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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-30 · Heft 31 (30.7.1849) · p. Seite 436

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 31 (30.7.1849)
Date
1849-07-30
Page
Seite 436 (sequence 12)
Language
German
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438 und Umstande vermodert ist, so kann es dennoch mit der Zeit wieder ein schönes, großes und massives Gebäude werden, worin Kinder und Enkel sich behaglicher fühlen, als Viele von uns Ln dem gegenwärtigen. Schon früher schlug ich in dieser Zeitung eine zu erscheinende musikalischeZeitschrift zurVeredetungunsersSynagogengesanges vor, und viele Herren Kollegen gaben mir sowol mündlich als brieflich denselben Wunsch zu erkennen. Zwar wurde mir auch einige Mal die Meinung aufgestellt, daß ein solches Blatt lediglich erst nach der Zusammenkunft einer Synode Bestand habe; diese Meinung kann ich aber schlechterdings nicht theilen, denn für's Erste ist das Bedürfniß, das Verlangen nach liturgischen Verbesserungen hinlänglich erwacht, und ein derartiges Blatt könnte nicht nur Vieles für eine Synode — was Liturgie anlangt — im Stillen unmittelbar anbahnen, sondern es würde, wenn eine Solche wirklich zu Stande gekommen ist, welches gewiß noch manche Schwierigkeiten haben und sich noch eine geraume Zeit hinausschieben wird, sich dann lediglich nach derer Wünschen, Vorschlägen und Beschlüssen fügen, dieselben — natürlich was auf Liturgie Bezug hat — praktisch auszuführen suchen. Zum Andern wird, wie schon früher gesagt, eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift für oben angeführten Zweck — eine ähnliche Ansicht wurde unlängst auch von Herrn Ensel zu Varel in No. 25 d. Z. veröffentlicht — nicht nur leichter und billiger anzuschaffen sein, als jede derartige Sammlung, sondern es bekäme Jeder auch eine größere Auswahl und Sammlung von Gefangen, dadurch, daß Jeder, wer sich dazu berufen und begeistert fühlt, im Stande wäre in einem solchen Blatte sowol Synagogengesänge verschiedener Art, als auch Ansichten, Verfahren, Einrichtungen, Vortheile, Verbesserungen und Erfahrungen auf diesem Gebiete zum Austausch für Andere mitzurheilen. Damit aber der noch bedenkliche Kostenpunkt auch beseitigt wird, so braucht vorerst blos ein Monatsblatt in's Leben zu treten, welches bei starker Subskription und bei Unterstützung von vielen Mitarbeitern spater auch wöchentlich erscheinen könnte. Wie ein solches vorerst zu erscheinende Monatsblatt zur Veredelung unsers Synagogengesanges zu ordnen, und was darin ausgenommen werden soll, das kann in diesen werthen und weit verbreiteren Blättern besprochen werden und nach diesem ein förmliches Projekt entworfen werden. Würden viele Herren Kollegen und sonst für Synagoge begeisterte Männer ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit eines solchen schönen und zeitgemäßen Unternehmens recht bald in der Allg. Ztg. d. Judenthums oder direkt bei mir zu erkennen geben, so erkläre ich mich bereit: die Druckkosten eines solchen Monatsblattes allein zu bestreiten, und — lediglich die Förderung des guten Zweckes, ohne den geringsten Privatvortheil, im Auge habend — den Preis desselben nach Anzahl der Abonnenten so billig wie möglich zu stellen. Gott segne unser Unternehmen! H. Ehrlich. Kultusreform. (Fortsetzung.) Sprache. Die Sprache ist nicht ein beliebiges Gewand, in welches der Gedanke eingehüllt wird; sie ist die im Geiste zugleich miterzeugte Form, in welcher der Gedanke mit seinen Nebenbeziehungen und den ihn begleitenden Empfindungen erscheint. Dennoch ist der Gedanke allgemein und ewig, sein Ausdruck hingegen den Verschiedenheiten der Zeiten und den individuellen Vorstellungen und Gefühlen unterworfen. Darf man daher nicht willkürlich an dem Ausdrucke rütteln, ohne in die Gefahr zu gerathen, daß man das eigenthümliche Gepräge des Gedankens verwische, so muß man jedoch auch, um dem Gedanken seine Lebendigkeit und Frische unter geänderten Umständen zu erhalten, oft seine Darstellung modisiziren,. diese der neuen Auffassung anpassen. Unsere Gebete sind unter den Einflüssen einer morgenländischen Phantasie entstanden, die oft sinnlicher malt, als unser nüchternes Denken es erträgt. Sie sind zu einer Zeit abgefaßt, da die hebräische Sprache ihr Leben fast eingebüßt, bereits nur noch in der Erinnerung lebte, und es ist die Eigenthümlichkeit der Sprache in ihrem Sinken, daß sie die Gränzen zwischen Prosa und Poesie verrückt; nachdem die Einfalt der Sprache verschwunden, der lebendige Born der Sprache versiegt ist, sucht man die Prosa mit einem poetischen Anstriche zu schmücken, ihrem alternden Antlitze durch erborgte Reize den Anschein der Jugendfrische zu geben. Viele unserer Gebete athmen daher keineswegs biblische Einfachheit, sondern sind schwülstig und gerade was aus der Einfalt des Herzens kommt, sollte nicht in flitterndem Prunke austreten. Ich spreche nicht blos von jenen Festgebeten (Piutim), die wirklich Gedichte sein wollen, aber meistens Verrenkungen des Gedankens und der Sprache zugleich sind; sie sind bei uns schon lange verhallt, und was sich noch

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