Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1849)
- Date
- 1849-08-13
- Page
- Seite 466 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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466 pfe und Entbehrungen einer kleinen Zahl einfacher und selbstgebildeter aber berufstreuer und gewissenhafter, Haus- und Schullehrer seit etwa 60 Jahren allmalig Bahn gebrochen hat, wie nicht allein neue Kenntnisse, sondern auch eine neue Sprache, neue Sitten, neue Anschauungen eingeführt, wie der Abstand zwischen alter und neuer Welt bei jeder Familie, ja bei jedem Einzelnen langsam und versöhnend ausgeglichen, jedes werthvolle Material aus dem alten Bau sorgfältig gerettet, und dann Stein für Stein an Errichtung des neuen Baues gearbeitet wurde. Doch wir begnügen uns mit diesen kurzen Andeutungen, die hinreichen werden, um den größten Thcil unserer Zeitgenossen zu persönlicher dankbarer Erinnerung anzuregen. Aber das dürfen wir zu erwähnen uns nicht versagen, daß wir alle diese Erfolge im Privatunterricht sowol als in dem Volksschutwesen errungen haben, ohne die allermindeste Beihilfe des Staats, weder pekuniärer, noch beaufsichtigender, leitender oder stützender Art, und daß wir sie bis auf den heutigen Tag unter dem Beistände Gottes nur uns selbst und nur uns allein zu verdanken haben. Und so schließen wir diesen Bericht, diese lange Aufzählung reicher Opfer aus dem Altäre der Humanität und der Liebe. Mit unermüdlichem Eifer, ohne irgend welche persönliche Bortheile hat ein großer Theil unserer Gcmeindeglieder sich an den mühsamen und sorgfältigen Verwaltungen betheiligt, und die Verschiedenheit der religiösen Ansichten und Observanzen in dieses Gebiet hat sie nie Hader und Trennung gerufen. Mit Bereitwilligkeit haben Alle gespendet, so viel unser Haushalt erforderte; den wohlthätigen Drang ihres Herzens damit noch nicht befriedigt fühlend, haben sie eben in der Periode, von der wir berichten, mit großen Opfern die trefflichsten Anstalten für das Wohl ihrer leidenden Mitmenschen begründeta), ausgestattet und befördert, und über alles dieses hat ihre Privatwohlthätigkeit, gleichsam als ob mit den öffentlichen Spenden noch gar Nichts geschehen sei, im Leben und beim Sterben, gegen Genossen und Nichtgenossen des Glaubens sich unaufhörlich, unermüdlich mit voller Hand bethatigt. Auch dessen sei bei dieser ernsten Gelegenheit dieser Bericht ein Erinnerungsdenkmal. Aber selbst demjenigen Theil unserer Gemeinde, den seine Mittellosigkeit von den Reihen der Gebenden ausschloß, der vielmehr die Wohlthaten seiner Brüder genoß, sei es in direkten Gaben, sei es im Erziehungswesen, sei es durch die zahlreichen mildthätigen Vereine: ihm, der so wenig besitzt, ihm am Wenigsten dürfen wir hier die gerechte Anerkennung versagen, daß er in seiner sehr großen Mehrzahl durch Rechtlichkeit, durch ein würdiges Familienleben, durch Thätigkeit und Fleiß, durch ein unausgesetztes Streben nach bürgerlicher Ausbildung seiner selbst und seiner Kinder allen günstigen Erwartungen entsprochen hat. Demnach können wir nicht anders endigen, als mit dem innigen Wunsche: es mögen bei uns in der nunmehr glücklich erlangten bürgerlichen Freiheit verhällnißmäßig so edle Früchte reisen, als es in der Beschränkung der Fall war." «Schluß folgt.) Oesterreichifcher Kaiserstaat. Wien, 28. Juli. Eine Deputation der pesthcr Judengemeinde ist hier angekommen, um eine Ermäßigung der Kontribution zu erwirken. — Die Juden zu Ofen haben sich wegen der nicht zu erschwingenden Kontribution sammtlich fallit erklärt. —. Nicht nur die Presse wiederhallt von den Klagen, welche die den pesther und ofener Judengemeinden auferlegte Kontribution erregt, auch unter allen Volksklaffen hört man hier eine und dieselbe Meinungsäußerung, daß die Schuld und nicht das Bekenntniß bestraft werden sollte, und man sagt, daß die Anwendung der Solidarität in Bezug auf die Juden, die dem Bekennlniß nach, noch weit mehr aber in den politischen Meinungen zerklüftet seien, ebenso sehr den Grundsätzen des Rechts, das von jeher datirt, als den jüngst verkündigten Grundrechten vom 4. März Hohn spreche. a) Es existiren in der Gemeinde 20 verschiedenartige wohlrhätige Privatvereine und 15 Vereine für gegenseitige Unterstützung, welche Letztere viele Kontribuenten zahlen, die für ihre Person keinen Genuß daraus begehren.