Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1849)
- Date
- 1849-09-03
- Page
- Seite 510 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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510 rechten, welchen Weg er einzuschtagen hat, um sich den Genuß seiner wichtigsten Besi'tzthümer so angenehm als möglich, oder, ohne Metapher zu reden, um sich die heiligen Lehren seiner Religion so verständlich als möglich zu machen? Dieselbe Berechtigung, die wir den Religionsphilosopben aller Zeiten zuerkennen, darf auch die Kabbala beanspruchen. Ihre Meditationen sind tiefsinnig, ihre Forschungen kühn, doch immer innerhalb der Schranken der Grundprinzipien des Judenthums sich bewegend. Daß ein großer Fond echt jüdischer Gelehrsamkeit in den Urhebern der Kabbala sich vorgefunden, daß sie das ganze Gebiet der jüdischen Theologie beherrscht und zahlreiche Hilfsmittel ihnen zu Gebote gestanden haben müssen — wer kann dies bezweifeln? Daß unter diesen Hilfsmitteln auch wichtige Traditionen aus den ältesten Zeiten gezahlt werden dürfen — dafür ist wenigstens eine große Wahrscheinlichkeit. Und so bleibt denn die Kabbala für alle Zeiten ein schätzbares Monument echt jüdischen Wissens und Stcebens." Indem wir auf diese tüchtige, die Kenntniß und Forschung der Kabbala höchst fördernde Arbeit des Herrn Joel nochmals zurückzukommen gedenken, geben wir ihm unsere ganze Anerkenntniß, namentlich aus einer Zeit, die wissenschaftlichen Werken so überaus ungünstig ist, zu erkennen. Magdeburg, 27. August. Der Talmud in seiner Wichtigkeit. Eine Beleuchtung der Schrift von A. Büchner „Der Talmud in seiner Nichtigkeit." Nach einem hebräischen Manuskript von M. Tannen bäum bearbeitet von H. Nußbaum zu Warschau. Magdeburg, 1849. Es giebt Dinge, die unzählige Male abgethan werden, und dennoch sich immer wiederholen. Hierzu gehören die Angriffe auf den Talmud, nicht auf seine Autorität, auf den Grad der Verpflichtung für den Israeliten, der ihm snwohnt, sondern aufseinen Inhalt; jene Angriffe, die ihn als ein menschenfeindliches, unmoralisches Werk, als eine Ausgeburt der Gehässigkeit gegen alle Nichtjuden darstellen. Wie oft sind diese Angriffe geschehen, wie oft widerlegt! Demungeachtet erneuen sie sich immer wieder, und da es Gegenden und Regionen giebt, worin solche Angriffe auf den Talmud ebenso viele auf die Juden heißen, worin man dem Talmud gern etwas an's Zeug flicken sieht, weil man damit den Juden einen Nachtheil zu schaffen glaubt, so ist es nicht blos eine historische Ehrenrettung, eine Abweisung einer falschen Kritik, wenn man jene Angriffe widerlegt, sondern es ist dies zugleich das Verdienst, die J«de« in jenen Gegenden und Regionen vor Beschimpfung und Benachtheiligung zu retten. Dieses Verdienst schreiben wir in vollem Maße dem anzuzeigenden Schriftchen zu, und erkennen es an. Die bezeichneten Gegner des Talmud pflegen: 1) das Zeitalter, in welchem die lange Reihe der Talmudksten, die herben und harten Verhältnisse, Ln denen sie gelebt, und den Bildungsgang derselben völlig zu ignoriren; 2) Stellen aus dem Zusammenhangs zu reißen; 3) diese dann auf die gehässigste Weise zu interpretkren, endlich 4) nicht zu beachten, daß Einzelnes nur als strengst konsequente Folgerung im Detail gelten kann, ohne daß ihm eine Allgemeinheit Lnwohnt. Auf diese hinterlistige Weise gelingt es ihnen freilich Sätzchen aus dem Talmud vorzubringen, auf die sie triumphirend Hinweisen, um ihre Behauptung von dem feindseligen und intoleranten Charakter des Talmuds zu stützen. Wer diesen Helden dann in ihre Schlupfwinkel folgen will,- hat eben mit Geschick das Gewebe, das Netz aufzulösen, das sie aufgestellt haben. Wenn die oben bezeichneten Angriffsweisen die des Herrn Büchner in vollem Maße sind, so ist es dem Verfasser der vorliegenden Schrift gelungen, meist siegreich und schlagend den Gegner zu entwaffnen, und ihm eben seine Hinterlist nachzuweisen. Allerdings ist der Titel an sich nicht ganz richtig gewählt. „Der Talmud in seiner Wichtigkeit" läßt uns eine Darstellung von all den Momenten erwarten, welche dem Talmud seine unverwüstliche Bedeutung für die menschliche Kulturgeschichte überhaupt, insonders aber für das Judenthum verleihen. Davon ist aber hier, außer ganz allgemein, nicht die Rede, sondern der Titel ist nur Anspielung auf den Titel der Buchner'schen Schrift, indem statt „Nichtigkeit" „Wichtigkeit gestellt ist. Vielmehr stellt der Verf. in einer langem Einleitung Betrachtungen über Religion überhaupt, über das Dasein Gottes, die Lehre von Gott, und das Verhaltniß des Menschen zu ihr an; laßt sich dann über den Unterschied der alten und modernen Weisen aus, geht zu den Gegnern der religiösen Anschauung über, und kommt so zu den Feinden und Angreifern des Talmuds. Von hier aus folgt er der Buchner'schen Schrift Schritt vor Schritt, und dringt so in das Detail ein. Die Schrift ist aus dem Hebräischen übersetzt. Man weiß, daß dies dem Ganzen einen unverwischbaren Charakter giebt. Es wird dadurch der streng wissenschaftliche