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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-24 · Heft 39 (24.9.1849) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 39 (24.9.1849)
Date
1849-09-24
Page
Seite 553 (sequence 13)
Language
German
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553 an einer Stelle persiflirt: „Es gab im Atterthum ein freies Land, das kein Militär unterhielt, und so oft es zum Kampf herausgefordert wurde, legten alle Einwohner des Landes Schwerster an, waffneten sich mit Dolch und Bogen, um ihrem Feind entgegenzuziehen. Ein jeder aber konnte nach Belieben seinen Posten wählen: er konnte sein: Fußgeher, Reiter, Fähndrich, Trommler oder Trompeter. Als ihnen einst Krieg erklärt worden, beriefen die Vorsteher des Landes alle Einwohner, um sie zum Feldzug zu ordnen. Als der Erste der Sitte gemäß gefragt wurde, welchen Posten er wähle, äußerte er den Wunsch Trompeter zu sein, und er wurde gleich als ein Solcher in's Militarregister eingetragen. Der Zweite wurde gefragt und wünschte dasselbe, es mußte ihm also auch zugestanden werden, und so ging es mit dem Dritten und Vierten bis zum Letzten der Bürger. Was zu machen? Sie mußten dergestalt zu Felde ziehen. Als der Feind diese Menge Trompeter wahrnahm, hatte er Angst im ersten Augenblick, denn er schloß auf eine unzählige Menge Krieger, die da erst folgen. Nachdem er sich aber etwas besonnen, bemerkte er, daß es einzig und allein Trompeter waren, ohne einen Krieger in ihrer Mitte oder hinter sich zu haben. — Diese Bewandniß hat es auch mit H. B., er erscheint einzig und allein als Trompeter, hinter ihm ist kein Schild, kein Spieß sichtbar unter den Miriaden Israels." Sehr gut weiß Herr T. den Angriffen des Gegners gegenüber auf das durch und durch humane Gerichts-- verfahren des Talmuds hinzuzeigen. Ueber das Studium des Talmuds in Polen finden wir folgende Stelle, die zugleich ein Beispiel für Auffassung und Styl giebt: „Alle Winkelschulen wimmeln von Bibeln voll rabbinischer Erklärungen, Mißgeburten des Talmuds. Dieses Unwesen, diese Verkehrtheit, diese schändlichen Jrrthümer werden dem jugendlichen Gemüth eingeprägt und gehen von der Jugend ins Mannesalter über."— Diese leicht hingeworfene Behauptung des H. B., welche er durch keine Belege begründet, würde eine Erwiderung überflüssig machen, wenn sie nicht wegen des kecken Tones, mit dem sie ausgesprochen ist, sich leicht bei Uneingeweihten Eingang verschaffen könnte. Um diesem Uebelstand zu begegnen, sei es mir vergönnt über den jüdischen Unterricht hier zu sprechen. — Die Bibel und der Talmud bilden den Hauptgegenstand des jüdischen Unterrichts in jenen Winkelschulen. Alles Streben des Lehrers zielt dahin, den Sinn des Zöglings frühzeitig für Tugend und Gerechtigkeit empfänglich zu machen, ihm zu lehren, einen frommen und sittlichen Lebenswandel allen irdischen Gütern vorzuziehen, und das zeitliche Wohl der ewigen Glückseligkeit aufzuopfern. Ein solcher Unterricht ist auch von heilsamer Wirkung für diejenigen Schüler, die von Umstanden begünstigt, die Winkelschulen verlassend höhere Anstalten besuchen können, wo sie sich in Sprachen und Wissenschaften ausbilden. Sie betreiben ihr Studium mit allem Fleiß und Ernst, und nachdem sie dasselbe geendigt und die große Welt betreten, wählen sie stets einen für die Gesellschaft nützlichen Gewerbszweig. Unter den wenigen Ernährungszweigen, auf die die gebildeten Israeliten angewiesen sind, beschränken sie sich größtentheils auf den Lehr rerstand, der, wenn er auch ihre Bemühung nicht belohnt, ihnen wenigstens die Genugthuung gewährt. Jemandem mit ihren Leistungen dienen zu können. Sie scheuen keine Anstrengung, keine Aufopferung, ihren so schweren Beruf mit Ausdauer und Beharrlichkeit zu verfolgen, in Mangel und Noch müssen sie ihr Leben fristen, welches Mancher von ihnen durch anhaltende Beschwerden und Entbehrungen endlich einbüßt! Alle Lehrbücher, die nächst der Bibel und dem Talmud in jenen Winkelschulen gebraucht werden, überströmen von den reinsten ethischen Erläuterungen der Gesetze und Vorschriften der Religion, deren wohlthätkger Einfluß nie ausgeblieben ist. Zu allen Zeiten, selbst damals als Israel unter der Wucht der Drangsale seufzte, ließ es die Bildung nicht brach liegen. Es finden sich stets Israeliten, die trotz den düsteren Aussichten mit allem Eifer dem Studium sich ergeben. Sie wissen alle Hindernisse zu bekämpfen, alle Schwierigkeiten zu beseitigen, um sich der Erforschung der Weisheit hinzugeben und sich in allen Zweigen der Wissenschaft hervoczuthun. — Wenden wir uns einmal von den großen Hauptstädten, wo alle Hilfsquellen der Studien in reichem Maße vorhanden sind, nach den kleinen jüdischen Städtchen, wo jene Mittet fehlen. Finden wir nicht hier junge Jraeliten, die in niedrigen Hütten, baufälligen Gebäuden, bei trockenem und verschimmelten in Essig oder Wasserbrühe eingetunktem Brode, bei schimmelnden, von einer dicken Eisdecke überzogenen Fensterscheiben, in Lumpen und Lappen gehüllt, von Lehrbegierde entbrannt, alte wurmfräßige und vermoderte Lehrbücher mit unermüdetem Eifer und grenzenloser Ausdauer studiren? Gelingt es Einem dieser Unglücklichen, die Umrisse irgend einer Disziplin der Wissenschaft kennen zu lernen, dann verläßt er seine einsame und finstre Heimath, mr-gt mit beispielloser

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