von denen bekanntlich drei ausgezeichnete Köpfe in der republikanischen Deputirtenkammer saßen. Ihrer römischen Gemeine ist angezeigt, die (von der Republik beseitigte, ungerechte) Abgabe für den Unterhalt mehrerer christlichen Pfarreien für die Zukunft wieder an die Kirche Sant Angelo in Pcscheria so wie die bedeutende Summe für den jährlichen Unterhalt des israelitischen Konvertitenhauses (Casa dei Neoliti) wie früher zu zahlen. Ja die psäfsischen Ultras denken sogar daran, den von Israeliten bewohnten Ghetto abermals mit eisernen Gittern einzuhegen. Das dürfte indessen zu früh oder zu spät sein, und nicht gelingen.