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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-06 · Heft 32 (6.8.1849) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 32 (6.8.1849)
Date
1849-08-06
Page
Seite 446 (sequence 6)
Language
German
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446 die neue Korporation, also auch die Juden, welche bis jetzt ganz ausgeschlossen waren. Für die Juden war diese Aufnahme deswegen von Wichtigkeit, weil die bisherige Korporation der Börsenkaufleute ein sehr bedeutendes Vermögen an Gebäuden, Mobilien und Effekten besaß, von welchem sie auf einmal Mitbesitzer geworden sind. *) In einer Generalversammlung der gesammten Kaufmannschaft haben die Juden dieses Recht durch fünf Stimmen Majorität erworben, weil die Christen zu indolent waren, in der nölhigen Anzahl zu erscheinen und ihre Interessen zu verfechten **). Da der Beschluß aus freier Selbstbestimmung der Betheiligten hervorgegangen ist, läßt sich Nichts dagegen einwenden, obgleich er allerlei wunderliche Konsequenzen haben muß, welche für Breslau sehr auffällig sind. Der jüdische Kaufmann sieht in Breslau in der öffentlichen Meinung noch nicht so gut, wie z. B. in Leipzig oder Frankfurt, zum Theil drisch eigne Schuld. Die Lage Schlesiens an der Grenze von Posen, Polen und Galizien, begünstigt ein fortwährendes Eindringen der polnischen Schacherjuden in die Provinz, und dies jüdische Element, welches vom Osten herkommt, beginnt seinen Bildungsprozeß in der ersten Generation bei uns, die zweite Generation geht nach Berlin, die dritte nach Frankfurt. Da hier die Destillation anfängt, bleibt auch der meiste Schmutz bei uns sitzen. Der polnische Jude von altem Stil, welcher nach Breslau kommt, feine Geschäfte zu machen und sich mit oder ohne polizeiliche Erlaubniß einen großen Theil seines Lebens hier aufhalt, lauft schwarz und geschäftig, wie eine Ameise, durch die Straßen der Stadt und wird an Genügsamkeit durch Nichts in der Welt übertroffen. Ec schläft in seinen Kaftan gewickelt auf der Diele irgend *) Die Gehässigkeit, die diesem Art. zu Grunde liegt, macht sich bald kenntlich. Also blos um die Mittheilnahme an unveräußerlichen Gebäuden und Mobilien handelt es sich, wenn die Juden die, ihnen von Rechtswegen zukommenden vollen kaufmännischen Rechte erlangen wollen? Die Mitbenutzung eines Lokals und einiger Mobilien soll da von Wichtigkeit sein, wo es sich um Ausschließung und Absonderung handelt! Red. d. A. Z. d. Jud. **) „Indolenz" war es, welche die christlichen Kaufleute von der ferner» Aufrechthaltung der Ausschließung auf religiösem Gebiete abhielt { Was der Vers, seine Leute kennen will! Muß er nicht vielmehr sagen, daß die Nichterschienenen mit dem Resultat übereinstimmten, da der Opponent sicherlich erschien? Red. d. A. Z. d. Jud. eines Gastfreundes, dem er dafür wenige Pfennige bezahlt, sein Mittagmahl ist ein Hering, Zwiebeln, die er in seiner Tasche trägt und ein Stück Bcod. Seine Reisen nach Breslau macht er nicht gerne zu Fuß, lieber auf dem Wagentritt einer Extrapost, wofür er den reicheren Glaubensgenossen, welche zur Messe über Breslau nach Leipzig fahren, ein Geringes bezahlt. Eine solche Extrapost von Brody nach Lemberg sieht aus, wie eine dicke Weintraube von Menschenbeeren, im Wagen sitzen die vier Reichen, an jedem Wagentritt, auf dem Kutschensitz uno hinter dem Wagen hangt ein armer Bacher wie eine Weinbeere in trauriger Lage. Er wird gestoßen und geschüttelt, die Füße werden ihm steif vom Kauern, die Hände zittern vom Anklammern, der kalte Wind schneidet ihm bis in's Mark, die Sonne glüht aus ihn mit brennender Malice, der Staub überzieht ihn mit grauer Decke, jeder Augenblick des Schlummers bringt ihn in Lebensgefahr. Aber diese Art zu reisen ist bd alle dem billiger und geht schneller als Laufen. Im vorigen Jahre kam ein solcher Geschäftsmann von Brody nach Breslau, beiläufig 120 Meilen weit her, um eine faule Forderung von 60 Thlr. einzuziehn; kein Christ würde eine solche Reise um solches Geld wagen. Sein Herz hat der fremde Jude in der Heimath gelassen bei seiner Familie, er denkt Nichts, ec träumt Nichts, er will Nichts als spekuliren, und nicht nur über große Summen, über wenige Groschen brütet seine Phantasie Tage lang, laufen seine Beine unermüdlich, vom Morgen bis zum Abend. Jene Tugend, durch welche der solide Kaufmann seinen Egoismus adelt, die kaufmännische Ehre, er kennt sie nicht; aber er nimmt den Schein der Sicherheit und Zuverlässigkeit mit Ausdauer und Erfolg so lange an, bis es ihm lohnt, irgend etwas Bedenkliches zu thun, was nach unseren Begriffen durchaus unehrlich ist, ihm nur einen gewagten Streich gilt. In seinen Geschäften mit soliden Handlungen spekulict er mit seiner Ehrlichkeit ebenso fein als naiv. Ein Beispiel. Der Verkauf von Produkten aus Galizien macht sich in Breslau in der Regel so, daß der breslauer Kaufmann zum Kommissionär der galizischen Juden wird. Da aber der Jude welcher verkauft, weder Kapital noch Kredit hat, so hat diese Geschäftsverbindung ihre eigenthümliche Schwierigkeit. Der Jude bittet zuerst ein solides Haus in Breslau.oft flehentlich, feine Waren in Kommission zu nehmen, das erlangte Versprechen betrachtet er als große Gunst. Sobald er aus seiner Heimath die Waren dem Frachtfuhrmann übergeben hat.

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