Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1849)
- Date
- 1849-08-20
- Page
- Seite 480 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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480 verfährt und auf die Entwicklun g und Bildung der geistigen Kraft der Kinder gehörig Rücksicht nimmt, leuchtet von selbst ein. Zu bemerken kann ich jedoch nicht unterlassen, daß der Herr Verfasser bei einer neuen Auflage, die Vorübungen zum Hebräisch- und Hebräisch-Deutschlesen, wie solche dem Merkchen beigegeben sind, von den eigentlichen Memorirübungen und Anleitungen zum Uebersetzen trennen und jene als abgesonderte Lesesi'bel für die ersten Anfänger mit größerm Druck herausgeben sollte, weil die Kinder nicht selten bis sie geläufig lesen können das Ganze beschmutzen und verderben. Noch wäre es gut und für die Schule, wie für die Synagoge gleich ersprieslich, wenn wir uns endlich einmal über die richtige Leseart im Hebräischen verständigten damit nicht der Eine (i) au, der Andre ö u. s. w. lese und wir unsere Kleinen mit zweierlei Lesearten abzuplagen hätten, wie diese in besagtem Lesebüchlein als polnische und portugiesische ausgestellt sind, dem ich seiner Brauchbarkeit wegen von Herzen weitere Verbreitung wünsche. L. Hofheimer. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Knltusreform. (Schluß.) Wir können diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne noch einem Punkte die ernstere Erwägung zuzuwenden. Die Festtage werden sicherlich, wenn sie in immer würdigerer Weise gefeiert werden, einen großen Theil der Gemeinde im Gotteshause versammeln, aber den Sabbaten traue ich die Kraft nicht zu, es wird immer ein verhaltnißmaßig kleiner Theil bleiben, der dem öffentlichen Gottesdienste beiwohnt, selbst wenn dieser allen Bedürfnissen zu entsprechen geeignet ist. Hier ist es besonders, wo der Reform das verhängnißvolle: „Zu spat!" zugerufen wird. Hätte man in dem uns vorangegangenen Zeitalter mehr die Anforderungen des Geistes und des Herzens beachtet und sich nicht an das Ueberlebte mit verschlossenem Auge angeklammert, hätte man den Denkenden den Gottesdienst nicht ganz gleichgiltig gemacht, ja verleidet, es würde vielleicht der Zug der Herzens mächtig genug gewesen sein, daß man sich trotz manchem Hindernisse der Theilnahme am Gottesdienste dieser Tage nicht entschlagen hätte. Nun hat der Strom des Lebens die Damme überfluthet. Keine Klage und kein Tadel wird es vermögen, ihn wieder in sein altes Bette zurückzuführen; die Erwachsenen ergeben sich dem Geschäftsverkehrs, die Jugend besucht die Lehranstalten und das Gotteshaus muß sich auf einen kleinen festen Kreis und zufällige Besucher beschränken. Ich bin weit entfernt, diese Thatsache zum Nachtheile des Sabbats und seines Gottesdienstes gebrauchen zu wollen; noch immer lebt er nicht blos in der Geschichte des Judenthums, sondern hat auch seine mächtigen Wurzeln in der Gegenwart, und mag er auch nicht mehr der frühem Beachtung sich erfreuen, so ist es darum doch nicht wohlgethan, ihn der ihm gebliebenen Weihe zu entkleiden. Allein dennoch fragen wir uns: sollen wir darum mit dem Leben grollen? soll das Gotteshaus darum so Vielen seine Segnungen nicht spenden, weil sie zu der Zeit, da es sie bisher spendet, nicht mit dem gebührenden Eifer ergriffen werden? soll die Jugend bestraft werden mit Entziehung aller Erbauung, weil die Eltern sie auch an diesem Tage den Anstalten nicht entziehen, vielleicht nicht einmal entziehen können, weil sie im Abhängigkeitsverhaltnisse nicht selbstständig über sich verfügen kann? Sollten wir nicht vielmehr eine jede Gelegenheit benützen, die sich uns darbietet, um auch diese große Anzahl, und sei es auch nicht in der bisher üblichen Zeit, für das Gotteshaus und damit für das religiöse Leben zu gewinnen? Die Alten dachten so. Dem Theile,' welcher dem Morgengottesdienste des Sabbats nicht beiwohnen konnte, suchten sie durch eine besondere Feier des Nachmittaggottesdienstes oder gar des Wochengottesdrenstes, nämlich am Montag und Donnerstag, einen Ersatz zu verschaffen. Folgen wir ihrem Beispiele! Auch unter uns ist ein Wochentag, der sich besonders zum Gottesdienste eignet, weit der öffentliche Geschäftsverkehr allgemein ruht, nämlich der Sonntag; benützen wir ihn dazu, wenn auch nicht regelmäßig allwöchentlich, so doch von Zeit zu Zeit. Ein etwa aller vier Wochen stattsindender feierlicher Sonntaggottesdienst wird den Zweck erreichen, einem großen Theile der Gemeinde wieder die Gelegenheit zu gemeinschaftlicher Andacht zu verschaffen, ohne daß damit in die Rechte des Sabbats eingegriffen würde. Man treibe die Scheu von der Nachgiebigkeit gegen andere Konfessionen, die darin gesucht werden könnte, nicht zu weit! Ich ehre diese Scheu, wenn sie der leeren Nachahmungssucht, der Bettelei vor fremden Thüren entgegentritt; aber wenn