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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-03 · Heft 36 (3.9.1849) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 36 (3.9.1849)
Date
1849-09-03
Page
Seite 509 (sequence 9)
Language
German
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509 Gott hervorgerufenen, den Keim alles Werdens in sich tragenden und — mit Hilfe göttlicher Mitwirkung -- nach und nach sich selbst ausbildenden Ursubstanz. 6) Diese außergöttliche Substanz ist wie ihr Urheber rein geistig; der Geist also die Grundlage alles Werdens. 7) Die Natur, wie sie uns Ln der Erscheinungswelt entgegentritt, ist eine Modifikation dieses Geistes, oder, wie die Kabbalisten sagen, ein Abfall vom Geiste, aber ein Abfall, der eben aus der regelmäßigen Entwickelung desselben hervorgeht und den Zusammenhang zwischen Beiden nicht aufhebt. Die Natur entfernt sich zwar graduell von ihrem Ursprung, dem Geiste, reißt sich aber nicht von demselben los, sie steht ihm nach, aber nicht entgegen. 8) Dennoch erklärt gerade dieser Abfall die Entstehung des Mangelhaften und Bösen, denn in eben dem Grade, wie die Natur sich von dem Geiste entfernt, verfällt sie Ln das Unvollkommene und Fehlerhafte, und selbst das vermöge ihrer Abkunft ihr einwohnende Streben, sich wieder ihrem Ursprünge zu nähern und Ln dem Mangelhaften das Vollkommne, Ln dem Bedingten das Unbedingte darzustellen, ist blos ein stets wiederholtes sich Versuchen, ein dem Irren und Fehlen ausgesetztes Ringen und Kämpfen. 9) Mit der Entstehung des Bösen würde daher zugleich die Möglichkeit einer gänzlichen Zerstörung und Auflösung der Ordnung der Dinge, also eine Negation der göttlichen Absichten entstanden sein, wäre Gott nicht selbst mit der Natur vermittelst der geistigen Elemente derselben in Verbindung getreten, mit anderen Worten, ließe Gott nicht seine Schöpfungsidee auch in dieser blinden Naturkraft noch fortwalten und dieselbe leiten — nicht etwa dergestalt, daß durch unmittelbares Eingreifen von Seiten Gottes die naturgemäße Selbstentwickelung gehemmt und die Möglichkeit des Bösen überhaupt aufgehoben würde, vielmehr so, daß diese Entwickelung gerade durch die göttliche Mitwirkung geregelt und eben dadurch ein schrankenloses Umsichgreifen des Bösen von selbst unmöglich wird. Das Böse kann Ln der Welt überwiegend, vorherrschend sein und Gottes Ordnung stören, aber nicht zerstören; vielmehr ist es Zweck der Entwickelung, daß nach durchgemachtem Kampfe endlich das überwiegende Gute das Böse unschädlich mache, ja selbst in Gutes verwandle. 10) Diesen Zweck erreicht Gott dadurch, daß ec die ringenden und sich versuchenden Naturgestaltungen dahin lenkt, eine „Menschengestalt" hervorzubringen. Diese (die Menschheit) ist dazu bestimmt, die Lösung der Aufgabe, welche die ganze Natur sich gleichsam gestellt zu haben scheint — den abgefallenen Geist wieder emporzuheben — zu realisiren. Der bewußtlose Kampf des Guten und Bösen hat sich im Menschen zu einem sich bewußtgewordenen erhoben, wo er erst den Namen eines Kampfes verdient, da er, auf Willensfreiheit beruhend, zum Siege führen kann, zum Siege des Geistes über die Natur; ein Sieg, welcher, indem er das Irdische überwindet und das Gemeine veredelt, die Natur selbst vergeistigt und somit das Bindemittel und die höhere Weihe des Weltenlebens überhaupt wird. 11) Zwar tritt dieser Zweck im Erscheinungsmenschen — wo der Sieg nur unvollständig und oft gar in sein Gegentheil umschlägt — nur theilweise hervor. Allein eben dieser Erscheinungsmensch soll und muß, durch Erfahrungen belehrt und durch Gottes Beistand gestärkt, inmitten aller mißlungenen und vergeblichen Versuche in seiner geschichtlichen Entwickelung sich zum Idealmenschen Hindurchringen. Der Jdealmensch — sagt daher der Text — lag gleich Anfangs im Plane des Schöpfers. Er ist der Anfang und das Ende der Schöpfung. In der dritten Abtheilung folgt die Untersuchung über die Systeme, welche einige Aehnlichkeit mit der Kabbala haben. Wir theilen das Resultat mit, wie der Verf. es auf den beiden letzten Seiten seines Werkes kund giebt (S. 386). Als Endresultat unserer Argumentation können wir nun das Faktum feststellen: daß die Grundlehren der Kabbala nicht aus dem Religionssysteme Zoroasters geschöpft sind. Ebenso wenig ist sie aber eine Frucht des Platonismus, der Lehre Philo's, des Neuplatonismus, des Christenthums oder irgend eines gnostischen Systems. Das Judenthum hat sie vielmehr aus eigener Kraft erzeugt, d. h. sie ist aus dem Bedürfnisse einer liefern Verständniß der h. Schrift und dem Verlangen, mehrfache schwierige, in der jüdischen Theologie sich fühlbar machende Probleme nach Kräften zu lösen, hervorgegangen. Ob sie diesem Bedürfnisse abgeholfen? diesem Verlangen entsprochen? die Probleme genügend gelöst? ob die Resultate ihrer Forschungen wirklich ein tieferes Eingehen in den Geist des Judenthums bekunden? — das sind Fragen, über die mir kein Urtheil zusteht, und bei welchem selbst Männer, die eine weit tiefere und gründlichere Kenntniß dieses Systems besitzen, am Besten ihre Antwort zurückhalten und ein bescheidenes Schweigen beobachten. Wer wollte mit einem Menschen darüber 36*

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