Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1849)
- Date
- 1849-08-13
- Page
- Seite 460 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Ueberzeugung nach die Ehe zwischen Juden und Christen ertaubt sei *). Nur die Individuen und Gemeinden, welche sich zu den angeführten Punkten bekennen, haben Theil an der neuen Freiheit; wer den Revers nicht unterschreibt, bleibt tolerirter Jude, für ihn allein bleibt auch in rechtlichen Dokumenten u. s. w. die Bezeichnung: Jude* 2). Glauben Sie, ein solches Verfahren wird zwei Drittheile -er Juden aufhören machen, und in den zwei bis drei nächsten Generationen die Besonderheit ihres Wesens zum größten Theil aufheben 3); das übrige Drittel wird sich fortwährend vermindern, denn der Uebergang zu einer freien Existenz wird nicht mehr durch Konfessionswechsel erkauft werden muffen. Aber die Bestimmungen des Staats sind tyrannisch? Wohl, es ist einige Tyrannei dabei, aber sie ist vernünftig und nothwendig. Denn das jüdische Element ist für das Leben der östlichen Landestheile Preußens eine Krankheit, welche nur durch energische Mittel geheilt werden kann. Niemand fühlt das tiefer und schmerzlicher, als der gebildete Mann selbst, welcher dem mosaischen Glauben angehört. Ihr Christen habt keine Ah- *) Will der Verf. dies als Erklärung, nun so hat er die des pariser Sanhedrin, die der braunschweiger Rabbinerversammlung. Dem Einzelnen hat der Staat hierin gar Nichts zu sagen. Wie? erinnert sich der Verf. nicht des kölner Streites um die Mischehe? und wenn er sich dcffen erinnert, wie will er das Recht haben, von den Juden zu verlangen, was von den Katholiken nicht erlangt worden? Etwa weil sie die Schwächeren sind? Nun, dann haben alle Fanatiker, die auf die Macht sich stützten, auch das Recht! Red. d. A. Z. d. Jud. 2) Der Verf. hat wirklich vom Staats- und religiösen Leben eigene Begriffe; er steht auf einem ganz eigenen Rechtsboden. Ist der Ausdruck „Jude" die Bezeichnung des Glaubens, nun, dann akzeptiren wir ihn Alle; ist er ein Schimpfwort, so wäre es ebenso, wie wenn der Verf. es recht fände, daß die Türken in „rechtlichen Dokumenten :c." der Christen sie mit „Giaur" betitelt; feiern doch die Christen in der Türkei auch nicht den Sabbat der Türken, und hegen die Christen gegen die Türken eine bei Weitem größere „Abneigung und Kaltes als die Juden gegen die Christen. Red. d. A. Z. d. Jud. 3) Der Verf. verzeihe uns einen gerechten Zweifel. Man schachert nicht um die Religion. In Preußen erging einst die Ordre, die Juden sollten nur altjüdische Namen führen; es ließ sich kein Einziger darum taufen. Red. d. A. Z. d. Jud. nung von den bitteren Gefühlen der stillen Demüthigung, dem innerlichen Druck, welchen euer alttestamentarischec Freund unter euch sowol, als unter der Masse seiner Glaubensgenossen empfindet. Eure Schonung, mit der ihr das Wort Jude in seiner Gegenwart auszusprechen vermeidet, jede kleine Finte, durch die ihr das Erzählen einer jüdischen „Anekdote" abparirt, ist ihm wie ein Dolchstich, und unter seinen Glaubensgenossen all der kleine Trödel von alten sinnlosen Bräuchen und Gewohnheiten, von dem näselnden Plärren der Gebete bis herunter zum Gänsefett, mit dem das Gemüse zugerichtet wird, überall ein Quell des Unbehagens, der peinlichen Befangenheit. Cs ist leicht, in großen Dingen groß zu empfinden, wenn man ein ganzer Mensch ist, aber den kleinen Widrigkeiten des menschlichen Lebens großen Sinn entgegenzusetzen, das ist sehr schwer, und dem Juden schwerer, als jedem andern; denn durch das beständige Reiben mit der Welt, dem er ausgesetzt ist, entwickelt sich in ihm eine Empfindlichkeit, welche ein kräftiges festes Selbstgefühl sehr selten aufkommen läßt; der Stärkere wird leicht arrogant, der Weiche sentimental. Wir haben hier in Breslau täglich Gelegenheit das zu bemerken. — Alle Juden von Erfahrung und Selbstgefühl werden Ihnen sagen, daß ihre gegenwärtige Lage höchst unbefriedigend und drückend ist, und daß der Staat allein im Stande ist, über den Streitigkeiten und dem Haß der verschiedenen Religionssekten, dem Verfall des ganzen Kultus und der Unentschlossenheit der Einzelnendurch ein Machtwort alte Uebelstände und eine chronische Krankheit zu heilen."!) A. 1) Mit Nichten sagen wir das. Der Verf. ist entweder selbst so ein sentimentaler Jude, oder er hat nur diese Sorte kennen gelernt. Wir sagen: der Staat solle nur der immer weiter greffenden Bildung, der immer wachsenden Entwickelung freien Raum taffen; er greift nur nicht roh in das Heiligthum der Gewissen, die mit sich kämpfen, die den Kampf der Bildung mit dem Herkömmlichen durchmachen, hinein; er hat gar nicht das Recht dazu, und gegen eine Rechtsverletzung stehet der Geist hartnäckiger auf; er wolle nur nicht religiöse Verbesserungen mit bürgerlichen Rechten erkaufen — und der Fortschritt wird nicht ausbleiben. Giebt es sentimentale Juden, die sich vor einer „jüdischen Anekdote" fürchten — nun auf die hat der Staat doch keine Rücksicht zu nehmen, um den weichen Seelchen eine Verletzung zu ersparen. Dann müßte Keiner eines Schneiders Sohn sein, weil von den Schneidern Anekdoten erzählt werden u. s. f. Dies ist die schlechteste, fadeste Sentimentalität. Red. d. A. Z. b. Jud.