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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-24 · Heft 39 (24.9.1849) · p. Seite 543

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 39 (24.9.1849)
Date
1849-09-24
Page
Seite 543 (sequence 3)
Language
German
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543 die Ruhe, den verlorenen Frieden beklagt: kann er es sich verhehlen, daß die Wolken wieder Heraufziehen können, daß ein solcher Frieden kein wahrer Frieden, eine solche Ruhe keine wahre Ruhe ist, daß die in der Tiefe gahrenden Elemente eben nur zurückgehalten werden? Bersöhnung, Ausgleichung, die wahre Mutter des Friedens, fehlt noch. Und wer Theil genommen an dem frischen Aufschwung der Menschheit, wie er, wenn auch nur einen kurzen Augenblick, zu beginnen schien, wer sein Herz daran gehängt, seine Hoffnung darauf gesetzt: wie sollte der nicht tief gebeugt sein von solchem Ausgang! Fürwahr, wer nur Etwas verstehet von der Stimmung, in die die Menschenwelt gerathen, ihm wird jetzt verständlich, was der weise Salomo sagte (Pred. 2, 17.): „Da wandte ich mich, und ließ mein Herz den Muth verlieren; denn übel schien mir Alles, was unter der Sonne geschieht." Ein Geist der Entmuthigung, der Erschlaffung hat sich über die Menschen gelagert, und drückt wie schwerer Alp auf sie. Aber da fragen wir uns: ist das das Rechte? ist das der „feste Sinn, den Gott wahret"? Oder gleichen die Menschen auch darin den Kindern, welche unmuthig werden, sofern ein Wunsch ihnen versagt, ein Spielwerk zerbrochen wird? Nicht so, das kommet daher, weil sie den rechten Verstand der göttlichen Wege nicht haben, nicht durchdringen, was eigentlich bedeutet, das da vorgeht? wie Salomo weiter spricht (das. 3, 11.): „Der Mensch verstehet die Werke nicht, die Gott thut, von Anfang bis zu Ende." Ueberschauen wir vielmehr, m. Fr., was die Erlebnisse der vergangenen Jahre uns lehren, was sie verkünden dem, der festen Sinn sich wahrt und Gott vertrauet immerdar. Sie lehren uns zuerst die Wahrheit, die wir freilich schon längst gekannt, aber vergaßen: die Menschheit dringet vorwärts nicht im Sprunge, sie erwirbt ihre Güter nicht im Sturme. Ja, Du senkest das Haupt, weil nicht Alles so gekommen, wie Du es Dir gedacht, geträumt; Du wähnest: es ist Nichts um den Fortschritt der Menschheit, denn was sie hie erlangt, giebt sie dort wieder auf. Thörichter! Wie in der Natur ewig das Gesetz des nie stillstehenden, nie zurückschreitenden, aber auch nie überspringenden, sondern Eines aus dem Andern sich entwickelnden Fortganges waltet, also auch in der Menschheit. Ja, was sie sich nicht mühsam erwirbt, das hat sie nicht, aber verloren ist darum doch Nichts. Wie Jemand, der einen gefahrvollen Gletscher ersteiget, sorgsam prüfend den Fuß vorwärts setzet, ob der Boden vor ihm ihn trägt, oder tückisch ein Abgrund darunter verborgen ist, zehnmal den Fuß zurückzieht, bis er den festen Grund gefunden, und dann erst vorwärts geht — also die Menschheit in ihrer Gesammtheit. Mag dann dem Ungeduldigen das viel zu langsam, zu trage scheinen: die Menschheit will bestehen, sie kann ihren Bestand nicht auf Einen Wurf setzen, entweder hoch in's Licht, oder tief in den Abgrund! Sie prüft, zieht zurück, geht nach vorn, und — gelanget weiter, und sicher. Nein! auch die vergangenen Jahre waren nicht umsonst, auch die Kämpfe und Opfer derselben waren nicht nutzlos, der Gewinn ist groß. Du stehst ihn nur nicht, und wenn er nicht so groß ist, wie Du ihn wünschest und wollest, nun, so ist er darum dauerhaft und unzerstörbar! Die Erfahrung des Durchlebten lehret uns ferner: der Fortschritt der Menschheit geschiehet nicht einseitig, son dern allseitig. Keines ihrer heiligen Momente vernachlässigend. Keines ihrer früheren Errungnisse verloren gebend, und wenn demnach ein Sturm über die Menschheit kommt, der sie in Einer Richtung nur vorwärts treiben will, so läßt sie ihn vorübergehen, und folgt ihm nicht. Und kann Jemand es Leugnen, daß die eben vorübergehende Zeit also war? Sie wollte Alles vernichten, was bis jetzt festgewurzelt, Alles in Frage stellen, Alles umkehren — und daran scheiterte sie; ja sie trieb hinaus über das alte Heiligthum des Eigenthums und der menschlichen Persönlichkeit, und daran scheiterte sie; sie trieb hinaus über das alte Heiligthum der Religion, es zertrümmern wollend mit Einem Schlage, und daran scheiterte sie; sie dachte nur an Eines, hinaufzuwirbeln, was drunten, und hinunterzuschleudern, was droben war, und daran scheiterte sie. Zürne nun, Thörichter, weil es also gekommen, verliere den Muth, laß Dir übel erscheinen, was unter der Sonne geschieht — nicht die Menschen haben Recht, die Einzelnen, die im Sturme gearbeitet, nicht die Menschen, die Einzelnen, haben Recht, die dem Sturme gewehrt — aber Einer hat Recht, auch in dem, was geschehen ist, dieser Eine ist — Gott. Denn sehet, m. Fr., wenn auch nicht aus dem Augenblick, aus dem Ganzen, wenn wir es übersehen, wird uns offenbar, gerade aus dem Geschehenen offenbar, was Vorwärtsgehen heißtimSLnne der göttlichen Vorsehung. „Wird ein Land an einem Tage geboren? oder ein Volk mit Einem Male zur

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