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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-08-06 · Heft 32 (6.8.1849) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 32 (6.8.1849)
Date
1849-08-06
Page
Seite 444 (sequence 4)
Language
German
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444 Zeitensturme, der bald nach seinem Falle über Asien und Europa hereinbrach? Es wäre, an seinen Sitz gefesselt, unterlegen und vergangen. Aber aller Orten, und aller Orten in kleinen Bruchcheiten, blieb es bestehen. So war also gerade der Fall Jerusalems das Mittel der Erhaltung Israels. Aber dies war nur das Aeußerliche. Die Gotteslehre war unterdeß nicht mehr das alleinige Eigenthum Israels geblieben. Durch das Ehristenthum und den Islam war sie hinausgelangt in die ganze Menschheit. Aber nur in Bcuchtheilen, vermischt mit Lehren des Heidenthums, mit Gebilden aus anderen Kreisen. Da that Zwiefaches Noth. Erstens mußten schon diese Bruchtheile der Gotteslehre unter den Menschen ihre lebendigen Zeugen haben; auf sie, die Juden, wies man alle Zeit hin: seht Ihr die geschichtliche Wahrheit der Schrift, Ihr könnt es nicht leugnen, denn die Juden sind ja noch heute da zum Zeugniß. Zweitens aber um die ganze, unverfälschte Gotteslehre zu erhalten und zu wahren, bis daß auch für diese die Menschheit reif geworden. Sollten die Juden dies vollbringen, so mußte Jerusalem fallen, Israel zerstreut werden. Dann mußte aber Israel auch ausgeschlossen, abgesondert, geknechtet in der Menschheit leben, wie einst in Egypten, um nicht auf- und unterzugehen in die Menschenwelt, daß nicht mit ihm die ganze, volle, wahre Gotteslehre verloren gehe in dem, was die Menschheit anderthalb Jahrtausende beherrschte. Darum also mußte Israel zerstreut und ausgeschlossen leben unter den Völkern. Da trat der dritte Wendepunkt ein: die Ausschließung und Absonderung gehet über in die Gleichstellung, die Bedrückung und Knechtschaft in die bürgerliche Freiheit. Für Israel öffnet sich der ganze Strom des Lebens, und Israel geht ein in den ganzen Strom des Lebens. Warum? Weil allerdings die Menschheit heranreist für die ganze und volle Gotteslehre. Wir müffen nur hier die Gotteslehre nicht so äußerlich als bloßes Bekenncniß im Wort fassen: „Höre, Israel, der Ewige ist einig/' Dies ist die Pforte, und durch diese muß man eintreten; aber das Innere ist es noch nicht. Vielmehr die Gotteslehre in all' ihren Konsequenzen, mit all' ihren Folgerungen in ihrer Reinheit, abgeklärt von allen heidnischen Elementen; dann die Gotteslehre mit ihrer Verwirklichung in der Freiheit und Gleichheit im Gesetz und Recht, und, bei der Heiligkeit des Eigenthums, bei der freien Bewegung des Eigenthums, doch mit möglichster Ausgleichung im Besitze, Vermeidung der beiden Gegensätze des großen Elendes und des großen Reichthums. Dies ist der Kern der Religion Israels, und zu diesem reift die Menschheit allmalig, aber immer mehr. Sie beginnt mit dem Bekenntniß und strebt fort in der Verwirklichung. Zuerst verwirft sie alle heidnischen Ueberreste in dem Bekenntniß, und dann nahet sie, wenn auch langsam, wenn auch unter tausendjährigen Kämpfen und Krämpfen der Verwirklichung, Schritt vor Schritt. Und hier das Seinige zu thun, ist Israel berufen noch für eine lange Zukunft. Wenn es abgesondert, ausgeschlossen blieb, so lang' es nur galt, die Gotteslehre vor ihren ganzen und halben Gegnern zu wahren: so muß jetzt Israel hinein, in alle Adern des gesellschaftlichen Lebens muß sich sein Blut ergießen, sein Geist sich bethatigen in allen Prozessen und Operationen der Menschheit, bis daß diese durchdrungen ist von dem, was Mosche schon verkündet, was die Propheten nur noch halb verfolgten — mDKD bamü'O Ti3> araa öp ab — was spatere falsche Propheten verwässerten und zerstückten, was aber dennoch einst ganz und vollständig zur Wahrheit werden soll. Daher die Emanzipation. Nicht um den Juden als Personen zu Stellen und Würden zu verhelfen, nicht um Dem und Jenem unter den Juden ein angenehmes Leben zu verschaffen und seiner Eitelkeit zu fröhnen — sondern damit der große Geist Juda's in allen Theilen und Gliedern der Menschheit wirke und wirke, bis daß jenes große, hohe Ziel erreicht ist, das Ziel der Jahrtausende!... M. Fr.! Haben wir dies erkannt, ja dann ist uns der Fall Jerusalems nicht mehr ein Quell des Weinens Tag und Nacht, aber auch noch nicht ein fröhliches Fest der Freude — aber ewig denkwürdig, ewig bedeutsam, ewig erhaben, als der zweite große Wendepunkt, wie wir jetzt stehen am dritten. Jerusalem siel als Opfer für Israel, unsere Vater fielen als Opfer für uns. Jerusalem mußte fallen, damit Israel bestehen bleibe, unsere Vater, damit wir existirten. Und dann ist dieser Fall Jerusalems ewig denkwürdig, ewig erhaben auch darum, weit er uns ewiges Beispiel, ewiges Muster ist, zu leiden und zu streben für das Heit der Gesammtheit. O, es siel ja um seines Gottes willen, es sank in Trümmer, weil es nicht weichen wollte von seinem Platze, den ihm Gott angewiesen. Nennet nur die anderen großen Städte, die untergingen, sie gingen unter um ihre eigene Sache, Jerusalem um GotteS Sache; nennet die anderen Nationen, die im Kampfe starben, sie thaten's um ihretwillen, Israel um der Menschheit willen. Ja, es ist wahr das Wort des Propheten (Jes. 42, 1. 4.):

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