Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1849)
- Date
- 1849-09-24
- Page
- Seite 548 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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548 beiden Seitenwände, und die linke vom Eingang; die Wand rechts ist zum Theil durch den christlichen Altar verborgen. Man sieht jedoch zu jeder Seite dieses Altars eine Platte, bedeckt mit hebräischen Buchstaben in Relief, mehr als 15 Fuß hoch, 4—5 Fuß breit, über der sich eine andre, kleinere, aber mit bedeutend größeren hebräischen Buchstaben versehene befindet. Der ganze Ueberrest der Mauer ist mit Arabesken verziert, und man sieht an der Zeichnung, daß der durch den christlichen Altar versteckte Theil war oder ist noch auf dieselbe Weise verziert. Zwei gemauerte Bänke, bedeckt mit kleinen emaillirten Würfeln, stehen rechts und links vom Altar, an die Scitenwände gelehnt, was voraussetzen läßt, daß das Pulpet, wo der Vorbeter das Gebet sprach, an der Stelle war, die jetzt der christliche Altar einnimmt. Diese Bänke waren wahrscheinlich für die Kultusbeamte oder vorzüglichsten Glieder der Gemeinde bestimmt." „Dem Altar gegenüber mußte sich der Schrank befinden, der die Gesetzbücher enthielt; aber das Holzwerk, welches der Katholizismus zur Aufnahme einer Orgel bestimmt, verhindert zu sehen, ob eine Spur davon geblieben." „Die Wohnung des Küsters lehnt sich an den Tempel; sie besteht aus einem Erdgeschoß und einem ersten Stock; unter dem Plafond des Erdgeschosses und über den Balken des ersten Stocks befinden sich an den Mauern Skulpturen, wo die Arabeske^ und hebräischen Buchstaben in großer Fülle vorhanden, was voraussetzen läßt, daß es ein, durch das Stockwerk durchgehendes Lokal war, bestimmt, wie man voraussetzen kann, zur Schule. Die Rabbinen hatten ja die Gewohnheit, das Gesetz zahlreichen Schülern zu erklären. Die Schulen von Toledo sind berühmt in der Geschichte, und Aben- Esra nimmt den bedeutendsten Platz ein." „Die spanischen Wappenschilder gestatten nicht vorauszusetzen, daß dieser Tempel vor dem Sturz der maurischen Herrschaft erbaut sei. Uebrigens bemerkt man, trotz dem ganz arabischen Charakter der Architektur, auch schon den Einfluß der christlichen Kunst; die Skulptur, obgleich ebenso komplizirt wie die der Araber, und wie in den maurischen Gebäuden auf die Mauern angebracht, ist lebhafter, hervorspringender, und weniger verworren. Die Lage des Tempels, in der Mitte der Stadt, nicht weit von mehreren Kirchen, beweist auch, daß die Juden in der Zeit seiner Erbauung einer den übrigen Bewohnern gleichen Stellung sich erfreuten." „Seitdem ich die Synagoge von Toledo besucht, habe ich in den spanischen Chroniken die Zeit gesucht, in welchen sie erbaut worden, und ich habe immer gedacht, daß die zahlreichen hebräischen Inschriften, welche sie enthält, einiges Interesse für das Judenthum haben müßten. Ich bin zu einigen Resultaten gelangt, die ich herstelle, nicht wegen ihrer Wichtigkeit, aber weil sie die Aufmerksamkeit geeigneter Geister auf einen bis jetzt wenig studirten Gegenstand lenken können, nämlich auf den Einfluß und die Stellung, welche die Juden in Spanien gehabt." „Im Jahre 1494 ließen di« katholischen Könige Ferdinand und Jsabella, welche schon die Herrschaft von Calatrava erhalten hatten, sich von den Gliedern dieses Ordens die Vollmacht geben, den Alcazar von Toledo zu nehmen, den Palast von Galiana und die Kirche von Santa Fs, und gaben dafür dem Orden von Calatrava die Hauptsynagoge, welche die Juden in Toledo gehabt, und die sie in der Zeit des Königs Dom Pedro erbaut, die aber verlassen war, seitdem die Juden in Spanien nur leben dursten, wenn sie katholisch wurden. Das Priorat von Santa Fe wurde in diese Synagoge übertragen, nachdem sie geweiht und dem heiligen Benedikt bestimmt worden." „Rades de Andrada, der diese Notizen in seiner Chronik der militärischen Orden giebt, sagt, daß man an der Form des Gebäudes leicht erkennt, daß es eine Synagoge gewesen. Er spricht von den Inschriften, welche di« inneren Mauern bedecken." „Es befinden sich, sagt hierauf Rades de Andrada, und seine Beschreibung stimmt mit der, welche ich gegeben habe, überein, an jeder Seite des Hauptaltars zwei große Inschriften in hebräischer Sprache, über denen sich eine kurze Inschrift als Titel befindet." „Dies ist die buchstäbliche Uebersetzung der spanischen, die Rades de Andrada giebt: *) Erster Titel. — „Sehet das Heiligthum, das in Israel geheiligt worden, und das Haus, welches Samuel erbaute, und den hölzernen Thurm, um das geschriebene Gesetz und die von Gott befohlenen Ge- *) Leider versteht Herr Leon kein Hebräisch, wie er selbst bemerkt, um die Inschriften mitzulheilen. Red..