Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1849)
- Date
- 1849-09-03
- Page
- Seite 514 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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814 sie auch die schönste Musik zu schreiben im Stande sind —!!" Hiermit wendet der Briefsteller sich gegen den Art. aus Speyer in No. 26, S. 356 d. Bl., und kritisirt an dem dort gegebenen Beispiele, wie es gegen alle grammatikalische Betonung verstößt, noch musikalisch richtig ist. Er weist dagegen auf Sulzer's Schir Zion, auf die Partitur von Naumburg und das münchener Werk hin. „Wahr ist's, daß ein solches Gesangbuch, d. h. eine solche Sammlung von leichten Choralmclodieen für unsere Synagoge noch fehlt, wodurch jener Zweck erreicht wird, den ich oben angedeutet, nämlich daß nicht nur der Chasan und Choc singen, ja oft künstliche Musikstücke vorführen, wobei das ganze theilnahmlos, ja oft in größter Langeweile steht, sondern der Chasan und die ganze Versammlung der Betenden wechselsweise beschäftiget sind. Der Chor mag blos zur Stütze der Versammlung da sein, was bei uns um so nothwendiger ist, da wir keine Orgel- und Instrumentalmusik haben." *) Der Korresp. schließt: „Uebrigens hoffen wir in einiger Zeit die Anzeige von solchen Sgnagogengesangen machen zu können, welche durch grammatikalische Richtigkeit und leichte Exekution sich einer schnellen Verbreitung erfreuen dürften." Bibra bei Meiningen, 10. August. Von Herrn Rosenthal. Nach einer längern Einleitung spricht sich der Korresp. dahin aus: „Wenn auch an einzelnen Orten günstigere Resultate erzielt worden, so laßt es sich dennoch nicht leugnen, daß unserm Chorgesange die Einheit gänzlich fehlt. Die Melodiken sind so verschiedener Art, der Zusammenhang zwischen ihnen so gänzlich mangelnd, daß man versucht wird, das Ganze für ein musikalisches Quodlibet zu halten. Ohne Modulation wird von einer Tonart zur andern übergegangen, auf ein Andante folgt ohne die geringste Vorbereitung ein Allegro rc. Es ist dies die alte beliebte Weise recht viel „Stückchen" zu singen. Dieser Gewohnheit haben sich die meisten Kantoren noch nickt entschlagen und unser jüdisches Publikum ist genugsam daran gewöhnt. Da möchte man an jedem Sabbat einen andern *) Das Nachdrücklichste, wenn auch kurz, hat hierüber unser Korresp. „von der Elbe" No. 21, S. 282 d. Bl. gesagt, welchen Artikel wir zu genauer Beachtung nur wiederholt empfehlen können. Redakt. i-ob, an jedem Tage eines Festes einen neuen bw, einen neuen mn, dttn, w'np rc. Geben wir in dieser Beziehung nach, so kann es nicht fehlen, daß kein Gesang vom Chor gut vorgetragen, noch viel weniger sich in das Gedachtniß der Gemeinde einprägen wird. Und so lange wir es nicht dahin bringen, daß die ganze Gemeinde am Gesänge Antheil nimmt, wird unser Gottesdienst nicht allgemein erbauen, wird die Langweile, die sich Vieler wahrend des Chorgesanges bemächtigt, nicht schwinden. Ueben wir für's Erste nur wenige Gesänge ein, diese aber recht gut, sowol hinsichtlich des Taktes als der Dynamik. Diese muffen wir so lange singen lasten, bis auch die ganze Gemeinde, wenigstens der singsahige Theil derselben, dieselben mitsingen kann und dann erst dürfen wir zu neuen Melodiken übergehen. Der Mangel an Einheit in unserm gottesdienstlichen Gesänge wird noch klarer, wenn wir die Vortragsweise des Vorsängers mit den Gesängen des Chors vergleichen. Erstere ist in der Regel die alte und nur am Schluffe wird, so gut es geht, zur Tonart des Chorgesanges übergegangen. Ich habe dieses schon sehr oft mit angehört und nicht selten ist es vorgekommen, daß der Vorsänger in Moll rezitirte, während der Chorgesang in Dur ansing. Das sind neue Lappen auf ein alles Kleid. Die ganze Vortragsweise des Vorsängers muß mit den Gesängen des Chors in Tonart und Takt in engster Harmonie stehen, sonst ist es ein Flickwerk, aber kein geordneter, Kirchengesang. Ein zweiter nicht minder erheblicher Fehler liegt in vielen jüdischen Gesängen selbst. Wir muffen gestehen, für Musik ist bei uns noch sehr wenig gethan und wird leider noch wenig gethan. Wenn man so ziemlich in allen jüdischen Schulen Gesang auf dem Stundenplan antcifft, so wird derselbe doch sehr stiefmütterlich betrieben. Die meisten jüdischen Lehrer besitzen eben nicht mehr Kenntniß von Musik als zum Einüben leichter Lieder nothdürftig ausreicht. Haben sie es so weit gebracht, daß sie irgend ein Instrument mit einiger Fertigkeit spielen können, so haben sie das non plus ultra erreicht. Ob es mit den Kantoren besser steht, möchte ich sehr bezweifeln. Unsere wirklichen Musiker bekümmern sich nicht um unfern Kirchengesang. Daher kömmt es, daß wir wenig gute, den Anforderungen der Harmonielehre entsprechende Gesänge besitzen. Viele sind so monoton, den Gesetzen der Komposition zuwiderlaufend, daß sie kaum zu gebrauchen sind. Möchten doch Alle, die Kompositionen liefern wollen, wohl beherzigen,