Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1849)
- Date
- 1849-09-10
- Page
- Seite 523 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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523 seligkeiten, die langjähriger Fleiß und Schweiß gesammelt, um so viele langgenährte Hoffnungen unter einem Schutthaufen für immer zu begraben. Diese Unglücklichen stehen nun vor den leergebrannten Stätten, wie vor einem Friedhofe, und schauen mit thränenschweren Augen auf die zahllosen Gräber, die schonungslos all' ihr Besitzthum verschlungen. Gar Viele, denen gestern noch in ihrer häuslichen Stiftshütte der Ahronsstab des Glückes geblüht, schleichen heute am Bettelstäbe einher; so Manchem, dem gestern noch die Sonne des Wohlstandes gelachelt, hvhnlacht heute der grinsende Mangel und daS hohläugige, nackte, gräßliche Elend. Nicht lange mehr, und der rauhe nordische Winter mit seinem Grauen und Schrecken vermehrt noch den Jammer und die Trostlosigkeit. Ohne Nahrung, ihre verschmachtenden Glieder zu stärken; ohne Kleidung, ihre Blöße zu decken, irren Tausende rastlos, verzweiflungsvoll, weheklagend und händeringend in den Gaffen umher. Wo nun Hilfe suchen für die Bedrängten, wie die ungeheure Wucht des Elends von ihnen wälzen, die das Schicksal so schwer ihnen ausgebürdet? Wol haben mehrere Mitglieder unserer Gemeinde es sich vereint zur heiligen Pflicht gemacht, mit allen Mitteln, die ihnen zu Gebote stehen, den Unglücklichen unter die Arme zu greifen; aber werden wol jene ein Mehreres im Stande sein, als höchstens der augenblicklichen Noth zu steuern? Wird wol daS ganze Aufgebot unserer Kräfte hinreichen, auch nur für die nächste Zukunft den Lebensbedarf so vieler Hilfsbedürftigen zu sichern? Darum ergeht unsere Bitte an alle edlen Menschenfreunde von nah und fern: Auf, wer nur ein menschlich Fühlen in seiner Brust tragt, auf! Eueren unglücklichen Brüdern zu Hilfe! Leget Euere edlen Gaben und Spenden auf dem Altäre der Nächstenliebe nieder; helfet uns die schönste Pflicht der Menschenliebe üben, die Hungrigen speisen, die Nackten bekleiden, die gebeugten Gemüther auf- und emporrichten. Aber lasset uns Euer« Beistand auch so schnell als möglich angedeihen, — wer schnell giebt, giebt doppelt! Veranstaltet Sammlungen, und lasset deren Erträgnisse dem Unterzeichneten Ko mite zukommen. Und gewiß, Ihr werdet in den getrockneten Thränen, in den geheimen Seufzern und Bitten um den himmlischen Segen für Euch, in dem Wiederauferstehungsfeste so vieler Tausende den schönsten Kranz der Belohnung finden, den nur das Bewußtsein edler Thaten aufzusetzen vermag! Brody, am 20. August 1849. Vom Unterstützungskomite der durch Feuer Verunglückten in Brody. Magdeburg, 3. September. Es ist offenbar, daß gegenwärtig auch auf unserm Gebiete der österreichische Kaiserstaat ein besonderes Interesse auf sich zieht, und wir sammeln daher die Notizen um so eifriger, welche die verschiedenen Gegenstände, die dort die allgemeine Aufmerksamkeit erwecken, beleuchten, wenn auch meist von bestimmtem Parteistandpunkt aus. Pesth, 27. August. (Lloyd.) Bei der hiesigen Untersuchungskommission ist die gegen den pesther Stadtpfarrer und den Oberrabbiner eingeleitete Prozedur noch in der Schwebe. Dem Dr. Schwab wurde gestattet, seine Vertheidigung zu Papier zu setzen, und hat der ehrwürdige Mann dabei freilich seinen Scharfblick nicht zu Hilfe rufen müssen. Es scheint uns, daß er nur sein Leben und seinen 14jährigen loyalen Wirkungskreis in Pesth zu erzählen braucht, um die ganze Unbescholtenheit seines biedern geistlichen Charakters hervorzuheben. Wir erinnern uns noch der Periode unter dem Fürsten Windischgrätz, wo der Ortsrabbiner, wie man allgemein in der Stadt davon sprach, keine Predigt vorübergehen ließ, ohne seine Gemeinde zu den edelsten Pflichten der Loyalität aufzumuntern, was auch in den meisten öffentlichen Blättern mit Lob erwähnt wurde. Die Magyarenpartei war immer schlimm auf diesen Mann zu reden, und als er den Befehl zu einer Predigt in ihrem Sinne erhalten hatte, glaubte sie in der Person des Bramarbas Beste einen referirenden Mandatar in das Gotteshaus schicken zu müssen. Beste hat zur Zeit sich berufen gefühlt, selber wahrend des jüdischen Gottesdienstes seine Guerillastimme zu erheben, vermuthlichin der Absicht, mehr Effekt zu machen, als dem bescheidenen, stillen Geistlichen gelungen sein mochte. Pesth, 29. August. (Lloyd.) Am verflossenen Sonntag trat der gesammte Handelsstand in der Kaufmannshalle zu einer Berathung zusammen, ohne daß jedoch diejenigen, die den ersten Anlaß dazu gegeben, durch den Erfolg befriedigt worden wären. Bekanntlich war es die jüdische Kaufmannschaft Mittlern Ranges, welche die Jnsolvenzerklärung der ganzen Körperschaft, und in Verbindung damit, die Kontra-