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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-06 · Heft 32 (6.8.1849) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 32 (6.8.1849)
Date
1849-08-06
Page
Seite 445 (sequence 5)
Language
German
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445 „Siehe, mein Knecht, den ich stütze, mein Erkorner, an dem Gefallen meine Seele hat: meinen Geist leg' ich auf ihn, das Recht soll er den Völkern bringen. Nicht müde wird er, nicht entkräftet, bis daß auf Erden er das Recht gegründet." Darum Muth, Much, Israeliten, Zuversicht, Vertrauen, Thatkraft. Aus den Trümmern baut sich die Welt auf, aus den alten Trümmern die neue Welt; schon wird ihr Grund geworfen, ihre Säulen, ihr Dach werden nicht fehlen, und sei es in der Enkel-Enkel Zeiten. Amen! Der Kampf um die Wahrung der Gleichstellung. Es war sehr leicht einzusehen, daß, wie der Emanzipation ein tanger, harter Kampf vorangegangen, so auch, sobald die Politik aus der Bahn der Revolution wieder herausgeschritten sein wird, ein nicht minderer Kampf sich daran knüpfen werde. Ein Prinzip ist eben nur ein Prinzip; und wenn ein Solches auch anerkannt ist und bleibt, so giebt es doch tausend Wege, um ein Prinzip in der Wirklichkeit nicht vielfach illusorisch zu machen. Man halt sich dann gewöhnlich an den Wortlaut, mit welchem das Prinzip ausgesprochen worden; aber der Wortlaut ist ein sehr dehnbares Ding, man kann damit, wie mit einem Dukaten Gold, Roß und Reiter überziehen. Wir haben bereits öfter mit den berliner Blättern uns beschäftigt. Wir sahen, wie die extremste Reaktion in der „Neuen Preußischen Zeitung" und ihrem „Sonntagsblatt" sich gebahrt. Sollte diese das Heft in die Hände bekommen, so wäre die Gleichstellung sofort zerrissen, denn diese Partei fühlt sich vom Gegebenen, von der ganzen Verfassung gar nicht gebunden. Aber neben diese treten schon Blätter der rechten Seite, wie die Voss. Zeitung, welche sich nicht entblöden, bei Gelegenheit Beschimpfungen, Verdächtigungen, Drohungen gegen die Juden auszusprechen, die die Gesinnungen hinlänglich kund geben. Hierzu kommen nun in jüngster Zeit selbst Blätter des rechten Zentrums, welche sich jetzt schon das Ansehn geben, daß die ganze Emanzipationsgeschichte noch einmal von vorne geprüft werden müsse, welche überall auf das Wort „christlich" einen befondern Ton legen, und es mit gesperrten Lettern drucken. Ja, diese Blatter kommen schon wieder mit Unterscheidungen unter den Juden, mit Rechten, Vorrechten und Nichtrechten nach dem religiösen Verhalten der Einzelnen, mit religiösen Bedingungen und Zwangsmaßregetn! Man sage nicht, es seien ja eben nur Blatter und Zeitungsskribenten. Blätter, die rechts stehen, bedeuten heutzutage wieder Etwas mehr. Und dann sind die Kammern, die jetzt zur Revision der Verfassung und zu den organischen Gesetzen berufen sind, aus der Rechten und dem rechten Zentrum hervorgegangen, so daß die Blätter dieser Seite auch zum Ausdruck der Ansichten dieser Seite dienen. Daher siel uns in diesen Tagen ein Artikel in „den Grenzboten", einem Journal, das jetzt höchstens dem rechten Zentrum zuzuschreiben ist, sehr auf, der bereits obige Ansichten unverblümt ausspricht. Als den ersten derartigen, geben wir ihn hier ganz, um ihn zugleich in allen seinen Schwächen aufzudecken. Der Artikel ist — wir sagen es unumwunden — echt jesuitisch. Er beginnt mit einer Schilderung polnischer Juden, um darauf, die Bedeutung der Zeremonialien auf althergebrachte Weise übertreibend, alle Juden in die Zwangsjacke vom Staate erzwungener (derArt. braucht dies Wort selbst) Reformen zu stecken. Der Artikel lautet: „Die Juden in Breslau." „Die Emanzipation der Juden als Staatsbürger, welche das vorige Jahr brachte *), hat bei uns auch in ihren geschäftlichen Beziehungen zu den Christen allerlei Veränderungen hervorgerusen. Es lassen sich Betrachtungen von allgemeinem Interesse daran knüpfen, und deshalb möge Ihr Blatt auch diesem Thema einige Seiten gönnen. Statt der provisorischen Handelskammer ist endlich bei uns die gesetzliche zusammengetreten, in welcher die Juden eine gleichmäßige Vertretung mit den Christen nach Außen erhalten, da sie in dieselbe mit wählen und mit gewählt worden sind **). Außerdem aber sind auch die inneren Verhältnisse der hiesigen kaufmännischen Börsenkorporation umgestaltet worden. Die alte Korporation der an der Börse rezipirten Kaufleute hört auf, und alle Handelsleute, welche den Steuersatz Lil. A zahlen, d. h. Handel mit kaufmännischen Rechten treiben, bilden *) T5as vorige Jahr — aber nur als Erfüllung langjähriger Entwickelung. Red. d. A. A. d. Jud. **) Man vergesse nicht, daß, als früher die Regierung die Juden in Breslau von der Theilnabme am Handelsgerichte ausschließen wollte, die breslauec Kaufmannschaft nicht allein dagegen remonstcirte, sondern das ganze Handelsgericht nicht annahm. Red. d. A. Z. d. Jud.

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