Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1849)
- Date
- 1849-08-06
- Page
- Seite 447 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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447 sendet er den Verladeschein nach Breslau und zieht seine Wechsel auf das breslauer Haus zu einem Betrage, welcher den sichern Werth der Waren fast erreicht. Der Kaufmann in Breslau verkauft die Waren, berechnet ihm die Zinsen des vorher gezahlten Kapitals und wenige Prozente als Kommissionsgebühren uno zahlt ihm den Ueberschuß heraus. Das Risiko des Handlungshauses besteht darin, daß es die Wechsel, welche der Jude ausgestellt hat, in der Regel akzeptiren muß, bevor die langsam gehende Fracht in seinen Händen ist. Darauf baut der Jude sein System. Durch drei, vier, oft mehrere Jahre, ist er ehrlicher Geschäftsmann, endlich, wenn er seinen Gegner sicher gemacht hat, wagt er den großen Schlag, zieht eine ansehnliche Summe auf den Kaufmann und läßt die Waren nicht ankommen, indem er sie anhätt, bevor sie die Grenze pafftet haben und anderweitig verkauft. Diesem gewöhnlichen Manöver gegenüber besteht die Taktik des breslauer Kaufmanns darin, daß er das Geschäft mit seinem jüdischen Gegner im rechten Augenblick, grade dann abbricht, wenn der Galizier durch außerordentliche Solidität die Aussicht eröffnet, daß er nächstens seinerseits auf geniale Weise abbrechen werde. Ist dem breslauer Kaufmann seine List gelungen, so empfindet der Jude als einen unersetzbaren Verlust, daß er so viel Ehrlichkeit umsonst aufgewendet hat, er klagt heftig wie über ein verlornes Kapital, aber er bewundert den Kaufmann um so mehr und wird um so erpichter darauf mit ihm Geschäfte zu machen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 29. Juli. (Privatmitth.) Kaum daß ich in einer jüngsten Nummer dieser Zeitung (No. 30) die Art und Weise zu geißeln hatte, rvie die „Tante Voß" die Juden zum Wählen bringen wollte, und ich muß mich abermals mit ihr beschäftigen. Nicht daß ich damit diese alte Dame zu einem Bessern zu bringen gedächte: vielmehr ist mein alleiniger Zweck, den Juden selbst einen Spiegel vorzuhalten. Die Wahlen sind vorüber. Daß sich viele Juden an der Wahl betheiligt haben, ersieht man schon aus der Wahlmännerliste. Dafür müssen Sie doch eine Belobung haben. Die Boss. Zeit, schreibt daher in einem Artikel: „Die Demokratie mag dann zusehen, ob sie noch ferner eine Revolution machen kann und wie viele Prozentchen dabei herauskommen. Ein gewisser Bestandtheil der Demokratie dürfte wol bald eine Schwenkung machen, denn er pflegt da seine Hütten nicht aufzuschlagen, wo sich keine Prozentchen machen lassen." Man versteht doch diesen edeln Witz? Die Juden werden eine Schwenkung machen, und sich den Konservativen zugesellen. So machen es diese moralischen Herren. Bor der Wahl: „wenn Ihr nicht wählt, schlagen wir Euch todt!" Nach der Wahl: „Ha, ha Ihr glaubt bei uns Etwas zu verdienen?" Ich muß gestehen, so müssen die Charakterlosen bezahlt werden. Aber wer ruft dies aus? Ist das nicht dieselbe Voss. Zeit., welche die Revolution mit einem „Extrablatt der Freude" begrüßte? nicht dieselbe, welche die gefallenen „Märzhclden" mit einem Trauerblatt voll Thränen, voll Bewunderung, und schwarzen Randes zu Grabe geleitete? Nun ja, weil diese Zeitung so erfahren ist, Schwenkungen zu machen, darum wittert sie überall Solche, und will Genossen haben. Und dann, warum sollen die berliner Juden anders sein, wie die Berliner selbst? Und wenn man von den berliner Christen sagt: sie kehren zu ihrer alten Loyalität zurück, warum will man dies nicht auch von den berliner Juden sagen? Die Berliner galten noch nie für die wahren Repräsentanten des preußischen Volkes, und die berliner Juden für die der preußischen Juden. Wir lassen den Berlinern gern ihre Blasirtheit, ihre närrische Extravaganz, ihr Springen und Hüpfen. Die Geradheit und Konsequenz haben ihr Lager stets außerhalb der großen Hauptstadt aufgeschlagcn. —. Di'. Veit ist bei der Dcputirtenwahl außerordentlich durchgefallen; nur wenige Stimmen halte er. Es wird wol diesmal überhaupt kein Jude in der Kammer sitzen. Es ist ja eine Wahl der reinen Konservativen. Siegburg, 24. Juli. (Privatmitth.) Das Ministerium hat Betreffs der Juden eine Verordnung an sammtliche Regierungen 6. d. 5. Juni c. erlassen, die zu bedeutend ist, als daß sie nicht in diesen Blättern veröffentlicht werden müßte. Sie lautet: Abschrift. Das unterm 23. Juli 1847 publizirte Gesetz über