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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-27 · Heft 35 (27.8.1849) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 35 (27.8.1849)
Date
1849-08-27
Page
Seite 497 (sequence 9)
Language
German
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497 Patriotismus. Die Anwendung ergiebt sich leicht: Edel ist es, - Ln der Liebe zu seinem Volke eine vortheilhaste Stellung mit einer beschwerlichen, Wohlleben mit Entbehrung, Ehre mit Schmach zu vertauschen im Vertrauen auf Gott, der zum Dienste des Vaterlandes ruft! Seid auch ihr bereit zu jeder Selbstverleugnung, zu jedem Opfer, wenn das Vaterland einst euer bedarf! Josua bewährt in seiner ganzen öffentlichen Wirksamkeit einen aus seinem religiösen Sinn entspringenden Patriotismus, da er auf Moft's Befehl und im Vertrauen auf dessen Händeaufheben zu Gott seinen ersten Feldzug gegen das amalekitische Räubervolk wagt, als Kundschafter das entmuthigte und zugleich aufständische Volk durch Weckung neuen Gottvertrauens (4. Mos. 14, 8. 9.) zu beruhigen sucht, nach Mosis Tod in demselben Vertrauen (Jos. 1, 6. 11.) den Oberbefehl übernimmt, das Volk im Warten auf die Hilfe Gottes in das gelobte Land einführt und durch siebenjährigen Krieg darin festzusetzen sich anstrengt. Wie in seinem Gemüth Religiosität und Nationalsinn auf's Innigste verwebt ist, offenbart er noch besonders auf seinem letzten Landtag, wo der greise Patriot, geleitet von der Ueberzeugung, daß das Nationalwohl auf keinem andern Weg begründet werden könne, der Nation ein feierliches Gelübde der Treue gegen den Bundesgott abnimmt und in rührender, herzlicher Abschiedsrede das Festhalten an der heiligen Bundesverfassung als Hauptbedingung künftiger Nationalmacht auf's Dringendste einschärft. Es laßt daran der Jugend sich darthun, daß echter Patriotismus nicht durch schön klingende Worte und schmeichelhafte Versprechungen, sondern durch Thaten dem Vaterlande diene, nicht auf den Sand einer unlautern Staatspolitik, sondern auf den festen Grund sittlich-religiöser Nationalbildung, wozu jedes einzelne Staatsmitglied in seinem Theile mitzuwirken von Gott verpflichtet sei, das Wohl des Vaterlandes baue. Nicht an Beispielen römischer und griechischer Patrioten laßt sich diese wichtige Wahrheit Nachweisen, wol aber am Beispiele eines Josua und an der Geschichte seines Volkes. Nachdem das Nomadenvolk Israel durch Austheilung von Familiengrundstücken an feste Wohnsitze gebunden war und sie nun das von den Vätern ersehnte Glück genossen, daß jeglicher unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum nach vollbrachter Arbeit oder den schwülen Mittag über ruhte von Dan an bis gen Berseba (1 Könige 4, 25.), so gewannen sie das Vaterland um so mehr lieb, je mehr es ihnen des Guten darbot, und freuten sich der Erfüllung der Verheißung Gottes durch Mose, 5 Mos. 8, 7—9. Jos. 21, 45. Ist nicht unser Vaterland mit ähnlichen Vorzügen von Gott gesegnet? Erkennet auch Ihr das Gute, womit Gott unser Vaterland gesegnet hat, und gewinnt es um desselben willen lieb! Genügsamkeit, besonders wenn und weil sie mit Gottseligkeit gepart ist, ist ein Gewinn. Man muß nicht allein die Lasten in Anschlag nehmen (wer Vortheile und Rechte genießen will, muß sich auch Pflichten und Lasten gefallen lassen), sondern auch die Vorzüge des Vaterlandes. Mitten unter einem gottesvergessenen, ausgearteten Geschlecht, das die wohlgemeinten Abschiedsermahnungen Josua's in den Wind schlug und dadurch tief schmerzende Wunden sich zuzog, zeichnen sich die Richter als vaterlandsliebende, von Gottvertrauen und einem darauf gegründeten Muth beseelte Männer aus, die ihre Kräfte daransetzen, dem Abfall von dem Bundesgott einen Damm entgegenzusetzen, dem Vaterland die verlorene Unabhängigkeit wieder zu verschaffen, inneren Zwisten und Gewaltthatigkeiten Einhalt zu thun, der Willkür und Anarchie (Richter 17, 6. 21. 25.) entgegenzutreten. Indem sie aus Liebe zu ihrem Volke der Ruhe des Privatstandes entsagten und dem Vaterlande dienten, traten sie in den Dienst Gottes. Wer einer falschen Freiheit, dem Umstürze göttlicher und menschlicher Ordnungen, das Wort redet, ist, soviel er auch seines Patriotismus sich rühmt, des Vaterlandes Feind, weil er ihm Wunden schlagen hilft; wer solchen Leuten widerstrebt, dient Gott und dem Vaterland. Wöget ihr in dem großen Kampf der Menschheit auf der Seite der Gerechten stehn! Wie innerer Zwiespalt die Staatskräfte schwächt, lehrt die Geschichte der zunächst folgenden Zeit. Dem jüdischen Staatenbunde war der Stamm Ephraim stets ein Hinderniß der Einheit. Als Abkömmlinge Josephs, als Landsleute Josua's, auch weil die Stiftshütte so viele Jahre lang zu Silo in Ephraim aufgestellt, deswegen dort die Nationalversammlungen gehalten worden waren, nahm Ephraim einen Vorzug vor den übrigen Stammen in Anspruch, und nährte stets eine gewisse Eifersucht gegen den durch Gottes Willen zum Hauptstamm auserwählten Stamm Juda. Ps. 78, 67. 68. Wie die Ephraimiten nach Sauls Tod es mit Jsboset wider David und den Stamm Juda gehalten (2 Sam. 2, 8. 9.), und spater der Aufrührer Seba die zehn Stämme zum Abfall von David zu verleiten suchte (2 Sam. 19, 35*

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