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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-01 · Heft 40 (1.10.1849) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 40 (1.10.1849)
Date
1849-10-01
Page
Seite 560 (sequence 4)
Language
German
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560 aus allgemeiner Wahl hervorgehend, die Möglichkeit, Gemeinden neben den älteren zu bilden — was will man mehr. Im jetzt bestehenden Zustande ist es zweifelhaft, ob nur eine Gemeinde bestehen bleibt, ob sich nicht Alles in kleine und kleinste Kreise auflöst, denen alle Kraft fehlen muß. Was hierzu namentlich beitragt, ist erstens der außerordentlich verschiedene Bildungsgrad zwischen den Individuen, die eine Gemeinde ausmachen, von denen überall ein Theil beinah schon im modernen Heidenthum steckt, wahrend der andere noch völlig mittelalterlich gesinnt ist; für den Einen ist daher Alles zu viel, was für den Andern noch zu wenig; der Eine lächelt schon über eine Veränderung, über die der Andere Zeter schreit. Dahinein eine einheitliche Organisation zu bringen, das versuche man. Der zweite Uebelstand ist, daß die Religion jetzt gänzlich zu einer Religion der Individuen geworden; Jeder sucht in der Religion höchstens noch die Befriedigung seines persönlichen religiösen Bedürfnisses; an den Gedanken der Gemeinsamkeit, einer gemeinsamen religiösen Aufgabe, daher eines gemeinsamen religiösen Werkes kommen nur noch Wenige, und so fehlt allerdings das kräftigste Bindemittel, und die Zersetzung ist innerlich gegeben. Hierzu kommt drittens der Mangel an a l l e m Autoritätsglauben, und die unbeschränkte Selbstständigkeit des individuellen Uriheils in Religionssachcn. Das wäre sehr schön, wenn die Individuen dabei auf einer bedeutenden Höhe der religiösen Anschauung ständen und an wahrer Innerlichkeit Fülle besäßen. Bei der Nacktheit und Oberflächlichkeit der religiösen Gesinnung unserer Zeit aber muß dies zu einer gänzlichen Auflösung führen. Denn leugnen kann man doch nicht, daß was die Juden noch zusammenhält, und sei es noch so schwach, beruht auf der Autorität der Vergangenheit, und je mehr die Freiheit des Individuums wächst, desto mehr wird es zernagt. Eine Anordnung von oben herab, versteht sich nur in den äußeren Formen dcrEristenz, wird daher auf die Länge nicht zu entbehren sein, wenn nicht Alles zerfallen soll, und zwar weil diese Anordnung doch nur das gemeinsam Verbindende repräsentirt, das die Einzelnen unter den obwaltenden Umständen nicht zu schaffen vermögen. Auch die jetzt hier in Thätigkeit getretene Kommission zur Entwerfung eines Gemeindestatuts wird kein anderes Schicksal haben; ihr Erzeugniß wird das entgegengesetzte Schicksal der deutschen Reichsverfassung haben, in der Masse wird sich die Opposition schwächer oder stärker erheben, und ein Bruchtheil nach dem andern sich ablösen, und so die erstrebte Einheit fehlen. Wir sehen, daß eine solche äußere Organisation von Staatsseiten auch in Frankreich besteht, und so wenigstens die Gemeinden erhalten hat, während in Deutschland, namentlich in Preußen, Alles in Frage gestellt ist, und der Zukunft nur bang entgegengesehen werden kann. Aus Pommern, 9. September. (Privatmitth.) Zu dem, was ich Ihnen neulich über Prenzlau geschrieben (No 26), habe ich berichtigend hinzuzufügen, daß dort sich nicht eine Reformgemeinde (im Sinne der berliner) bilden, sondern, daß ein Theil der Gemeinde blos einige zeitgemäße Synagogenreformen vornehmen wollte, was aber aus Rücksicht der oppositionellen Partei einstweilen unterblieb, wie auch die Predigerstelle „vorläufig" unbesetzt bleiben wird. Auch zu dem über die Schule zu P. Berichteten halte ich mich verpflichtet, folgende Zeilen nachzutragen, die mir von einem zuverlässigen Manne zugekommen sind. „In einem Ihrer Berichte, die ich übrigens gern lese, schreibt er, haben Sie des Herrn Efrem in P. erwähnt; dies soll aber Ephraim Lehmann heißen; diesen Mann kenne ich genau; er ist höchst gebildet und versieht sein Amt so gut wie es die Umstände in P. gestatten. Er ist weit über das mittlere Alter hinaus und seine Haare sind in Sorgen und Kummer grau geworden. Sein jahrelanges Ausharren und kräftiges Wirken für das Wohl der Schule, der er sein ganzes Leben geopfert, verdient wol eine größere Anerkennung!" Eigene Gefühle stiegen beim Lesen dieser Zeilen in mir auf; ich schäme mich deß nicht, sie lockten eine Thräne in mein Auge und offen gesagt, hätte ich dennoch die Bemerkung über Herrn L. lieber unterdrückt; denn ich weiß nicht, ob sie ihm genehm sein wird, und anderseits weiß ich, daß derlei Aeußerungen die Sache nicht besser machen; allein der Wahrheit, der ich diene, glaubte ich's schuldig zu sein. Es ist dies eine Erscheinung, die öfter vorkommt, als Manche vielleicht glauben und ich will auch darüber weiter keine Worte verlieren; aber das Eine frage ich Euch, Ihr Gemeinden in Jeschurun: muH das so sein? muß gerade der jüdische Lehrer, dessen Wirksamkeit übrigens eine schwierigere ist als selbst die des Rabbiners oder Predigers, eine so prekäre und so selten

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