Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1849)
- Date
- 1849-09-03
- Page
- Seite 506 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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506 stellung vor. Es verblieb natürlich im Archiv. Wird es diesen Kammern denselben Entwurf vorlegen? Werden diese Kammern daran kommen, ihn zu erörtern und darüber Beschluß zu fassen? und werden sie ihn unverändert annchmen? Oder wird alles dies nicht eintreten, und die alten Fesseln uns noch weiter wund drücken? vielleicht bis daß der Zeitpunkt ganz vorüber? bis abermals ein ultramvntanes Ministerium an's Ruder gekommen, das sich wohl hütet, ein Emanzipationsgesetz zu provoziren? Sie sehen, wir stehen eben an den Fragen, und haben selbst keine Antwort darauf, da — eben Alles möglich ist. Leipzig, im August. Das hier erscheinende Sammelwerk „die Gegenwart" enthält im 25sten Hefte einen gründlichen Aufsatz über die Bevölkerungsverhältnisse Deutschlands. Hier heißt es: „Die auf 563,000 anzusetzende Gesammtzahl der Juden Deutschlands zu Ende des Jahres 1848 vertheilt sich: auf Preußen mit 221,000, auf Oesterreich mit 120,000, aus das übrige Deutschland mit 222,000 Seelen. In ihrer Gesammtzahl betragen die Juden '/sr der Bevölkerung Deutschlands. Die Vertheilung in den einzelnen Gegenden Deutschlands läßt sich durch folgende Bruchtheile der betreffenden Bevölkerungen angeben : Es bilden die Juden nämlich von der Bevölkerung des Königreichs Preußen ',72, desgleichen in Nord- und Nordwestdeutschland außer Preußen ‘/u6, im Mittlern Westdeutschland 1/40, im Südwestdeutschland ijn, im deutschen Oesterreich ‘/io4, in Mitteldeutschland ll*oo, beim Ausfälle Oesterreichs im übrigen Deutschland 716- Hieraus crgiebl sich, daß die wenigsten Juden in den Staaten Mitteldeutschlands wohnen. Dieses Verhältniß wird durch das Königreich Sachsen begründet, wo die Juden nur V1961 der Bevölkerung ausmachen. Die meisten hingegen wohnen im Mittlern Westdeutschland, was vorzugsweise durch die drei hessischen Lande bewirkt wird, in denen sie 1/44 der Bevölkerung bilden. Da aber auch die Berücksichtigung der Staaten noch kein genaues Bild von der Vertheilung der jüdischen Bevölkerung liefert, so betrachten wir dieselbe noch in einigen der Provinzen, um uns die Gegensätze zu veranschaulichen. Wir finden hiernach den Antheil der Juden an der betreffenden Gesammtbevölkerung: Deutsch-Posen Provinz Preußen '/so, Schlesien V100, Provinz Sachsen 1/372, Regierungsbezirk Stralsund '/uso; Mähren und Oesterreichisch- Schlcsien '/s«, Böhmen '/s2, Jüyrien 1/423, Erzherzogthum Oesterreich unter der Ens 1/770, Tirol i/rss«. In Steiermark und Oesterreich ob der Ens finden wir gar keine Juden. In Bezug auf diese, Preußen und Oesterreich betreffenden Angaben befinden sich die meisten in Posen, die wenigsten in Tirol, wenn auch immer noch nicht so wenige als im Königreiche Sachsen. Nördlich der Donau giebt es viel mehr Juden als südlich, und überhaupt trifft man die größte Anzahl inmitten slawischer Bevölkerung, wo sie als Vermittler des Verkehrs eine nicht unbedeutende Rolle spielen." Schwerin (Mecklenburg), 25. August. Am 23. hat der Großherzog das Staatsgrundgesetz für das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin eigenhändig vollzogen und hierauf gelobet, die Verfassung fest und unverbrüchlich zu halten. Die bürgerliche Gleichstellung der Juden ist hiermit sicher gestellt. Besonders ist zu bemerken, daß unter den drei von der Abgeordnetenversammlung dazu erwählten Urkundspersonen, in deren Gegenwart diese bedeutungsvolle Handlung geschah, auch ein Jude war, der vr. Marcus. Es ist somit jene Gleichstellung gleichsam inkarnirt zugegen gewesen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 18. August. Aus Mähren schreibt man, daß die wieder auftauchende Judenfrage das allgemeine Interesse absorbirt. Eine mit mehreren Unterschriften versehene Erklärung, die an den Gemeindeausschuß zu Sternberg gerichtet ist, spricht den Entschluß aus, weder jetzt noch für künftige Zeiten einen Juden in den Gemeindeverband aufzunehmen; ebenso verlangt man, daß jeder künftig aufzunehmende Bürger dieser Gemeinde bei der Aufnahme dieser Erklärung beitreten soll! —. In Prag, so wie überhaupt in Böhmen, schreitet man mit der Einführung der konstitutionellen Judenemanzipirung in's praktische Leben schneller vor. Dort hat man bereits eine vollständige Reorganisation deS israelitischen Unterrichtswesens vorgenommen, und eine zeitgemäße Stellung des Judenthums in der > Gemeinde, so wie eine Annäherung der Israeliten zu