Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1849)
- Date
- 1849-08-27
- Page
- Seite 498 (sequence 10)
- Language
- German
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498 43. 20, 1. 21.), so schlugen sie sich nach Salomo's Tod, gereizt durch die unklugen Drohungen Rehabeams, auf Jerobeams Seite und führten die unglückselige Zerstückelung des Reichs herbei, 1 Kön. 12, 16. Die nächste Folge dieser von dem eifersüchtigen und Herrschsüchten Ephraim veranstalteten Spaltung war ein drohender Bürgerkrieg, dessen völligen Ausbruch das patriotische Friedensworr des Propheten Semaja kaum noch abwendete (1 Kön. 12, 21—24.), Einführung des Bilderdienstes im Reich Israel (12, 26—30.), und die Auswanderung der Gläubigen (2 Ehron. 11, 13—17). Die weitere Folge war, daß während die verbündeten Stamme gegenüber von auswärtigen Staaten stark genug gewesen wären, jedes Reich für sich in eine unheilbare Schwache verfiel, daß innere Kriege zwischen den Bruderreichen sich entspannen, jedes zum Sturz des andern auswärtige Allianzen suchte, und jedes endlich übermächtigen Nachbarstaaten zur Beute wurde. Echter Patriotismus sowol, als vernünftige Selbstliebe erfordert es, unter ähnlichen Verhältnissen Eifersucht, Herrschsucht und Absonderungsgelüste zu überwinden, der Einheit jedes Opfer zu bringen und allgemeinen Maßregeln in williger Selbstverletzung sich unterzuordnen. Innere Kriege und gegenseitige Befehdungen, wo es gilt, gegen einen gemeinschaftlichen äußern Feind sich zu vereinigen, sind eine Thorheit, die der Gefahr des Untergangs preisgiebt. Während das Reich Juda und Israel gleich viele Könige erlebte, beide Reiche aber durch eigene Schuld endlich untergingen, so konnte doch der Umstand, daß Juda vier Könige hatte, in denen das religiös-patriotische Element vorherrschte, Assa, Josaphat, Hiskia, Josia, hinreichen, um dem Reiche Juda eine längere Dauer von 134 Jahren zu bewirken. Im Reiche Israel waren die Elemente der Auflösung in Folge des von Jerobeam eingeführten Bilderdienstes von Anfang an vorhanden und konnten unter seinen Nachfolgern sich unaufhaltsam fortentwickeln, da diese dem von Jerobeam betretenen Wege getreu (1 Kön. 15, 26. 34.) Bilderdienst, Abgötterei und damit den Prozeß der sittlichen Auflösung begünstigten, dagegen jene vier Fürsten von Juda, deren Regierungszeit auf 126 Jahre sich summirt, indem sie das engverbundene Interesse des Fürsten und , Volks richtig aussaßten, der durch Schuld vorangegangener Regierungen angesetzten Auflösung allemal wieder einen Damm entgegensetzten. So waren sie ein Segen für Juda, und dieweil sie das Reich Gottes bauten, getreu! ihrem Berufe (Weish. 6, 4. 5.), so wurde ihr Reich von! dem höchsten Regierer befestigt nach einem unabänderlichen göttlichen Regierungsgrundsatz (1 Sam. 2, 30.). Merket es euch: Gerechtigkeit erhöhet ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben (Spr. Sal. 14, 34). (Schluß folgt.) Historisch-Geographisches im Talmud. Unter den Korruptionen, an welchen die Texte der Alten, sowol in den Büchern der Heiden, wie in denen der Hebräer und Juden leiden, müssen nothwendig diejenigen der Eigennamen am Zahlreichsten sein, da hier nicht, wie bei anderen Wörtern, der Sinn des Satzes und der Zusammenhang Führer und Fingerzeig für die Abschreiber, Drucker und Leser war. Daher sehen wir oft die auffallendste Verschiedenheit der Formen bei geographischen und Personennamen, und nicht nur daß Griechen und Römer denselben Namen ganz abweichend von den Morgenlandern aussprechen, sondern diese selbst in der Form schwanken. Im Talmud und den spateren rabbinischen Schriften kommt aber noch dazu, daß die Vernachlässigung der geographischen und historischen Wörter fast zu Tugend und Gesetz erhoben wurde, weil der fromme Lehrer und Forscher ja sein Augenmerk nur auf den ritualen, ihm allein heiligen und zwecklichen, Theil der Bücher wendete, dagegen die zerstreuten Winke und Angaben über Geschichte und Erdkunde als profaner Beigabe der heiligen Bücher höchstens duldete, aber nicht nur nicht zum Gegenstände seines Fleißes machte, sondern die Beschäftigung damit als störend für das wahre Studium betrachtete. Erst in neuerer Zeit hat man angefangen, die vielen im Talmud zerstreut liegende Goldkörnec aufzusuchen, zu reinigen und zu sammeln, und man hat gefunden, daß namentlich für die Geographie Asiens noch eine Menge lehrreicher Ermittelungen dort zu gewinnen seien. Ich selbst habe Manches gefunden, was ich für neu und richtig halten zu dürfen glaube und ich gedenke davon nach und nach Einiges bekannt zu machen. In Betreff des „Neuen" will ich noch die Bemerkung vorausschicken, daß ich nicht wissen kann, ob nicht das eine oder das andere von mir für neu Gehaltene doch in den jüngsten Schriften und Zeitschriften, oder in den neuen Ausgaben des Talmud gesagt ist. Ich lese die neuesten Produktionen fast gar nicht oder doch sehr unregelmäßig, weil sie mir entweder unzugänglich sind, oder weil ich,