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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-17 · Heft 38 (17.9.1849) · p. Seite 534

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 38 (17.9.1849)
Date
1849-09-17
Page
Seite 534 (sequence 6)
Language
German
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534 1) Der israelitische Kultus würde durch die Maßregel, welche die Kommission vorschlägt, offenbar von dem Range, den er jetzt einnimmt, herabsteigen; er würde in Frankreich nur noch geduldet sein; erwürbe aufhören den christlichen Kulten gleichzustehen; 2) Kein Mitglied des israelitischen Kultus würde in den Oberschulrath unter der Bedingung eintreten, daß er nur eintreten würde, wenn er berufen worden, und abzutreten, so bald man ihn nicht mehr befragen wolle. Alle Mitglieder eines Rathes einer berathschlagcnden Versammlung müssen gleich, vollständig gleich sein; das israelitische Mitglied des Oberschulraths muß dieselben Rechte und dieselbe Freiheit haben , wie der Bischof und der protestantische Pastor, sonst ist es erniedrigt, in seinem Gewissen verletzt, und es würde eine vollständige Ausschließung vorziehen; 3) Die Maßregel der Kommission würde unwirksam sein, um die Interessen der Israeliten zu vertheidigen. Nur die Mitglieder eines Kultus können die Interessen dieses Kultus ermessen und über den Zeitpunkt urtheilen, wo es angemessen ist sie zu vertheidigen, die vorzustellen, sie geltend zu machen. Die anderen Mitglieder des Raths werden sich wenig um eine Minorität bekümmern, wie die, welche wir vertreten; 4) Endlich, im Interesse des Gesetzentwurfes selbst, darf man nicht die Spuren eines Rückschrittes darin lassen, einer Rückkehr zu den Prinzipien der Unduldsamkeit aus einem andern Zeitalter, um die Republik weniger freisinnig zu zeigen als das Königthum. Herr Beugnot hat diese Gründe vollständig erkannt, und Herrn Franck Alles, was von ihm abhangt, versprochen, um den israelitischen Kultus auf dieselbe Stufe, wie den protestantischen Kultus zu stellen, und in den Oberschulrath ein israelitisches Mitglied unter denselben Bedingungen wie die übrigen Glieder zu bringen. (Man sieht hieraus, daß für einen Kultus der Minorität niemals die Zeit komme, wo er nicht wachsam sein müsse!) —. Wie die Parteien auch in Frankreich noch immer die alte religiöse Gehässigkeit ausbeuten, namentlich wieder in der neuern Zeit, ersieht man unter vielen Beispielen aus dem llourrier de Lyon, der Herrn Cremieux nie anders als den „Judenminister" (ministre juif) nennt. —. Bei dem in Paris abgehaltenen „Friedenskongreß" waren ein katholischer Geistlicher und ein protestantischer Pfarrer betheiligt. Es ist uns angenehm zu sehen, daß auch Einer unserer Glaubensgenossen in demselben Kreise eine sehr interessante Rede gehalten. Herr Julius Avigdor (aus Nizza) wurde oft vom Beifallsruf unterbrochen. Er hat mit vielem Rechte geltend gemacht, daß, bevor man die Regierungen überrede, den Weg des Friedens zu betreten, muß man die Regierten dahin bringen, dem Bürgerkriege zuvorkommen, und freudig haben wir ihn verlangen sehen: nach der politischen Freiheit für alle Völker die Freiheit des religiösen Glaubens! Ehre sei dem Herrn Avigdor dafür, die Aufmerksamkeit einer Versammlung wie der „Friedenskongreß" auf diesen Punkt geleitet zu haben. (Man sieht, wie überall und bei jeder Gelegenheit der Jude der Vertreter der Gewissensfreiheit für Alle ist.) —. Das Jewish Chronicle bemerkt, daß bis jetzt die Cholera in London noch keinen Juden betroffen hat. In Paris ist dies nicht der Fall, und sie hat ihre furchtbaren Schläge dort ohne Unterschied des Kultus ausgetheilt. (Arch. isr. de Fr.) (Während in Deutschland bis jetzt verhältnißmäßig wenige Juden davon befallen worden, ist^ies im Großherzogthum Posen neuerdings nicht der Fall. S. unten.) Italien. Rom, 8. August. Den Arch. isr. de Fr. meldet ein Korrespondent aus Rom, daß in Bezug auf die bürgerliche und politische Stellung der Juden dort Alles in den alten Zustand der Dinge zurückgekehrt ist. „Die provisorische Regierung, sagt er, that Nichts für uns; die Republik drückte ihre Sympathieen für uns aus. Das allgemeine Stimmrecht brachte zwei Israeliten aus Bologna und Ferrara in die Konstituante; das Votum des Volkes berief drei Glaubensgenossen in den Stadtrath, und 150 der Unsrigen traten in die Reihen der Nationalgarde ein; endlich versprach die Konstituante alle Versprechungen zu verwirklichen. Sie ist jetzt todt, und es ist an der Reaktion, nicht am beschließenden Rathe, ob wir schwarz oder weiß sein werden." —. Der Rabbiner von Padua, David Grazia Dio Biterbi von Mantua, hat eine Sammlung Predigten

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