Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-10 · Heft 37 (10.9.1849) · p. Seite 522

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 37 (10.9.1849)
Date
1849-09-10
Page
Seite 522 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225644--10449-3240501
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

522 Man sieht es, daß auch der glänzendste und begabteste Redner nach einiger Zeit das Publikum nicht mehr lockt, so daß es in kleineren Städten eine Vergunst ist, daß sich doch immer noch ein bestimmtes Publikum am Gottesdienste betheiligt, in größeren Städten, daß immer viel neugierige Fremde da sind. In den meisten Synagogen hat man sich damit geholfen, daß die Predigt nicht allsabbatlich stattfindet. Nein! die Predigt, wie sie ist, kann nicht die letzte und alleinige Form sein. Ich bitte meine Leser im Voraus um Verzeihung, wenn ich hier einen Vergleich ziehe, der Vielen anstößig erscheinen wird, allein da es sich hier um allgemeine Beobachtungen auf dem Gebiete des Menschlichen handelt, so wird man ihn zulassen. Blicken wir auf Volksversammlungen, oder besser auf Klubbs, Vereine rc. Sehen wir hier ein ungemein gewecktes Interesse, eine lauschende Aufmerksamkeit, einen östern Durchbruch der Theilnahme, Spannung und Regsamkeit. Wodurch kommt die da herein? Nicht blos durch die Gegenstände; sie Liegen oft dem großem Publikum sehr fern und hoch, und der Inhalt der Religion ist fürwahr geeignet, alle Seiten der Menschenbrust anzuklingen. Auch schwindet das Interesse da bald, wo etwa nur ein Redner sich hören laßt, und wäre er der begabteste. Sondern die Disputation, die Diskussion, die wechselnde Erörterung, die freie Bewegung und Behandlung des Stoffes, dort die Aufstellung eines Zweifels, einer entgegengesetzten Ansicht, da die Bekämpfung derselben und die lichte Ueberzeugung — dieser lebendige und wechselnde Strom ist es, der das Interesse weckt und spannt. Das Gegentheil auf der Kanzel im modernen Gottesdienste. Anderes, jenem ähnlich, in der alljüdischen Synagoge, sowot an Form, indem es allerdings zur Diskussion kommen konnte, als an Inhalt, da derselbe nicht in den engen Schranken der Metaphysik verblieb. Ich kann allerdings noch nicht angeben, auf welche Weise hierauf zurückzukommen sei. Ich wollte heute nur darauf aufmerksam und es klar machen, daß die Neugestaltung des jüdischen Gottesdienstes bis jetzt nicht auf dem ganz rechten Wege ist, sondern daß wir an die Grundelemente des altjüdischen Kultus denken, und sie von Neuem wiebergebären müssen, wollen wir einen günstigem und dauerndern Erfolg erringen. Sehr angenehm wäre es mir, wenn die hier besprochenen Gedanken Widerspruch und Beleuchtung fanden. Zeitungsnachrichten. OesterreichLscher Kaiserstaat. Magdeburg, 3. September. Soeben erhalten wir folgende Zuschriften. Wir werden Beiträge gern entgegennehmen, an die Adresse senden, und sie in dieser Zeitung verzeichnen. Die Redaktion. Da uns Ihre Bereitwilligkeit bekannt ist, mit der Sie stets der Förderung edler und humaner Zwecke die Spalten Ihres geschätzten Organs offen gehalten, so erlauben wir uns, Ihnen inliegenden Aufruf an edle Menschenfreunde mit dem Ersuchen zu übersenden, demselben die Aufnahme in Ihr weit verbreitetes Blatt gestatten und im Interesse der Tausende von Verunglückten unserer Stadt eine Subskription gefälligst eröffnen zu wollen. Die entfallenden milden Beiträge belieben Sie dem Unterzeichneten Konnte in Bälde gütigst zuzusendeir und indem wir im Namen so vieler Unglücklicher Ihnen im Voraus unfern verbindlichsten Dank sagen, zeichnen wir hochachtungsvoll Ew. Wohlgeboren Ergebenste Karl Hausner, Vorstand. Mayer Kallir, Sektionschef. Nathan Kallir, Sekretär. David Horwitz, Sekretär. Brody, den 28. August 1849. Brand in Brody. Noch waren aus unserer einst so blühenden freien Handelsstadt die unheilvollen Spuren der Cholera nicht verwischt, als plötzlich ein neues Unglück sie heimgesucht — sie ward am 17. dieses Monats ein Raub der Flammen. Kaum zum Ausbruche gelangt, wuchsen sie bald zu brennenden Lavinen, die mit solcher Blitzesschnelle über die Straßen dahinstürzten, daß die Stadt einem Feuerweere glich, welches keine Menschenhand mehr zu dämpfen vermochte. Gegen 500 Häuser, darunter 10 israelitische Bethäuser, die katholische Pfarrkirche, das Magistratsgebäude, die Hauptwache u. s. f. wurden eine Beute dieses feindlichen Elementes und 6330 Personen ihres Obdaches beraubt. Wenige Stunden reichten hin, um alle Hab-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.