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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-24 · Heft 39 (24.9.1849) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 39 (24.9.1849)
Date
1849-09-24
Page
Seite 545 (sequence 5)
Language
German
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545 Zeit herangekommen auch für Israel. Das atte Gedäu war morsch geworden. Nun galt es zur rechten Zeit mit der neuen Zeit sich in Zusammenhang zu sehen, und lebenskräftig hinüberzuschreiten, um das alte Heiligthum im neuen Bau zu erhalten. Aber da erhob sich die alte Hartnäckigkeit und der felsharte Widerstand. Zerstörer nannte man die, welche umbauen wollten, man wies sie hart und hartnäckig zurück. Da ist es denn gekommen, daß der Bruch zwischen der alten und neuen Zeit weit, weit, fast unheilbar klaffte. Und unterdeß spülte der Strom der Zeit immer weiter. Gegen die alten Formen gleichgiltig, mit keiner Liebe zu neuen Formen, durchdrang ein maßloser religiöser Jndifferentismus zahllose Glieder; das Gotteshaus zog nicht mehr an, aus den Hausern und Familien schwand alles religiöse Leben; die Eltern waren lasse, säst- und kraftlose Glieder — wie konnte die Jugend gedeihen? Wo sollte diese wider den kühlen Hauch des Unglaubens die Warme, die Glut herhaben? wie sollte diese wider die glanzenden Schlüffe der Gegner den geraden Sinn, das einfache Urheil herhaben? Die Eltern hatten sie in den Kampf gesandt ohne Fahne, ohne Waffe, ohne Schild — wundert Ihr Euch, daß sie in des Feindes Lager übergehen? Ja, Ihr habet Schuld, die sich allem Bessernden, allem Umbau widersetzen, die das Gotteshaus verfallen, die Gemeinde verwahrlosen ließen, und nun allein und immer mehr allein stehen! Ja, und ihr habet Schuld, ihr sogenannten Aufgeklärten, die die Hände muffig in den Schoß legen, zerstören, aber nicht bauen! Und der Gefahr des Unglaubens, der Gefahr, daß immer mehr Seelen der Gotteslehre verloren gehen, womit begegnet Israel ihr? Ihr wisset doch, daß der Staat selbst das Band der Gemeinden zerschnitten hat, daß, was der Staat an den Kirchen nicht verwirklicht, er an der Synagoge verwirklicht? Ihr wisset doch, daß der Auflösung der Gemeinden gar Nichts mehr im Wege steht, und daß sie bald hier, bald dort vor sich gehet, bis sie endlich Alle in den Strom versinken? Nun, womit begegnet Ihr diesem? Ja, mit Parteiung in den Gemeinden, so mit dem rechten Zerreißen dessen, was noch zusammenhält, anstatt die Hand des Friedens sich zu bieten im Vaterhause! anstatt jeden aufrichtigen Willen anzuerkennen und sich die Hand zu reichen? Nein! m. Fr. Das müssen wir uns klar machen, daß das Judenthum jetzt in einer Krise steht, wie noch nie, ja, wie noch nie. Von außen der Feind, das neue Heidenthum, von innen der Feind, die Auflösung der Gemeinden. Das dürfen wir uns nicht verhehlen. Aber diese Krise zu bestehen — sehet, ich sage Euch: „wer festen Sinnes ist, den wahret Gott, und hat in ihm einen ewigen Fels." Und die Mittel? Ein lebendiger Eifer und eine kräftige Hand. Wozu? Zu dreien großen Werken. Die Gemeinde im Geiste der Zeit neu aufzurichten, auf dem allen israelitischen Grunde der Brüderlichkeit und Gleichheit. Alle einzelnen Glieder müssen zusammentreten und sich von Neuem einigen, und sich eine neue brüderliche Gemeindeverfassung schaffen. Dies ist das erste Werk, eine Gemeindeverfassung, in der alle Glieder werkthätig und mitschaffend sein können. Und aus dieser Gemeindeverfassung heraus die Synagoge neu aufzurichten, nicht nach dem Belieben Einzelner, Derer und Jener, sondern nach dem Geiste Aller, nach der Gesinnung und dem Bedürfniß, die in der Gemeinde, in ihrer Mehrheit walten, die Synagoge, das ist der Gottesdienst in seiner Lehre und seiner Form. Das zweite Werk. Und aus dieser Lehre und Form heraus das dritte Werk, nämlich: all die Institute der Synagoge, Religionsunterricht und Armenpflege in verjüngtem Geiste, in neuem Aufschwung, in neuer Kraft. Sehet, dies sind die drei großen Werke, durch die das Judenthum in unserer Zeit gerettet werden kann; dies die Mittel, und dazu bedarf es des lebendigen Eifers und der kräftigen Hand. Wohl, ich weiß es, unter dem Flügelschlag des Wortes, unter der Einwirkung des Festes, an dieser Stätte, schlagen wol Eure Herzen höher. Aber das Wort verhallt, das Fest verrinnt, Ihr gehet von dannen, und in Vielen ist es erloschen. Allein das Eine bleibet und laßt mich fröhlich schauen in das Dunkel der kommenden Zeiten — den festen Sinn wahret Gott und in diesem ist ein ewiger Felsen. Amen. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, im September. Durch ein Dekret des Präsidenten der Republik vom 7. August 1849 erhält das Konsistorium von Metz (Moselle) die Vollmacht, zwei Wohnhäuser zum Preise von 35,000 Franks Behufs der Anlegung israelitischer Schulen anzukaufen. —. Den Artikeln 8 und 17 der Verordnung vom 25. Mai 1844 gemäß soll die Neuwahl der Hälfte

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