Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1849)
- Date
- 1849-08-20
- Page
- Seite 485 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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485 Donnerstag. Von 5-6 Uhr: Mischna und Hagada des Talmuds; von 8—9: deutsche Grammatik (in der Realschule); von 9 — 10: Geographie (in der Realschule); von 10- 11: deutsche Geschichte (in der Realschule); von 1— 2: Vorbereitung zum Gesangunterricht; von 2—3: mosaische Religionsgesetze erklären; von 3—4. französische Sprache (in der Realschule); von 4—5: Gesangunterricht; von 5—6: Pentateuchübersetzung mit Kommentarien rc. Freitag. Von 5—6 Uhr: jüdische Volks- und Religionsgeschichte, mit chronologischen Auszügen; von 8—9 : Rechnen (in der Realschule); von 10—11: Vorbeterübungen; von 1—2 Zeichnen (in der Realschule); von 2- 3: Anleitung zu moralisch-religiösen Vortragen und Korrektur solcher Aufgaben; Abends beim Synagogenchor beschäftigt. Samstag. Von 8—11: beim Synagogenchor beschäftigt; von 2 — 3: israelitische Moral- und Religionsphilosophie (n. Maimonides); von 4—5: die sabbatlichen Erbauungs- und Belehrungsstunden mit zu besuchen. An merk. Die übrigen Morgen-, Mittags- und Abendstunden eines jeden Tages werden theils zur Vorbereitung der jüdischen und Realkenntnisse, und theils zu den Erholungen im Freien benutzt. Belletristisches. Sara Grinberg. Nach dem Französischen des Jean Czyoski. (Schluß aus No. 29. 30.) Die Nacht verging für Sara schlaflos; ihre Seele beschäftigte sich noch mit dem sonderbaren Begegniß am Theater; sie erinnerte sich an Alles das, was sie über den Grafen Staszic gehört hatte; einen Augenblick glaubte sie sich am Ende ihres Unglücks und zugleich machte sie sich auf einen neuen Jrrthum, auf eine neue Täuschung gefaßt. Zn der That, wenn Staszic auch einerseits allgemein für einen der unterrichtetsten, arbeitsamsten und ehrlichsten Staatsmänner gehalten wurde, so waren auf der andern Seite seine Sparsamkeit, ja, sein Geiz spruchwörtlich geworden. Er ging zu Fuße, wo er fahren konnte, er aß ein Stückchen schwarzes Brod, während sein Vermögen bedeutende Ausgaben zuließ; im Theater setzte er sich unter den Pöbel von Warschau, während er in die königliche Loge gehen konnte. Ec besaß Millionen und lebte wie ein Bettler. Was konnte Sara von einem solchen Geizhals hoffen? Und doch zeugte der Ton seiner Stimme, seine Leutseligkeit und sein Wohlwollen, welche er für sie an den Tag legte, von einem gefühlvollen und für die edelsten Empfindungen zugänglichen Herzen. Das arme Mädchen, dessen Hilfsmittel erschöpft waren, bedurfte des Trostes und doch wagte sie nicht, sich desselben zu erfreuen. Zn diesem peinlichen Augenblicke, der von Neuem über ihre Zukunft entscheiden sollte, wandte sich ihr religiöses Gefühl zu Gott, sie betete inbrünstig und flehte die himmlische Gnade an, entschlossen, sich demüthig den unerforschlichen Rathschlüssen der Vorsehung zu fügen. Sie war noch im Gebet begriffen, als Moschele hereintrat, um ihr anzukündigen, daß die Stunde zum Gehen gekommen sei; sein freudestrahlendes Gesicht, sein reiner Hut, seine wohlgeordneten Haare, sein gesticktes Kleid und selbst seine Schuhe halten ein anständigeres Aussehen. Du bist so fröhlich, Moschele, sagte Sara. Siehe Dich vor, daß Du Dich nicht einer voreiligen Freude hingiebst. Ich habe meinen Plan, antwortete der junge Israelit; ich kenne meinen Mann; es wird sich Alles machen. Und, worauf hoffst Du? Staszic ist ein Geizhals. Das ist es eben, was mich unglücklich macht. Mir aber flößt es die größte Hoffnung ein. Erkläre Dich. Zch werde ihn bitten, daß er mir sein Ausgabenbudget zuertheilt. Ich werde es dann bewirken, daß er besser wohnt und lebt, und dennoch nur die Hälfte von dem gebraucht, was er in der Regel ausgiebt. Er wird befriedigt sein und ich werde meine Rechnung dabei finden. Ich werde ihm zu billigen Preisen eine bequeme Wohnung und bessere Speisen verschaffen; ja sogar, wenn er in das Theater gehen will, werde ich ihm eine Kontremarke besorgen, anstatt ein Billet an der Kasse zu nehmen. Sara wollte den Traum des armen Moschele nicht zerstören; auch machte sie keine Bemerkung über das Handwerk, welches viele Juden in Polen ausüben und das sich aus dem Hunger und der Verzweiflung erklären, wenn nicht rechtfertigen läßt. Endlich machen sie sich auf den Weg und kommen