Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1849)
- Date
- 1849-08-27
- Page
- Seite 499 (sequence 11)
- Language
- German
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499 der ich leider noch so vieles Alte zu lesen, für das Neue selten Zeit habe. I. .'-Mp nn» und 8'pmsp rT^M Im Traktat Jebamot 25, b heißt es: „Man erzählte dem Rabbi Jehuda Folgendes: Es begab sich, daß ein Straßenräuber zum Richtplatze in N'ptnsp n'wa (Magisat Kaputkia) geführt wurde, welcher sagte: Geht hin und sagt der Frau des Thimeon den Cohen, ich habe ihren Mann beim Hineingehen nach Lud *) erschlagen.^ Daß fcrpüiDp die aramäische Form für Kappadozien ist, wissen alle Leser, schwerlich aber können alle wissen, was sein soll. Verführerisch und fast zudringlich muß hier die auf der Hand liegende Emendation sein, nS'TO statt zu lesen, da die Veränderung der zwei Buchstaben durchaus nicht gewaltsam, der gewonnene Sinn aber ganz vortrefflich ist; gerade aber dieser so einladenden und wahrscheinlichen Leseart vorzubeugen soll hier die Wahrheit auftreten um die Wahrscheinlichkeit überflüssig zu machen. Vergleichen wir vor Allem einen nur durch leichte Transposition verschieden klingenden Stadtnamen. Im Traktat Moed Katon 26 * 2) heißt es: „Man erzählte dem Samuel, König Sapoc habe 12,000 Juden erschlagen im '-iöp nraft und Samuel hat die zeremonielle Zerreißung des Kleides unterlassen." Hier würden wir wieder, wie bei fcppüiDp rrpaft, in Unwissenheit über die gemeinte Stadt bleiben, gäbe nicht glücklicherweise die beglaubigte Geschichte Roms und Persiens den untrüglichen Schlüssel. Im Jahre 260 drang König Sapor, nachdem er den römischen Kaiser Balerian mit seinem ganzen Heere gefangen genommen hatte, bis weit in Kleinasien vor, und eroberte neben anderen großen Städten auch die Hauptstadt Kappadoziens, Casarea, welche damals 400,000 Einwohner gezählt haben soll, die großenrheils erschlagen, oder in die Gefangenschaft getrieben wurden. Diese Hauptstadt erhielt aber seit Tiberius und ihm zu Ehren den Namen Eäsarea, früher hieß sie Mazaka, und spater nannte man sie (um sie vor den vielen Städten gleichen Namens zu unterscheiden) Mazaka -Casarea. So noch in der tabula Pentingeriana. Wer wird nach dieser geschichtlichen Nachweisung noch zweifeln wollen, daß unser *) Im Texte nib, soll aber wahrscheinlich *rp"nb heißen. 2) Wo die bloße Blattzahl angegeben, meine ich stets Seite. '‘löp eben dieses Mazaka-Cäsarea ist? Mit der Gewißheit dieser Identität aber fallen die Fragen und Angaben in jener Stelle (Moed Katon) zu Boden, und es kann entweder nicht Samuel der bekannte Präsident der Akademie von Nehardea gewesen sein, da dieser mehre Jahre früher gestorben, oder Samuel ist wirklich erst nach 260 gestorben, denn der Zug Sapor hat unbestritten um 260 stattgefunden. Es wäre nun ein Leichtes, das nrwa arpraisp als transponirt aus nrt?a für Mazeka Kappadoziae zu nehmen. Aber so wahrscheinlich es auch ist, so ist es doch nicht nöthig, denn die zweite Hauptstadt Kappadoziens hieß Mokesus, oder, wie manche Schriftsteller haben, Muccissus, und diese Stadt kann Jebamot 1. c. gemeint sein. Aus der Leseart des Talmud läßt sich nun noch schließen, daß Mazaka nicht die alleinige Form war, sondern daß auch Mazega gesprochen wurde, und es laßt sich ferner aus der Zahl der erschlagenen Juden (die nicht als Juden, sondern als Einwohner und Vertheidiger von Mazaka getödtet wurden) schließen, wie viele Nichtjuden gefallen sein müssen, und daß die Stadt überhaupt sehrvolkreich gewesen sein muß, so daß die Angabe von 400,000 Seelen schwerlich Uebertreibung ist. Ich habe obige Vergleichung ohne weitere Quellenangabe hingestellt und ohne hier größere historische Konsequenzen daraus zu ziehen, was Beides vielleicht bald an einem andern Orte geschehen kann. II. .rwiin und rwii-ja Im Traktat Synhedrin 39 heißt es: „Ein Magier sagte dem Amemar: Deine obere Hälfte kommt von r'72-nn, Deine untere Hälfte von ra-nn«." Rasch! hier weiß sich nicht anders zu helfen, als durch die errathene Erklärung, Hormiz sei der Name eines bösen Geistes, Ahormiz aber bei dem Magier der Name Gottes! Rabbenu Tam ist schon auf viel bessecm Wege, indem er Hormiz: Hocmin liest, den erstem für einen guten Geist, den zweiten für einen Dämon erklärt. Natan ben Jechiel im Aruch hat die Leseart Raschis, nämlich Hormiz und Ahormiz, aber er enthält sich aller Erklärung, während Musaphia den Namen Hormiz fürHermess!) erklärt. Hermes galt bei den Griechen nicht als Schöpfer der Menschen, viel weniger bei den Magiern, die seinen Namen gar nicht im Munde führten, und hier spricht ein Magier. Auch bleibt bei solcher Erklärung das A h o rmiz von aller Auslegung verlassen. Aber die Emendation bietet sich so leicht dar, daß es auffallend ist, wie die älteren Ausleger und Drucker sie übersehen konnten,