Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1849)
- Date
- 1849-09-03
- Page
- Seite 505 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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505 rien, so ist sie zumeist ohne Erfolg, und löst sich wieder auf. Wir wissen dies aus der eigensten Erfahrung. Der Rabbine wird da niemals genügende Wirkung ausüben, und, ist es ihm um den Zweck, nicht etwa um einige Thaler Nebenverdienste zu thun, so wird er der Sache selbst müde, und giebt sie aus. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 25. August. Die Verfassungsrevisionskommission der zweiten Kammer war an einen Punkt gekommen, der uns sehr interessirt. Hören wir den Bericht darüber: Im Art. 11 in dem Satze, „der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse und der Theilnahme an irgend eine Religionsgesellschaft" ist das „irgend" gestrichen worden. Ein Zusatz des Grafen Arnim- Boitzenburg „die christliche Religion ist die des preußischen Staats" ist, vbschon sie von dem Herrn Antragsteller als völlig unverfänglich den übrigen Bestimmungen gegenüber dargestellt wurde, von den anderen Kommissionsmitgliedern, namentlich von Herrn v. Beckerath, erfolgreich bekämpft worden. Man wies nach, daß was an dieser Stelle unverfänglich, auch unnöthig sei und zu bedeutungsschweren Konsequenzen in späterer Zeit führen könne. Bei der Abstimmung war die Stimme des Herrn Antragstellers die einzige für diesen Zusatz. Art. 12—15 sind unverändert geblieben. Wir sind um so begieriger zu erfahren, ob diese gräfliche Stimme im Schooße der Kammer selbst Wiederhall finden wird, und insonders ob in der ersten Kammer sich nicht antiemanzipationssüchtige Stimmen vernehmen lassen werden. Bei der bekannten Spaltung der Rechten, und bei den noch bekannteren Ansichten der äußersten Rechten kann übrigens unsere Angelegenheit erst als sicher gestellt angesehen werden, wenn die Verfassung beschworen ist. Denftetten (Württemberg), 12. August. (Privatmitth.) sEs ist uns nicht möglich, den ausführlichen Bericht aufzunehmen, und müssen wir uns mit einem kurzen Referat begnügen. Redakt.) Was ein geordneter Zustand, was eine tüchtig wirkende Oberinstanz zu schaffen vermag, das hat die hiesige kleine, aus circa 50 Seelen bestehende Gemeinde erfahren. Aus meist armen, hier sich zusammengefundenen Mitgliedern bestehend, war sie vor 12 Jahren noch ein Bild der Verwahrlosung. Da brachte der damalige Bezirksrabbincr Dr. Frankfurter den ersten, seminarisch gebildeten Lehrer hierher, und die israelitische Oberkirchenbehörde verwilligte einen jährlichen Zuschuß von 100 fl. aus der Zentralkasse. Von der Zeit an ging die Gemeinde Schritt vor Schritt vorwärts, und gedieh sichtlich, so daß sie an Schule und Synagoge wuchs, bis es endlich gelang, mit den größten Opfern eine neue, geschmackvolle Synagoge zu erbauen, die am 10. August mit vieler Feierlichkeit eingeweiht wurde. Unter der Anwohnung der Behörden und Geistlichen aller Konfessionen geschah die Einweihung auf verherrlichende Weise, die durch die Reden des Bezirksrabbiners Or. Hirsch und des sehr verdienten Lehrers Stern gehoben wurde. Letzterm ward als Anerkennung ein silberner Pokal überreicht. Wir haben jetzt einen geregelten Gottesdienst, Chorgesang, eine schöne Synagoge, eine blühende Schule, Wohlthätigkeitsvereine, und — wenn auch Schulden, hoffen wir doch bei der Eintracht, die unter uns heimisch ist, sie mit der Zeit abzutragen. Ja, diese kleine Gemeinde kann vielen und großen zum Muster dienen, und — frage man, wo ist noch eine Religionspartei, die in einer Gemeinde von 12 Familien Solches zu leisten vermag? Aus Baiern, im August. (Privatmitth.) So treten denn die Kammern abermals zusammen, und wir, Baiern israelitischen Bekenntnisses, wir, die wir in ganz Deutschland die einzigen Parias sind, wir haben immer noch dieselbe Frage und Klage, wir stehen noch um ein Jahrhundert zurück, wir unterliegen noch den kläglichsten Ausnahmsgesetzen, wir haben noch Judensteuern zu zahlen, unsere Häupter werden noch gezählt, und für vogelfrei erklärt, wenn wir über die bemessene Zahl hinausreichen, und, während im Königreiche zusammengenommen, die Zahl der Juden sich vermindert hat, insonders durch die Auswanderung, wird doch an jedem Orte noch über die alte Zahl Wacht gehalten. Den vorigen Kammern legte das Ministerium, gerade als sie aufgelöst werden sollten, einen Gesetzentwurf über die Gleich-