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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-27 · Heft 35 (27.8.1849) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 35 (27.8.1849)
Date
1849-08-27
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
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495 1 Feierlichkeit bedeutend gegen die übrigen abstach. Nun aber folgte ein ganzes Heer von Leichenreden, und im Gegensatz gegen die Zeit des Oberpriesters Eli war das Wort Gottes noch nie so wohlfeil gewesen in Israel. Da war kein Minjan, das nicht seinen Hesped nachliefertc; dg hieß es: Spirits blue und wliite, spirits black and grey: mingle, minglc, mingle, ye ihat mingle may! Auch der hier als Privatstundcnlehrer beschäftigte Dr. Krüger hielt eine Rede im Waisenknabenhause und ließ sie mit der Ueberschrifl Secher Zaddik drucken. Was nun den unter des verstorbenen Bernays Auspizien gebildeten „Lernverein", die eigentliche Blüte unserer orthodoxen Klaffe, betrifft, so hat derselbe die Vorlesungen einem jungen hiesigen Lehrer, dem vr. M. Nathan übertragen, der sie mit vielem Beifalle seiner Gesinnungsgenoffen fortsetzt. An eine etwanige Wiederbesetzung der Bernaysschen Stelle ist vorläufig gar nicht zu denken, da die Umformung unserer Gemeinde vorangehcn muß, so wie diese wol erst eintreten kann, wenn die hiesigen Staatsverfassungskämpfe beendigt sind. Im hiesigen Tempel ist die Tisches be-Ab's-Feier beseitigt worden. Wieder ein Triumph der Prosa über die Poesie! Vielleicht kriegen wir noch einmal etwas ganz Neues zu sehen, etwas, das die Welt noch gar nicht erlebt hat: eine Religion ganz ohne Poesie! Seit Einführung der neuen Wechselordnung geht es ohne allen Anstoß mit dem Sabbatswechscln, und man findet, daß diese Angelegenheit gar so schwierig nicht war, als man sich einbildete. II. Oesterreichischer Kaiferstaat. Wien, 10. August. Es befindet sich gegenwärtig hier eine Deputation der pesther Juden, um die vom F.-Z.-M. Haynau der pesther Judengemeinde auferlegte Zahlung der rückständigen.Toleranzsteuer in Silberzwanzigern, rückgängig zu machen, oder wenn ihre Schritte deshalb erfolglos bleiben sollten, Silber aufzukaufen. Ein hochgestellter Staatsmann soll ihnen gesagt haben: „Kommen Sie, mir wieder das Silber zu vertheuern?" und rieth ihnen, schriftlich um die Erlaubniß einzukommen in Banknoten zahlen zu dürfen. —. Ein Zeichen toleranter Gesinnung ist es, daß dieser Tage in Prag ein Katholik seinen jüdischen Hausherrn zum Taufzeugen wählte, was dieser mit Bewilligung des betreffenden Pfarrers auch bereitwillig annahm. —. vr. Fisch Hof soll in erster Instanz ab instantia losgesprochcn worden sein. —. Durch ein am 8. in Prag angclangtes Ministerialreskript wurde der Direktion der dortigen israelitischen Normalschule erlaubt, künftighin auch Kinder christlicher Konfession als Schüler aufzunehmen, jedoch müsse Behufs des Religionsunterrichts ein eigener Katechat aufgestellt werden, dessen Anstellung sich der Staat Vorbehalte, so wie er auch für dessen Besoldung Sorge tragen würde. Bekanntlich trägt die israelitische Gemeinde die Kosten dieser Hauptschule. —. Eine Deputation der ofener Judenschaft hat sich mit ihren Reklamationen hinsichtlich der ihr auferlegten Kontribution hierher gewendet. Die gesammten Mittel der Mitglieder dieser Gemeinde werden auf höchstens 150,000 Fl. geschätzt, wenn sie ihre letzte Habe verkaufen können und müssen. Sie sollen aber dennoch 1 Million zahlen, sonst laßt F.-Z.-M. Haynau sechs als Geißel zu stellende erschießen. Er hat es wiederholt versichert. Man ist auf den Ausgang gespannt. Ungarn. Wien, 11. August. In Szered wurde die dortige Judengemeinde zu 5000 Fl. Geldstrafe verurtheilt. Als Grund wird angegeben, daß bei Gelegenheit des vorletzten Ausfalles der Insurgenten, auf Veranlassung eines Ulanenkorporals den Einwohnern von Neuhäusel mehrere werthvolle Gegenstände geraubt und dann in Szered öffentlich. versteigert und von Juden gekauft wurden. —. Als ein Gegenstück zu der Kontribution, weld)e Haynau bekanntlich den ofen-pesther Juden auferlegt hat, theilt ein pesther Blatt folgendes Faktum mit, das nach seiner naiven Angabe überall mit freudiger Ueberraschung ausgenommen wird: „Als General Schlick nach Körös kam, ließ er einige Juden zu sich bestellen, bei welchen er sich nach der Größe der dortigen Judengemeinde erkundigte. Auf die Erwiderung, daß sie keine besondere Gemeinde bilden, sondern unmittelbar dem Magistrate unterstehen, lud er sechs der reichsten Juden aus dem Orte vor sich und forderte ihnen 1400 Fl. in Silberzwanzigcrn und 2600 Fl. in österreichischen Banknoten ab. Die Summe ward

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