Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1849)
- Date
- 1849-09-03
- Page
- Seite 513 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225606-3225643--10439-3240490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
513 sen im Boden des religiösen Glaubens, krönt den Schluß der alttestamentlichen Geschichte des Volks*). Hieraus ist ersichtlich, wie die jüdische Volksgeschichte von einem aus patriotischen und volksthümlichen Bestandtheilen zusammengedrehten Faden durchzogen und verbunden ist, wie keine andere Volksgeschichte. Eben weil in ihr das religiös-patriotische Prinzip in innigster Verschmelzung und gegenseitiger Durchdringung vorherrscht, eignet sie sich mehr als jede andere dazu, um in richtiger, fruchtbarer Anwendung die edlen Gefühle der Vaterlandsliebe und Nationalitätssinn zu wecken und zu pflegen/' Wenn ein christlicher Theolog also über unsere Geschichte urtheilt und dieselbe als ein zweckdienliches Bildungsmittel nachweist, um in den jugendlichen Herzen echten Patriotismus zu wecken und zu fördern; um wie viel mehr muß es den israelitischen Theologen und Jugendbildnern, die dieses Feld so häufig betreten und so vielseitig zu bearbeiten haben, daran gelegen sein, unseren Feinden gegenüber, durch die That, durch die Heranbildung echter Patrioten (im Gegensatz gegen die heut zu Tage so häufige Erscheinung eines auf unreinen Triebfedern ruhenden Pseudopatriotismus), zu bewahrheiten, wie jene nur auf religiösem Boden wahrhaft gedeihen, der das Unkraut der Selbstsucht und des Eigennutzes, dessen wir nicht selten beschuldigt werden, nicht auskommen laßt, zur Selbstverleugnung hingegen kräftige Antriebe darreicht, Menschenliebe, und was noch mehr ist. Gemein sinn erzeugt. Wir können in dieser Hinsicht die Worte des Dichters nicht genug beherzigen: „Theuer ist mir der Freund, doch auch den Feind kann ich nützen. Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll/' Und mehr als durch alles Andere werden wir dadurch in unserm Kreise jener göttlichen Weisung Nachkommen: „Befördert das Wohl der Stadt (des Staates), wohin ich euch habe führen lassen." (Jerem. 29, 7.) L. Hofheim er, Lehrer. *) Die makkabäische Periode ist nicht die letzte — der Kampf gegen die Römer, wenn auch unglücklichen Ausgangs, ist durch und durch religiös-nationaler Erhebung! Red. d. A. Z. d. Jud. Synagogengesang. Da wir die sämmtlichen Einläufe über diesen Gegenstand dem ganzen Umfange nach nicht geben können, so wollen wir wenigstens das Nöthige registriren. Anklam, 18. Juli, von Herrn Kantor Schlesinger. Er versichert, daß es ihm gelungen ist, die Klippe zu vermeiden, die darin besteht, durch Bearbeitung der traditionellen Melodieen diese zu zerstören. Ueber das Wie? ist nichts Näheres angegeben. Er klagt dann über die großen Hindernisse, die dem Retigionslehrer entgegengestellt werden, indem es in den Gemeinden Leute giebt, welche das Ansehen des Religionslehrers zu untergraben und die Gemeinden zu terrorisiren suchen. München, im Juli. Der tüchtige, sachverständige Korresp. spricht es zuerst als bestimmte Meinung aus, daß es um unsern Gottesdienst nicht eher besser werden könne, als bis „die ganze Versammlung durch Beschäftigung am Gottesdienste mit Herz und Mund von selbst dazu beitrage". Darunter versteht er: „daß der Synagogengesang in geregelter, leichter Weise Gemeingut des Vortragenden und der Gemeinde selbst wird." — Als dahin führend, dringt er zuerst auf intelligente Vorstände, tüchtige Rabbinen und Lehrer, welche tiefe grammatikalische Kenntniß des Hebräischen mit Musikkenntniß vereinigen. Dann muß es der Jugend zur Pflicht gemacht werden, bei den einmaligen wöchentlichen Uebungen im grammatikalischen Gesang zu erscheinen. (Dies Letztere ist eben das Schwierige da, wo nicht jüdische Elementar- oder Bürgerschulen bestehen!) „Nothwendig wird es aber auch sein, daß ein Lehrbuch zu Tage gefördert wird, woraus der angehende Kantor sein Wissen in hebräischer Sprache und Musik bereichern könne, ein Lehrbuch, das reich an gediegenen Beispielen für Gesang und grammatikalischer Aussprache des hebräischen Textes, seinen Geschmack läutern, damit er nach solchen Mustern in der rnusiea saera arbeite, nur Solche wähle und an solchem Vortrage sich gewöhne und übe. Dadurch wird auch der Zuhörer für einen bessern gottesdienstlichen Gesang empfänglich werden, und für das Profane, Falsche und Gehaltlose in der Synagoge, wenn auch von schöner Stimme vorgetragen, verwahrt sein. Besitzen wir solche Institute, solche Lehrmeister, dann wird es auch nicht nothwendig sein, daß man wird für unsere Synagoge müssen von solchen Musikern komponiren lassen, denen der Sinn des Wortes, dessen Ursprung und gehörige Betonung ganz fremd ist — wenn