Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1849)
- Date
- 1849-09-17
- Page
- Seite 535 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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535 erscheinen lassen. Je geringfügiger die israelitisch-italienische Literatur ist, desto mehr ist dies hervorzuheben. Die Arch. isr. de Fr. urtheilen darüber folgendermaßen. „Diese Sammlung von Reden ist ein vollständiger Kursus der Moral. Der ehrwürdige Redner behandelt in einer Reihe von Reden von hohem oratorischen Werthe die wichtigsten Fragen des bürgerlichen und religiösen Lebens. Alle zerstörenden Laster, alle erhaltenden Tugenden der Gesellschaft werden hier nach und nach mit einem bewundernswerthen Takte und einer besondern Kraft des Ausdrucks besprochen, und was das Verdienst dieser Reden erhöht, ist, daß man bei jedem Schritte in dem gebildeten Redner des neunzehnten Jahrhunderts den treuen und frommen Schüler unserer religiösen Traditionen findet, und daß er uns so ein glückliches Beispiel der Bereinigung der profanen und heiligen Studien zeigt." Turin, 28. August. Die Israeliten von Acqui haben am 22. August eine Leichenfeier zu Ehren Karl Alberts (des verstorbenen Königs von Sardinien, der sie emanzipirt hat,) gefeiert. Venedig, 28. August. Zu den von der Amnestie Ausgeschlossenen, welche Venedig verlassen mußten, gehört auch der Finanzminister der provisorischen Regierung Pincherle, ein verdienstvoller Israelit. Bei der Ungeheuern Verwirrung der Finanzen, welche gewöhnlich die Erbschaft einer provisorischen Regierung ist, kann man die Ordnung nicht genug rühmen, welche Pincherle hinterlassen, trotz der unendlichen Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen gehabt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, 1. September. Donnerstag spät Abend wurden die Vorsteher der Gemeinde zu Ofen, so wie zwölf Mitglieder gefänglich eingezogen, weil die Kontribution zur anberaumten Frist nicht erlegt worden. (Lloyd.) Peflth, 3. September. (Lloyd.) Hart ist das Loos der Juden im Banate, denen eine Kriegssteuer von einer halben Million Gulden K. M. auferlegt worden. In Arad, Lugos, Werschetz, Weißkirchen, Becskerek, Csakowa, überall haben die Raizen und Serben ihrer Zeit geplündert, überall besteht der meiste Besitz der Juden in Kossuthnoten, und gleichwol sollen sie eine halbe Million zahlen. Wie ich soeben von einem Reisenden höre, der heute aus Lugos angekommen, haben aus diesem Grunde bereits mehrfache Verhaftungen — und ebenso viele Bekehrungen zur lutherischen Kirche stattgefunden. Pesth, 4. September. (Privatmitth.) Beiden schweren Ueberbürdungen, welche jetzt die Juden betroffen haben, jetzt, wo sie nach dem fürchterlichen Kriege, und bei der völligen Entwerthung der Kossuthnoten, noch große Kontributionen in Silber zahlen sollen, stellt sich noch der Umstand ein, daß sich viele Vermögenden, um sich der Kontributionen zu entziehen, taufen lassen. Dies sollte di« Gerechtigkeitsliebe der österreichischen Staatsregierung wenigstens nicht gestatten. Ich meine nicht, daß sie ihnen die Taufe verbiete, wol aber müßten die sich taufen lassen, zuvor ihren Beitrag zur Kontribution gezahlt haben, oder nach wie vor zahlen. Es liegt sicher eine Entwürdigung des Christenthums darin, wenn solche Menschen um Geldes willen zu ihm übertreten. Nein! nicht Entwürdigung des Judenthums, sondern der übertretenden Juden und des Christenthums. Aber ganz abgesehen hiervon, ist die Kontribution eine Strafe, so müssen die Uebertretenden sie mittragen, denn sie haben ja als Juden die Strafe mit auf sich herabgezvgen, der sie nun entlaufen wollen! — Im Uebrigen machen die Kriegsfürsten Ernst, denn es werden überall, wo die Kontributionen nicht erfolgen, Vorsteher und angesehene Gemeindemitglieder in Hast geworfen. Jndeß wird dies auch nicht viel helfen, denn, wenn Nichts da ist, kann man Nichts geben. Unsere Väter haben ihre Religion nicht verleugnet, wenn es ihr Leben kostete, Viele der jetzigen Generation verleugnen sie — um einiger hundert Thaler willen! Wie kömmt dies? Nirgends Anders, als aus der religiösen Bildung der ungarischen Juden selbst. Hier, in Ungarn, wo nur der finsterste Orthodoxismus neben der seichtesten Aufklärung vorhanden, wo die Orthodoxie allen wahren, innerlichen Fortschritt verhinderte, und die oberflächlichste Bildung, die kaum die Außenseite polirte, einen tiefem Inhalt nicht erwirkte — hier ist freilich wenig Halt, wenig Charakter, wenig Bestand, wenig Beharrlichkeit. In ruhigen Zeiten machten sie sich das Spielwerk der Reform, und dann wurden die besten Kräfte in, zur Gemeinheit herabsinkenden Kämpfen vergeudet. Bon wahrem