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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-13 · Heft 33 (13.8.1849) · p. Seite 462

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 33 (13.8.1849)
Date
1849-08-13
Page
Seite 462 (sequence 6)
Language
German
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462 mandem zuzumuthen, inwiefern nicht auch die Intelligenz ihren Antheil daran nimmt; denn es ist mit ihr, wie mit jeder materiellen Freundschaft (nansbs '“Di), allein, daß sie auch manches Gute befördert, davon liefert folgendes Faktum einen erfreulichen Beweis. Wer kennt nicht das „Neue Preußische Sonntagsblatt", Enkel der Großmama Kreuzzeitung, an welcher das Sprichwort: „Wo der Teufel nicht ankommt, schickt er seinen Knecht" sich bewahrheitet, mit seiner judenfeindlichen Tendenz und dem Surrogat des gemeinsten Haffes, welches für den Landmann und den gemeinen Soldaten durch seine echtpommersche Ausdrucksweise berechnet ist? — Ihnen den Eindruck zu schildern, welchen No. 29 des qu. Blattes sowol hier als auch in Jnowraclaw, Trzemeszno, Mogilno rc., wo es unter den Soldaten des 4. Regiments gratis vertheilt wird, hervorgerufen, hieße: eine kaum verblutete Wunde wieder aufreißen; allein es stellt sich mehr und mehr? heraus, daß die ersehnte Emanzipation, welche von unseren politischen Orthodoxen von vorne herein für ein bloßes Phantom gehalten wurde, von derjenigen aber, welche vom Standpunkte des Menschenrechts betrachtet, jene als eine geschichtlich feststehende Thatsache gehalten haben, noch lange nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die Entrüstung ob der Frechheit, womit das Sonntagsblatt das neunzehnte Jahrhundert gebrandmarkt, denAltar der Menschenliebe und der Eintracht mit ungerechter Hand geschändet; die Verblendung, vermöge welcher der verkappte Sonntagsblattschreibcr die Unduldsamkeit, als eine vom christlichen Staate bedingte Konsequenz predigt; die noch nie dagewesene Kühnheit: Preußens bewaffnete Macht, in deren Reihen der Assistent der Kreuzzeitung auch Hunderte der Nation finden wird, über welche er so wüthend herfällt, gegen die Juden aufzureizen — fand auch bei den hiesigen Christen Theilnahme; ja der Kompagniechef, Herr v. Sch., fühlte sich veranlaßt, der hiesigen Judenschaft Genugthuung zu gewähren. Zu diesem Ende versammelten sich am 20. d. M. in einem Privathause mehrere Israeliten und Herr v. Sch. hielt einen langem Vortrag über die Nothwendigkeit der Emanzipation für das Gesammtwohl des Staates, über die Gefahr, die der Gesellschaft drohe, so lange sich ihre Bestandtheile nach ihrer Religion abscheiden und getrennt halten; endlich über die Tendenz des qu. Blattes, deren Verbreitung zu verhüten er durch Abwesenheit behindert gewesen sei. Dem analog las er den Versammelten eine an den Regimentschef zu richtende Erklärung vor, worin er gegen die Verbreitung ähnlicher Schmähartikel Verwahrung einlegte. Denken Sie sich, Herr Redakteur, unsere Freude, die die verzagten Gemüther beseelte, einen so würdigen Mitkämpfer für die Emanzipation, einen so für Menschenrecht begeisterten Mann gesunden zu haben, der die Eigenschaften eines genialen Militärs, eines getreuen Unterthans des Königs mit der wahren Würde des Menschen zu vereinigen versteht. — Als Zeichen der Anerkennung wurde beschlossen, dem wackern Manne ein Ständchen zu bringen. Aus Westphalen, im Juli. (Privatmitth.) Auch in unserer Provinz hat die Freiheitssonne des vorjährigen Märzes eine für unfern Boden seltene Frucht gereift. Ein christliches Mädchen zu Hörde bei Dortmund hat sich mit Einwilligung ihrer Eltern entschlossen, die nach dem Katholiken Lewis „unerquicklichste, aber doch achtungswerthe Zugabe der Natur" freiwillig zu ergreifen, d. h. sie ist Jüdin geworden. Wie man hört soll die beabsichtigte Verbindung derselben mit dem dortigen israelitischen Lehrer sie zu diesem Schritte veranlaßt haben. Unsere tiefste Hochachtung der Toleranz der dortigen Gemeinde, die, ganz einverstanden hiermit, ihrem Lehrer eine definitive Anstellung gewährte. Unna (Westphalen), im Juli. (Privatmitth.) Die hiesige jüdische Gemeinde, welche bisher ihren zeitgemäßen, theilweise deutschen Gottesdienst in dem Unzeitgemäßesten Lokale verrichtete, hat vor Kurzem die Kirche der Katholiken zum Behufe ihres Gottesdienstes angekauft, unsers Wissens das erste Beispiel dieser Art in Westphalen. Doch scheint es, als ob das Generalvikariat ihm nicht lange die Freude an diesem stattlichen Gebäude nebst dessen zierlichen Thurme vergönnen wolle, denn auf das eingereichte Konzessionsgesuch nimmt jenes zu allerlei Verzögerungen und Hindernissen seine Zuflucht. Doch wird die jüdische Gemeinde im entschiedenen Weigerungsfälle alle ihr zu Gebote stehenden erlaubten Mittel ergreifen, um etwaigen exorbitanten Maßnahmen energisch entgegen zu treten.

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