Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1849)
- Date
- 1849-09-17
- Page
- Seite 537 (sequence 9)
- Language
- German
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537 2) Am Samstage dürfen die nicht jüdischen Schüler nur in den Gegenständen der Religion und im Kirchengesang e Unterricht erhalten. 3) An den jüdischen Festtagen ist dieSchule auch für die Kinder anderer Konfessionen geschlossen. 4) Die Ferien müssen auch mit Rücksicht auf die jüdischen Feiertage bestimmt werden. 5) Die oberste Schulbehörde muß auch ein Mitglied der jüdischen Konfession haben. (Es wohnen im hiesigen Lande nur 6 bis 700 jüdische Seelen.) Nun frage ich Dich, mein lieber Bruder, in welchem Lande der Welt das Prinzip der Gleichstellung aller Konfessionen so konsequent durchgeführt werden soll? Unser Entwurf hat nur noch die Gutheißung des Landtags nöthig, der wol schwerlich in dieser Beziehung Abänderungen vornehmen wird. Unser Ministerium scheint durchaus nichts Judenfeindliches in sich zu tragen. Der eine Minister wollte als Universitätsstudent ein jüdisches Mädchen aus Heidelberg heirathen und ging nur deshalb davon ab, weil damals noch keine Mischehen gestattet wurden und das Mädchen nicht zum Christenthum übertreten wollte. Und der andere zeigte es durch meine Hinzuziehung zu der Kommission für die Entwerfung des Schulgesetzes. Der Kirchenrath des hiesigen Fürstenthums, der zugleich Mitglied der hiesigen obersten Schulbehörde ist, ging nämlich in Folge der mit ihm gehabten literarischen Fehde — ich schicke Dir hiermit Einiges davon — das Ministerium an, statt meiner einen andern sehr tüchtigen Lehrer einzuladen, erklärte sogar, sein Amt als Mitglied der Schulkommission niederlegen zu wollen, Falls ich zu fraglichem Zwecke berufen werde —; allein das Ministerium beschloß dessenungeachtet meine Betheiligung, und ließ den Superintendenten fallen. Würde das in Baiern auch der Fall sein?" Noch hat man wenig Hoffnung, solche Früchte der Humanität und Menschenliebe reifen zu sehen; denn was läßt sich da Gutes hoffen, wo man trotz aller Aufklärung, Märzerrungenschaften und erwachten Freiheit das Gesetz mit aller Strenge überwacht, „die Zahl der Judenfamilien in den Orten, wo sie jetzt besteht, darf in der Regel nicht vermehrt werden, sie soll vielmehr nach und nach vermindert werden, wenn sie zu groß ist." Wird hier nicht dem jungen jüdischen Baier eine schöne Hoffnung in Aussicht gestellt? Muß ihn das nicht mit wahrer Vaterlandsliebe erfüllen und ihn anspornen, Gut und Blut für sein Vaterland zu opfern? Ach! käme doch auch einmal ein Gesetz in Baiern, in welchem das Prinzip angenommen, daß der Jude auch ein Mensch sei, die Durchführung dieses Prinzipes mit ihren Konsequenzen würde den klarsten Beweis geben, daß der Jude in der Ausübung seiner bürgerlichen Pflichten seinen christlichen Glaubensbrüdern nicht nachsteht. Es wird mir schwül, bange um's Herz, eine Thränc flammt in dem Auge des hoffnungsvollen Jünglings, der wehmüthigen Blickes in die Zukunft sicht. Mir aber blutet das Herz, ich schweige, und überlasse alle weiteren Bemerkungen und Gefühle Ihren Lesern. Simon Hecbt, Lehrer. sWir können doch nicht umhin, die Verwirklichung der in Obigem besprochenen Beschlüsse zu bezweifeln. Redaktion.^ Karlsruhe, 1. September. (Bad. M.) Heute fand in der hiesigen Synagoge ein feierlicher Gottesdienst zur glücklichen Rückkehr und Geburtsfcier S. k. H. des Großherzogs statt, welchem der badische Kriegsminister, Oberst v. Roggenbach, der k. preuß. Oberst und Stadtkommandant v. Brandenstein und Oberst Holz nebst anderen hierzu Eingeladenen beiwohnten. Heidelberg, im September. (Privatmitth.) Es ist eine von gewisser Seite her ausgestreute Lüge, daß dem vr. Friedländer die Dozentur genommen sei. Vor wie nach sind seine Vorlesungen angekündigt und werden von ihm gehalten werden. Posen, 5. September. (Privatmitth.) Unsere Provinz scheint eine von den Landschaften zu sein, über welche sich die Leiden in nicht geringem Maße, Eines nach dem Andern, ergießen sollen. Nach den Schrecken, welche das vergangene Jahr über uns gebracht, und von denen man kaum aufzuathmen begann, ist die Cholera in schreckencrregendem Maße bei uns, insonders in den kleineren Städten, aufgetreten, und hat große Verheerungen bewirkt. Da haben denn auch die jüdischen Gemeinden, z. B. Labischin, viele Verluste zu beklagen, während sie vor 16 Jahren merkwürdiger Weise die Juden meist verschonte. Ich will hier die Details nicht mittheilen, da sie die Leser nur betrüben können, aber ein großes Feld der Bedürfnisse, gebe Gott! des Wohlthuns ist hier wieder 38*