Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1849)
- Date
- 1849-09-24
- Page
- Seite 550 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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550 auf dem unbedingten ststus quo beharren, sie giebt nicht einen Eestrich ab, und krümmt und bückt sich die konservative Partei noch so viel, so wie sie einen Finger breit abweicht, ist die Trennung da. Chorgesang, deutsche Predigt, Stille und Ordnung in der Synagoge, nicht Schreien, Schaukeln und Laufen nach Belieben, bas sind jener schon Gräuel, tastet man einen Piut an, so ist Alles verloren. Die orthodoxe Partei ist konsequent, die Reformer sind konsequent, die mitten innestehenden Konservativen oder Neuorthodoxen sind nicht konsequent, denn sie wollen konserviren und verändern zugleich; aller Eifer für's Konserviren hilft Nichts, denn sie verändern auch, und der Orthodoxe frägt: wenn Ihr einmal verändert, wisset Ihr, wo Ihr stehen bleiben werdet? Der Orthodoxe soll nun sein Geld für Chor, Predigt, Ordnung rc. hergeben? er, der nur einen ruhigen Winkel haben will, seine alte Weise fortzuspinnen? Er wird sich hüten. Und da nun in Berlin die orthodoxe Partei nicht, wie an vielen anderen Orten, blos aus dem ärmer» Theil besteht, sondern namhafte reiche Leute in ihrer Mitte zählt, und gerade von diesen Paar reichen Orthodoxen Keiner in die Repräsentantenversammlung und den provisorischen Borstand gewählt worden — so geben sie kein Geld, haben aufgehört zu zahlen, und wollen den Repräsentanten nicht erst ein halbes Jahr „gewähren". So ist die Auflösung abermals ein Moment weiter gerückt, und die da Sturm nach Einer Seite hin gesäet haben, ernten auch StuM^Af der andern Seite; die da die Einen verketzert, vMimmt haben, sehen nun, daß sie selbst wieder von Änderen verketzert und verdammt werden. Berlin, 16. September. Man erzählt sich von dem kommandirenden General v. Wränget, daß derselbe die, unter seinem Befehle stehenden Soldaten jüdischen Glaubens, unlängst aus freiem Antriebe in sehr herzlicher Weise aufgcfordert habe, ihre am 17. d. M. beginnenden hohen Festtage mit ihren anderen Glaubensgenossen feierlich zu begehen, unter dem Beifügen, daß er sie deshalb, während dieser hohen Feiertage des Dienstes dispensire. Werl (Westfalen), im September. (Privatmitth.) Mit der politischen Ruhe scheint nun auch wieder Ruhe und Friede in die jüdischen Gemeinden einkehren zu wollen, es rekonstituiren sich die Religionsgesellschaften von Neuem, es muß dem religiös Gesinnten besonders wohl thun, wenn er sieht, wie die Thätigkeit des Geistes sich dem Religiösen mit erneuter Kraft zuwendet. Ich hebe hier besonders die Anlage zu dem neuen Gebetbuche hervor, welches, erschienen, gewiß in viele Gemeinden Westfalens eingcführt werden wird, da es ein lang gefühltes, mehrfach ausgesprochenes Bedürfniß befriedigt. Vielen würde es gewiß auch sehr willkommen sein, wenn ein dazu Berufener sich daran gäbe, ein paffendes Erbauungsbuch für Tischa Bab, welcher Tag immer noch in den meisten Gemeinden als Erinnerungstag gefeiert wird, zu bearbeiten; es müßte dieses Buch außer dem geschichtlichen Theile über die Zerstörung Jerusalems auch Gesänge und Gebete enthalten, da die dazu vorhandenen Bücher Nichts weniger als Erbauungsbücher sind. Was nun den Synagogengesang betrifft, der in diesen Blättern so weit und breit besprochen worden, ohne daß auch das Geringste dadurch an den Tag gefördert, so ist es wirklich an der Zeit, eine größere Auswahl von zwei- und dreistimmigen Kompositionen zu besitzen, die in kleineren Gemeinden ausführbar wären. Es ist leider der alte Fehler, viele Jahre ohne Erfolg an einer Sache herumzufaseln. Sie, geehrtester Herr Redakteur, sind darin von jeher viel glücklicher gewesen, Sie haben schon manchen Plan angeregt und rasch ausgeführt. Darum möchte es wol der Wunsch Vieler mit mir sein, daß Sie die Herausgabe der Gesänge in Ihre Hand nähmen. Ich bin fest überzeugt, daß, nachdem Sie gefälligst den Prospektus den Lesern Ihres geschätzten Blattes werden zugeschickt haben, sich eine Menge Subskribenten finden werden, und bitte ich Sie herzlich, die Sache ihrer Ausführung nahe zu bringen. Alexander Cahn. Aus dem Hannoverschen, im September. (Privatmitth.) Auf den Antrag des Landrabbiners vr. Heilbut zu Stade hat das königliche Konsistorium daselbst den jüdischen Schulamts-Aspiranten die Theilnahme an dem Unterricht auf dem dortigen Seminar gestattet, und ist dabei die Einrichtung getroffen, daß dieselben sich unter Leitung des vr. Heilbut im Hebräischen und in den jüdischen Religionswissenschaften ausbilden können. München, 10. September. (Privatmitth.) Der König von Baiern hat die Kammern feierlich durch