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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-24 · Heft 39 (24.9.1849) · p. Seite 542

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 39 (24.9.1849)
Date
1849-09-24
Page
Seite 542 (sequence 2)
Language
German
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542 Doch nimmer eint die rauhe Gegenwart Sich der Idee, der Wirklichkeit gepaart." Der alten Runen Spruch Also erklang. Die Zeiten sprechend laut genug, Die sie durchrang — Doch wenn sie einst genug gekämpft, gestritten, Dann naht der Meister ihren müden Schritten, „Du hast die Leuchte nun, Du hast den Stab!" Und zieht den Ring von ihrem Finger ab — Wann kommt die Zeit? Das blieb die dunkle Lehre Ach! der geheimnißvollen Charaktere. (Werden fortgesetzt.) Leit^en-er Artikel. Magdeburg, 18. September. Die Gegenwart in der Menschheit und iw Judenthume. Predigt zum zweiten Tage Rosch haschana. Meine Freunde! Der Prophet spricht, Jeschaja 26, 3. 4.: „Wer festes Sinnes ist, den bewahrest Du; Heil, Heil! weit er auf Dich vertrauet. Vertrauet auf den Ewigen in Ewigkeit! denn im Ewigen ist ein ewiger Fels." Dies ist es, m. Fr., was wir uns zurufen muffen am Anfang und am Ende und immerdar. Den festen Sinn, den unerschütterlichen Willen, der dem Rechten nachgehet, was er erkannt hat als Solches, nicht den Umstanden weichet, wenn sie ungünstig, sich nicht hinrekßen läßt, wenn sie günstig scheinen, diesen festen, besonnenen Sinn wahret Gott, und führet ihn zu gedeihlichem Ziele. Nachdem ich gestern, am ersten Tage des Neujahrsfestes, in andächtiger Betrachtung unfern Blick wendete auf das ganze irdische Leben, unsern Geist richtete auf die Vergänglichkeit unserer Tage, und wie wir diese zu überwinden vermögen — lastet uns heute, wie es sich ziemet, und wie ich es zur Sitte gemacht an dieser Stätte, auf das Einzelne, auf dieses Jahr, das mit diesem Feste vorübergegangen, unsere Betrachtung lenken. Dies ist das Rechte. Wir dürfen über die einzelnen Vorgänge des Lebens nicht den höhern Gesichtspunkt verlieren, nicht jene Höhe, von der aus das ganze Leben zu unseren Füßen liegt; wir dürfen aber auch vor dem Blick in die Höhe und das Allgemeine nicht das Einzelne, das Besondere vergessen. Die Religion muß mit dem Lichte ihres Morgenroths auch die Erlebniffe der Wirklichkeit überkleiden; wir müssen zu aller Zeit die Zeit selbst im Lichte der Religion betrachten, um uns aufzuklären über ihren Werth oder Unwerth, um uns zu beruhigen, um uns zu ermuthigen. Und wie anders vermöchten wir da, als zuerst die Lage der Dinge in der ganzen Menschheit, dann im Judenthume insonders zu erwägen. Dahin folget mir, und dazu ruf' ich Euch noch einmalzu: „den festen Sinn bewahret Gott" und „im Ewigen ist ein ewiger Fels", darum „vertrauet ihm immerdar". Amen. I. M. Fr.! Ein vielbewegtes Jahr ist abermals an uns vorübergezogen. Erinnert Ihr Euch, als wir vor einem Jahre an dieser Stätte standen, was hatten wir da Bedeutendes, Gewaltiges, ja Großes hinter uns. Wieder ist ein Jahr vorübergezogen, und ganz Anderes ist zu Tage gekommen. Wir find hinweggerückt von der Stelle, auf die wir angekommen waren, und haben eine andere eingenommen. Furchtbare Kämpfe hat die Menschheit überstanden, entfesselt war der Streit der Waffengewalt, über Nationen wurden die eisernen Würfel geworfen — es ist entschieden, es ist zum Ende gekommen, es ist wieder still und ruhig geworden auf Erden. Aber mit diesem äußern Kampfe war auch ein innerer verbunden, ja, diese Waffen in den Händen der Menschen waren ja nur die Werkzeuge dessen, was sie innen bewegte und trieb. Wo aber ein innerer Kampf entschieden wird durch die blutige Waffe, da wird er eben nicht entschieden, sondern nur zum Schweigen gebracht. Denn eine Meinung, die sich einmal der Geister bemächtigt hat, kann nur durch Ueberzeugung geändert werden. Wird sie erdrückt, so lebt sie tief in der Brust verborgen weiter und breitet sich da um so gewaltiger aus. Und stehen wir nun, m. Fr., an der Scheide, an dem Grenzstein eines solchen Jahres — gestehen wir es, welcher Gesinnung auch der Einzelne angehört, befriedigt gehet Keiner von hinnen. Wer das Alte geliebt, wer an ihm sich befriedigt fand, er muß es sich dennoch sagen: wieder kehrt es nicht, seinen alten Glanz, seine alte Herrscherkrast hat es verloren; zu tief ist der Bruch, als daß er ganz geheilt werden sollte. Wer den Kampf scheut,

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