Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1849)
- Date
- 1849-09-03
- Page
- Seite 512 (sequence 12)
- Language
- German
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512 im Anfang des Exils hatte das Feuer des patriotischen Geistes in wehmüthigen Trauecgefühten, genährt durch Jeremias Klagelieder, noch einmal gelodert, da sie an Babels Wassern um das verlorne Land der Vater laute Wehklagen erhoben; aber was der heilige Dichter Ps. 137, 5. in begeisterter Vaterlandsliebe ausspricht: „Vergesse ich Dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen!" — das war am Ende des Exils wenigstens nicht mehr die herrschende Nationalstimmung. Mit den letzten Heimwehgefühlen war das Feuer der Vaterlandsliebe abgebrannt. Nur in 42,000 Seelen lebte noch genug religiös-patriotischer Sinn, um jedem neuen Opfer sich zu unterziehen, das der Plan erforderte, die heilige Stadt und den Tempel wiederherzustellen, um den öffentlichen Gottesdienst wiedereinzuführen und durch Restauration des mosaischen Kultus für weitere Veranstaltungen Gottes zu Erfüllung seiner Rathschlüsse die Möglichkeit offen zu halten. Sollten die Wege Gottes dich in das Ausland führen, so bewahre auch da die Anhänglichkeit an das Vaterland! Pfui denen, die vor dem Auslande die Nationalehre preisgeben, das Vaterland verunehren oder gar verleugnen! Unpatriotisch klingt es: wo es gut ist, da ist mein Vaterland! Nein, wo mein Vaterland ist, da ist es gut! Vergesse ich dein, Vaterland, so werde meiner Rechte vergessen! Unter den drei patriotischen Führern, die in einem Zeitraum von 92 Jahren Züge jüdischer Auswanderer aus Babylonien nach Jerusalem führen, Serubabet, Esra und Nehemia, hat der Dritte durch thatige Aufopferung und aufopfernde Thatigkeit für seine Volksgenosien sich die meisten Ansprüche an dm Namen eines Patrioten erworben. Als Mundschenk des Perserkönigs Artaxerxes zu einem der ersten Staatsmänner erhoben, erbittet er sich, bei eingetroffener Nachricht über die ungünstige Lage seiner Volksgenossen in Judäa tief bekümmert, von seinem Gebieter die Gnade, als Statthalter nach Judaa versetzt zu werden (Neh. 1, 2.). Mit königlichen Vollmachten versehen betrieb er die Fortsetzung der Wiedererbauung und Befestigung Jerusalems (Kap. 3), stellte eingeriffene Mißbrauche ab (5, 1—12), führte Ordnung und Gesetzlichkeit ein (7, 1—4. 73.) und suchte in Verbindung mit Esra der religiösen und patriotischen Stimmung des Volkes neuen Aufschwung zu geben (8, 9—18., 9, 1. ff.). Hatte Nehemia schon dadurch edle Uneigennützigkeit und Selbstvertrauen bewahrt, daß ec seine hohe Stellung am persischen Hofe verließ, um unter mancherlei Entbehrung, Mühe und Gefahr (2, 10., 4, 1. ff.) seinem Vaterlande zu dienen, so bewährt er denselben Sinn durch seine Verzichtleistung auf den Statthaltergehalt (5, 14—18.). Im Laufe einer zwölfjährigen Amtsführung vollführt er Großes im Vertrauen auf Gott (2, 20.) und in der Liebe zu den Brüdern, in der Hoffnung, daß Gott ihm dessen zum Besten gedenken werde (5, 19., 13, 22. 31.). Sein Beispiel stellt in anschaulicher Lebendigkeit dar sowol was die rechten Früchte des Glaubens und der Liebe sind, als auch, wie Glauben und Liebe dem nationalen Sinn die rechte Richtung, Nahrung und religiöse Weihe giebt. Unsere Religiosität werde nicht zwischen vier Wände gebannt, sondern hinaus damit in das Leben! Die letzte glorreiche Periode der jüdischen Dolksgeschichte bildet das Jahrhundert der Makkabäer. Herausgefordert durch den unpolitischen Versuch des damaligen Herrschers von Judäa, des syrischen Königs Antiochus IV., bei den Juden mit Hilfe von Militärmacht griechische Religion und Sitte einzuführen, herausgefordert auch durch eine Partie glaubensabtrünniger Juden, die sich von religiöser Gleichförmigkeit mit den übrigen Völkern Vortheile versprachen (1 Makk. 1, 12—16., 43—45) trat das Heldengeschlecht der Makkabäer an die Spitze gleichgesinnter Volksgenossen, um im Vertrauen auf Gott (3, 18—22.) für Religion und Vaterland in vieljahriger, muthiger Gegenwehr gegen den syrischen Gtaubenszwang den blutigen Kampf zu wagen. Mattathias, ein in Medin angesessener Priester, eröffnete diese Gegenwehr mit einem Schwertstreich gegen einen abtrünnigen Juden, der auf einem dort errichteten Götzenaltar opferte, und gegen den kommandirenden syrischen Offizier (2, 23—25), die ertödtete, den Altar zerstörte, darauf mit den Gleichgesinnten das Land durchzog, um die Götzenaltäre einzureißen, die Abtrünnigen zu züchtigen, und die mosaische Verfassung aufrecht zu erhalten. Als der greise Mattathias im folgenden Jahr nach schöner, patriotischer Ansprache an seine fünf Söhne verblich (2, 49—70.), rückten diese zum Ersatz des von Israel betrauerten Verlustes in seine Stelle ein, um für Religion und Vaterland zu kämpfen und zu sterben, wie auch Andere von gleichem Sinn beseelt mit einem im langsamen Märtyrertod ausharrenden Glaubensmuth der guten Sache sich opferten (2 Makk. 6, 18—31., 7, 1. ff.). Nirgends erscheint das israelitische Volk so achtungswerth, als hier in dieser Schilderhebung für das Heiligthum des Vaterlandes; ein reiner, echter Patriotismus, weilerwach-