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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-09-03 · Heft 36 (3.9.1849) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 36 (3.9.1849)
Date
1849-09-03
Page
Seite 504 (sequence 4)
Language
German
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504 zu einigen. Die alte Erfahrung ist es ja, daß die Menschen erst auseinander, und dann wieder zueinander streben. Um nun die Frage zu erledigen, müssen wir uns klar machen, welche die Zwecke sein können, die zu einem Verbände mehrerer, naheliegender israelitischen Gemeinden führen mögen. Sie können, wie die israelitische Gemeinde überhaupt, nur dreifach sein: Kultus-, Armen- und Schulzwecke. Wenden wir zuerst unsere Aufmerksamkeit auf die Kuttuszwecke, so darf die Vereinigung mehrerer Gemeinden durchaus nicht in der Person eines gemeinschaftlichen Rabbinen, der etwa in jeder Gemeinde einmal des Jahres predigt, und vorkommende Fragen beantwortet, gefaßt werden — selten wird dies als Bindemittel lange Zeit ausreichen — sondern vielmehr: daß sich die Gemeinden zum gemeinsamen Fortschritt in der Ausbildung des Kultus vereinigen. Daß der Kultus auf der alten Stufe nicht mehr zu halten ist, daß es aber auf dem Wege der Ausbildung desselben mannigfaltige Stufen giebt, daß es dann aber höchst wünschenswerth sei, daß die Gemeinden eines Landstrichs gemeinsam verfahren: was bedarf es vieler Worte, um dies zu erweisen und zu empfehlen? Die Förderung, die aus solchem Verbände zu ziehen, ist dann eine dreifache: 1) eine intellektuelle, indem innerhalb mehrerer Gemeinden auch mehr geistige Kräfte sind, um die benöthigten Schritte richtig zu bemessen; 2) eine moralische, indem durch die Vereinigung mehr Muth und Energie hineinkommt; 3) eine materielle, wenn der engherzige Geist, der jetzt überall in den Gemeinden herrscht, und der nicht über das Weichbild hinaus für gute und heilige Zwecke Etwas opfert, aus dem Verbände weicht, und so eine gegenseitige Aushilfe aus gemeinsamen Mitteln da eintritt, wo die Einzelkraft nicht ausreicht. Zur Organisation eines solchen Verbandes gehört aber, daß die verbundenen Gemeinden regelmäßig durch Abgeordnete die zu treffenden Maßregeln berathen und beschließen, und die Gemeinden die Beschlüsse in's Leben zu führen sich verpflichten. Die Ausführung dieser Konferenzen oder Synoden ist in unseren Tagen um so leichter, als überall die Kommunikation durch Eisenbahnen, Chausseen rc. gegeben ist. Durch solche Synoden käme auch ein ganz neues Leben in die Gemeinden, und der gemeinsame Rabbine hätte einen rechten, gedeihlichen, und unserer Zeit angemessenen Wirkungskreis. Dieselbe Organisation würde es möglich machen, auch den zweiten und dritten Zweck zu erreichen. Der Gemeindeverband fände nämlich eine zweite Bestimmung als gemeinsamer Armenvecband. Es ist in diesen Blattern jüngst dieser Gegenstand so vielfach besprochen worden, daß wir darauf verweisen können. Soll das jüdische Armenwesen seinem ursprünglichen Geiste gemäß vom Standpunkte des Bettelwesens zu dem einer wahren Np-12, einer echt israelitischen Barmherzigkeit, zur wahrchaften Verbesserung der Lage der Hilfsbedürftigen erhoben werden, so muß es gemeinsam von einem ganzen Kreise übernommen werden, um in dessen ganzem Umfang zu wirken. Der Wirklichkeit nach gehören in der That schon jetzt viele Armen dem ganzen Kreise an, aber auf eine rohe, nichtsnutzige Weise, indem sie in ihm herumvagiren und betteln. Jetzt würde es gelten, tiefer einzugreifen, und die Wurzel herauszuheben. Auch gegen die fremde Bettelei würden gemeinsame Maßnahmen eines ganzen Kreises allein Erfolge bieten. Nicht minder ist es das Schulwesen, das aus einer Kreisverbindung neues Leben schöpfen würde. Würden die einzelnen, namentlich kleineren Gemeinden Verstand und Hochherzigkeit genug haben, ihre Autonomie, ihre vernunftlose Selbstherrschaft aufzugeben, und durch ihre Deputieren das Schulwesen, namentlich das Lehrerwesen gemeinsam und fest zu ordnen, und sich dieser selbstgeschaffenen Ordnung zu unterwerfen, welch' ein Segen für sie, ihre Jugend und ihre Lehrer! All dieses Unerquickliche, was aus diesem Gebiete des Judenthums, wir sagen es offen, zum Anekeln überallher entgegentönt, würde damit beseitigt. Wir könnten diesen Gegenstand bis in's Detail ausdehnend besprechen: allein wir glauben dem Kundigen schon genug gesagt zu haben, und sind selbst zu mißtrauisch gegen die Einwirkung solcher Auseinandersetzungen geworden. Es ist ein Geist des Egoismus in die jüdischen Gemeinden gefahren, ein kleinlichster und beschränkter Geist, der alles Gemeinsame hintertreibt. Entweder die Dinge werden so weit und großartig angelegt, daß sie den Keim der Wirkungslosigkeit und Auflösung von vorn herein in sich tragen, oder man beschrankt sich auf die Mauern seines Ortes und Oertchens, und läßt Jeden für sich sorgen. Der Inhalt einer Verbindung der Gemeinden einer Landschaft ist also bedeutend genug im gemeinsamen Kultus-, Armen- und Schulwesen; er reicht weit über die Person eines gemeinsamen Rabbinen hinaus, der nur ein belebendes Organ der Verbindung ist. Beschrankt sich die Verbindung allein auf den gemeinsamen Rabbi-

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