Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1849)
- Date
- 1849-08-20
- Page
- Seite 475 (sequence 3)
- Language
- German
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475 Besitze eines äußerst freundlichen Gotteshauses in neuem, sehr entsprechenden Stile gebaut. Jeder Eintretende wird von Freude über die Schönheit des Gebäudes ergriffen, und unwillkürlich erweckt dasselbe in dem Beschauer das Gefühl der Achtung vor einer Gemeinde, welche bei der geringen Zahl ihrer Mitglieder selbst bedeutende Opfer nicht gescheut, die höchsten Interessen des religiösen Menschen zu befriedigen. Einer lobenswerthen dankbaren Erwähnung verdient hierbei besonders der noch vor der Vollendung des Baues aus seiner Gemeinde zu früh geschiedene Vorsteher Mansfeld, indem dieser wesentlich zur Herstellung desselben beigetragen, und den beisteuernden Gemeindemitgliedern mit dem besten Beispiel durch den bedeutenden Beitrag von 1100 Thlr. vorangegangen ist. Di« erleuchtete Gemeinde wollte es aber nicht allein dabei bewenden lassen, nur mit Holz und Stein dem Herrn ein Opfer zu bringen, sie wollte nicht glänzen mit einem modernen Gewände, nein, auch Herz und Gemüth sollten sich in dem schönen Hause erneuen, um durch möglichste Beseitigung alles Störenden aus dem jüdischen Gottesdienste desto andächtiger die Seele zum Herrn erheben zu können, und als Solches erkannte sie zunächst sehr richtig: das Wort der Belehrung recht oft von der Kanzel zu vernehmen; die einer andern fernen Zeit und uns fremden Zuständen angehörenden Gebete allmälig zu entfernen, und der Muttersprache möglichst immer mehr und mehr Eingang zu verschaffen. Die Festtagsgebete sind bereits abgeändert, und wird vom nächsten rrnötna roio an der dreijährige Zyklus beim Lesen des Pentateuchs folgen, die Gebete überhaupt reduzirt, und das Hebräische so weit nur irgend zulässig durch deutsche Gebete und Gesänge ersetzt werden. Möge auch ferner die von solch echt israelitischem Geiste beseelte Gemeinde unermüdet in diesem Sinne an dem Baue ihrer religiösen Zustände fortarbeiten, um den Schwestergemeinden der Nähe und Ferne als leuchtendes Vorbild zu dienen, damit durch sie ein wahrhaft frommes israelitisches Leben erweckt werde in den Gleichgiltigen und Schlaffen, deren es überall, so auch hier eine übergroße Anzahl giebt, damit die erstarrten, verjährten Formen zergehen vor den erwärmenden Strahlen, welche dem erquickenden Sonnenlichte frommer israelitischer Herzen entströmen, die da erkennen, was unsere schöne Jsraelsreligion Erhabenes und Heilbringendes in sich trägt, wenn sie im Geiste des Lichts und der Wahrheit ihren Bekennern zugänglich gemacht wird. Hoffentlich werden wir dann auch alsbald recht viele benachbarte Gemeinden aus ihrer Letargie sich ermuntern sehen, um den Weg des Lebens zu betreten, denn noch giebt es zahlreiche, für das Judenthum schlagende Herzen unter uns; aber Erweckungs- und Belebungsmittel müssen auf die Menge angewendet werden, um erfolgreiche Wirksamkeit zu erzeugen, und wessen bedarf es in der Regel bei kleinen, dem Zeitgeist zugethanen Gemeinden mehr, als daß einige der Nachbarinnen mit lebendiger That vorangehen, um genauer den Weg dadurch zu bezeichnen, welchen jene zu gehen haben. Aber auch an äußeren Mitteln zur Erreichung dieses Zwecks fehlt es hier nicht, indem Lüneburg, Harburg und andere Städte fast nur wohlhabende israelitische Familien zählen, und dürfen gewiß einer hoffnungsvollen Zukunft entgegensetzen, wenn jeder einflußreiche und für den Fortschritt sich interessirende Israelit in seinem Kreise dahin wirkt, und ernstlich hinweist, was selbst kleine Gemeinden bei ernstem Willen und Unverdrossenheit Gutes zu fördern vermögen. Schließlich haben wir noch zu erwähnen, daß die Gemeinde Dannenberg sich nicht allein damit begnügt, ein einmaliges Opfer in dem Bau ihrer Synagoge zu bringen, sondern auch darin ganz vorzüglich ihre gute Gesinnung bewahrt, daß sie einen braven, tüchtigen Religionslehrer ausgenommen, und denselben in seinen äußeren Verhältnissen so ehrenvoll gestellt, daß derselbe auch sorgenfrei ganz seinem Berufe leben kann. Möge es mir vergönnt sein, auch ferner von hier aus Erfreuliches aus dem Leben unserer kleinen Gemeinden berichten zu können. W. A. Berlin, 14. August. (Privatmitth.) Wenn man in diesen Tagen die berliner Zeitungen und die Nachrichten über Berlin in anderen Zeitungen nachliest, so stößt man ganz besonders auf die Parteifrage über die Wahl des Präsidenten der II. Kammer und hierbei über die Wahl des Professors Eduard Simson, desselben, der nach Gagern Präsident der deutschen Nationalversammlung war, und an der Spitze der Deputation stand, welche die deutsche Krone nach Berlin brachte und sie da wieder zurückerhielt. Nun, und was wird als Hauptpunkt gegen seine Wahl vorgebracht? Weil er — ein getaufter Jude ist, wobei natürlich der Nachdruck nicht auf „getauft", sondern auf „Jude" zu legen ist. Er ist „jüdischer Abkunft",