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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-03 · Heft 36 (3.9.1849) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 36 (3.9.1849)
Date
1849-09-03
Page
Seite 507 (sequence 7)
Language
German
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507 den christlichen Mitbürgern wird von Seiten der Regierung eifrig angebahnt. Ungarn. Pesth, 20. August. (Privatmitth. Ich will die gewöhnlichen Formeln, warum ich so lange nicht geschrieben, heute übergehen, und unter dem großen Gewichte des Ereignisses, das den Stand der ungarischen Angelegenheit so gänzlich und so plötzlich verändert hat, nur Einiges flüchtig niederschreiben. Sie wissen es, welch' Schicksal die ungarischen Juden betroffen hat. Auch im und für das Unglück hat man sie ausgesondert, und legt ihnen noch besondere Strafen auf, nachdem sie schon hart genug an den allgemeinen Leiden zu tragen haben. Es hat sich hier die ganze Unhaltbarkeit der Stellung der Juden offenbart in Ländern, wo man sie noch immer nicht gleichstellcn will. Sie erinnern sich, daß der ungarische Reichstag im vorigen Jahre zwar die Gleichstellung der Juden dekretirte, aber sofort beschloß, daß die wirkliche Ausführung noch anstehen sollte, anstehen sollte auf unbestimmte Zeit. Es war dies ein harter Schlag, um so härter, da er zusammensiel mit den düsteren Verfolgungen, denen die Juden bis tief in Ungarn hinein damals ausgesetzt waren. Als nun die ungarische Sache eine so traurige Wendung genommen, als sie in den verheerendsten Krieg umgeschlagen, da waren die Juden deß nicht eingedenk. Mag man die ungarische Erhebung nun ansehen wie man wolle; mag der Eine sie als Rebellion, der Andere als heldenmüthigen Kampf einer Nation um ihre Selbstständigkeit ansehen: die Frage wird jeder Vorurtheilslose gleichmäßig beantworten müssen: konnten die Juden sich von der Nation trennen? Sie konnten und durften cs nicht. Sie konnten es nicht: denn wer kann dem innern Geiste gebieten? Waren alle Ungarn entflammt, wie sollten sie sich dem entziehen? Hier zeigte es sich ja eben, daß trotz trennender religiöser Momente und trotz tausendjähriger Zurückstoßung der Mensch mit tausend Banden an sein Vaterland gekettet ist, und in der Stunde der Gefahr sich nicht von ihm loszureißen vermag, sondern mit ihm fallen oder stehen muß. Und sie durften es nicht: denn da hätte die Welt den Beweis gehabt, wonach so viele Judenfeinde dürsten, daß der Jude fremd sei auf dem Boden, der seine Wiege und sein Grab trägt, daß er mitten in allen nationalen Wallungen nur sich und seinen Vortheil bedenke. Die Juden haben also in ihrer großen Mehrzahl auf Seiten des ungarischen Vaterlandes gestanden. Nichts natürlicher, als daß sie sowol alle Leiden dieses harten Kampfes mittrugen, alle Stöße dieses wechselvollen Krieges, in welchem manche Stadt in acht Tagen viermal den Meister wechseln sah, mitempfanden; Nichts natürlicher, als daß sie die Forderungen des Siegers mithelfen mußten zu erfüllen. Aber einsichtlich ist es, daß die Juden schon hierbei am Meisten leiden, und fast durchgehends ihre Vermögensverhältniffe völlig zerrüttet werden mußten. Wer Grund und Boden besitzt, behält immer noch die Sicherung, wenn der Kampf vorüber sein wird, kann er sich wieder erholen, und von Neuem die Schätze, die in der unerschöpflichen Erde ruhen, hervorfchaffen — aber wessen Vermögen nur in Barem, und in unserer Zeit meist in Papier, oder in Waren, wessen Erwerb nur im Handel besteht, was bleibt dem übrig, wenn das Bare genommen, das Papier werthlos, der Handel stockend, die Schuldner zahlungsunfähig geworden? Jn der That, die ungarischen Juden werden länger als alle anderen Bewohner dieses Landes die Nachwehen zu tragen haben, und wer weiß, ob sie sich je aus der Armuth, die über sie gekommen, wieder erheben werden? Und nun sollen sie noch Ertrastrafen ertragen? Haben sie mehr verschuldet als die anderen Bewohner des Landes? Nun sollen sie noch tragen, was sie unmöglich zu leisten vermögen? Sicher wird die weise Staatsregicrung den Weg der Versöhnung einschlagen, denn die Wunden des Landes und Volkes sind ja auch ihre Wunden — werden die Juden davon ausgeschlossen werden? Dies ist die Frage, die auf uns drückt. Ich will mich nicht darauf berufen, daß unter denen, di« an Oesterreich hingen, nicht minder Juden waren, daß nicht minder unter den Juden Viele mit der Richtung, welche die ungarische Sache genommen, nicht einverstanden waren. Ich will mich hierauf nicht berufen, denn es könnte dies jetzt ass ein Akt der Feigheit ausgelegt werden. Nein! wir haben den Kampf, wir haben die Niederlage der Ungarn getheilt, wir wollen auch die traurigen Folgen thcilen. Aber nur nicht mehr, nicht noch Besonderes, nicht noch ausnahmsweise!... Ich will Ihnen und Ihren Lesern keinen Blick in das verwüstete Ungarn eröffnen; es ist zu traurig. Ist Ungarn so unerschöpflich, um sich

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