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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-20 · Heft 34 (20.8.1849) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 34 (20.8.1849)
Date
1849-08-20
Page
Seite 478 (sequence 6)
Language
German
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478 Großbritanien. London, im Juli. Den 25. Juni Hai die feierliche Einweihung der neuen Synagoge der (reformirten) West-London-Gcmeinde stattgefunden. Das Gebäude ist mit großem Glanze ausgestattet. Nach der Zeremonie wurde nach englischem Gebrauche die Liste von Gaben verlesen, welche 700 L. St. (49ÜO Thlr.) betrug. Rußland. Aus Litthauen, im Juni. (Privatmitth. Fortsetzung.) Wer nur die Verhältnisse der jüdischen Frauen in Litthauen in Krämersachen kennt, wer ihre Aufführung mit ihren Männern und ihren Umgang mit Menschen kennt, der. wird überall beistimmen, daß es hohe Zeit ist, für die Umwandelung derselben nachdrücklich zu wirken. Es will freilich viel sagen: die Frauen sollen aus Krämcrinnen, Schwätzerinnen, Gaunerinnen rc. — eben Frauen werden; die Töchter sollen nicht in den Buden, sondern in Schulen erzogen werden, die Mütter in der Wirthschaft zu Hause beschäftigt sein, nicht den ganzen Tag mit Waren hausiren gehen; die Lehrer sollen angemessenen Unterricht ertheilen, und nicht viele und verschiedene Kinder in ein kleines, schmutziges Chederzimmerchen zusammendrängen! In den großen Städten, wo am Meisten in allen Straßen die niedrigen Stockwerke der hohen Häuser nur Laden sind, sehen wir stets in und vor den Buden nur Frauen sitzen, wo sie auf die Vorbeigehendcn lauern, um sie durch ihr Geschwätz und das Anpreisen ihr er Waren anzulocken, und wenn die Frauen Nichts zu thun haben, so dreht sich ihr ganzes Gespräch nur um Verleumdung, womit sie den ganzen Tag zubringen, und oft hörte man nur von Ehestiftungen sprechen. Hören wir einmal zu: „Rebbe A hat gestern mit seiner Tochter einen hübschen Schiduch gethan, d. h. er hat seine 18jährige Tochter für einen steißigen Talmudisten abgegeben, ein sehr fleißiger Bachurl, und A nimmt ihn zu sich auf Beköstigung, ohne von ihm weder Geld noch Kleider zu verlangen, denn Rebbe A hoffet, cs sei Gottes Wille, dieser Bachurl wird einst ein Rabbinerchen sein, und dann ist seine Tochter mit Brod versorgt." „Reb A hat doch kein großes Vermögen, der Bachurl ist jetzt (Barmizwo) 13 Jahre alt, und wird ihm gewiß schwer sein, bei sich so eine lange Zeit zu beköstigen und zu bekleiden, besonders wenn diesem noch seine Frau, bis er im Stande ist Rabbiner zu werden, etliche Kinder bringt?" Schadet nicht, da wird er indessen ein Melamcd werden." „Was verdient aber bei jetzigen Zeiten ein Melamed? Die Kinderder Reichen lernen zu Haus, der Armen gehen in die (schkola) Kreisschulen, und die mittlere Klasse unserer elenden Juden ist jetzt nickt im Stande Lehrerlohn ^2D) zu bezahlen." „Nun wird er ein (Schadchen) Ehestister sein, und davon kann man jetzt hübsch verdienen, denn die reichen Leute verheirathen schon nicht mehr ihre Töchter wie früher mit einem (Lamdan) Talmudisten oder Rabbinerjuchsen, sondern je mehr Geld der Bräutigam oder sein Vater hat, desto mehr lockt er die Braut oder ihre Eltern an sich, ohne darauf zu achten ob der Bräutigam schreiben oder sonst Etwas versteht — und sollte es dem Ehestifter gelingen solche Leute zu paaren, so bekommt er von der Mitgift 2'/r Prozent außer Geschenke, und wenn die Eltern auf der Hochzeit ihrer Kinder sich zanken, wie gewöhnlich bei den litthauer Juden Solches vorkommt, so ist der Schadchen auch da Vermittler und dafür ißt er und trinkt wie viel er kann, da er bei seinen Eltern nie solche Gerichte und Getränke sogar gesehen hat." Mit solchen Gesprächen und dergleichen verbringen die litthauer Frauen ihre Tage in den Buden, während ihre Männer meistens in der Synagoge die Zeit vertreiben; dort hören wir oft — denn außer in der Synagoge haben die litthauer Juden keine andere Zusammenkunft — von Stadt- und Gemeindesachen sprechen, klügeln und urtheilen, wie auch folgende Gespräche: „Was giebt's Neues?" „Neues? Ich habe von der Stadt R. schlechte Nachricht erhalten, auch's Handeln ist jetzt nicht sehr gut, man bankrottirt, prolongirt rc." „Reb Eh. ist eben vom Lande gekommen." „Nun, was hat er dort mit seinem Stück Land (yp'ip) gemacht?" „Nichts, unsere Juden sind solcher Arbeiten nicht gewohnt, denn man muß doch ackern, die Pferde und das Vieh füttern, die Wirthschaft genau beobachten und im Sommer stets auf's Feld gehen, um dort Alles gut zu besorgen, während unsere Juden Solches nie gesehen und geprüft haben; besonders kann man auf dem Lande nicht so viel beten und lernen wie in der Stadt, und man ist dort genöthigt sogar andere

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