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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-24 · Heft 39 (24.9.1849) · p. Seite 544

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 39 (24.9.1849)
Date
1849-09-24
Page
Seite 544 (sequence 4)
Language
German
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544 Welt gebracht?" ruft der Prophet uns zu (Jef. 66, 8.). „Aber, fahrt er fort, sollt' ich erschließen den Mutterschoß, und nicht gebären lassen?" Zwischen Beiden stehet Gott; zwischen dem, der ein Volk an Einem Tage geboren haben will, das Heil an Einem Tage verlangen und erlangen will, und dem, der saget, es wird erschlossen, aber nicht geboren, wie es ist, so bleibet es, das Kreisen ist umsonst. Nein! Non Ferne wird rS angesponnen, langsam fortgesponnen, und sicher und bestimmt dereinst zu Ende gesponnen. Mitten durch den Wirbel der Menschen schreitet der Gang der Vorsehung, im Frieden treibt sie vorwärts, im Kampfe hält sie zurück. Jedem wäget sie zu, was in seinem Willen Verdienst ist, aus Jedem läßt sie ziehen, was in seinen Mühe» nutzbar ist. Nichts läßt sie in den Staub fallen, was für das Ganze heilsam ist — nur über die Personen schreitet sie hinweg, so sie sich nicht finden können in die Wege des Herrn. Und so, m. Br. und Schw., tönet uns aus allem Geschrei des Tages und aus allem Gewühle der Zeit nur das Eine entgegen: „Im Ewigen ist ein ewiger Fels, und wer festen Sinnes ist, den wahret Gott." Aber des Ewigen ist die Wahrheit und das Recht. II. M. Fr.! Haben wir also die Zeit, in der wir stehen, vom religiösen Standpunkte aus betrachtet, so werfen wir nun einen Blick in das uralte Heiligthum Israels. Wir wissen es ja, hingebauet ist es, daß alle Stürme der Zeiten es betreffen, daß Alles, was in der Welt der Menschen vor sich gehet, auch hier hinein dringet, aber hingebauet ist es, um alle Stürme der Zeiten zu bestehen, die Nacht geht vorüber, der Tag bricht wieder an, und in seinem Lichte steht es da, verjüngt, erneut, aber dennoch das Uralte. Ja, auch die Söhne Israels blieben in diesem Jahre nicht unberührt, nicht bloS als Menschen, als Glieder und Söhne der Völker, denen sie eingereihet sind, sondern auch als Söhne des alten Stammes Juda. Zwar wurde im verflossenen Jahre jener laut verkündete Satz allgemeiner Gewissens- und Glaubensfreiheit, allgemeiner bürgerlicher Gleichstellung ohne Berücksichtigung des religiösen Bekenntnisses wieder und wieder verkündet, und in vielen Landern zum Gesetze erhoben. Aber wissen wir nicht, wie viele Gegner noch bestehen, wie viele, je mehr Macht sie wieder erlangen, diesem Gesetze der Gewissensfreiheit wieder entzegentreten, wenigstens es zu umgehen, zu beschränke» suchen werden? Wissen wir nicht, wie man von so vielen Seiten, mit so vieler Hinterlist und Beharrlichkeit den alten Haß im Volke von Neuem wider uns zu entzünden strebte; wie man Beschuldigung auf Beschuldigung auf uns schleuderte; wie man so recht in alter Weise die Schuldbarkeit Einzelner auf uns Alle warf? Und ist es in diesem Lande beim Worte geblieben: ist es in anderen nicht zur That geworden? Legt man nicht Sühne und Strafe dort Allen auf, weil man Einzelne verurtheilt? Werden nicht ganze Gemeinden, die Gemeinden ganzer Landstriche mit unerhörten Bürden in den Staub gedrückt? Wir wissen es, und wohl wissen wir nicht minder, daß keine Gewalt der Erde Israel zu brechen, wenn auch zu beugen vermag, fühlen wir es doch tief und trauern. Aber fürwahr! harren wir nur, festen Sinnes und Gott vertrauend — die Wahrheit und das Recht kommen zum Siege. Aber, nein! in das Heiligthum Israels selbst wollen wir blicken; über den Juden stehet das Judenthum. Was wir wohl und besonnen zu beachten haben: das ist eine Richtung, eine Richtung des Geistes, die immer mehr sich verbreitet, die in der jüngsten Zeit sichtbarer hervorgetreten, die mehr zu fürchten als Beschimpfungen und Kontributionen, und die keine Waffe und kein Gesetz zu besiegen vermag, sondern allein der Geist selbst. Es ist der Geist der Ungläubigkeit, der Geist, sich loszureißen von der alten Wurzel des Gottglaubens, die Gotteslehre zu entfernen aus den Geistern und Gemüthern, und ein neues Heidenlhum, die Selbstvergötterung an die Stelle zu pflanzen. Ja, fürwahr, es klopfet nicht mehr blos an die Pforte, cs hat sich Eingang verschafft, es überwältigt die Jugend, welche sich blenden läßt vom Schimmer der Syllogismen und Sophistereien. Wozu Israel geschaffen worden, was aus ihm hecvorgegange» und die Welt durchdrang, was es getragen durch die Jahrtausende; diese Gotteslehre, die den einigen Gott lehret als den Urquell alles Seins, den Menschen lehret als in dessen Ebenbilde geschaffen, und zum Ringen nach Gott befähigt und bestimmt, diese Gotteslehre, die Wurzel aller Liebe'und alles Rechts, die Trägerin aller Sitte und Heiligung, sie, die Trösterin des Menschen, und die allein auf ihre Schwingen ihn zu nehmen und emporzutragen vermag, sie ist es, die auch unter den Söhnen Juda's in Gefahr ist, unter den Schößlingen seiner Pflanzung. Fraget die Jugend, und sie wird es bekennen, und wer noch nicht drüben ist, wie nahe steht er dem? Die Stimme des Warners hat sich frühzeitig erhoben, aber sie ist nicht gehört worden. Es war eine neue

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