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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-30 · Heft 31 (30.7.1849) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 31 (30.7.1849)
Date
1849-07-30
Page
Seite 428 (sequence 4)
Language
German
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428 die deutschen Gegenstände, die noch von Manchem „Treifa Poßul" genannt werden, vielWerth legt; ein Theil der Gemeinde ist jedoch zeitgemäßer Bildung nicht abhold. In Conitz, das eine friedliche Gemeinde, aber fast gar keine Ursache hat, sich zu den fortgeschrittenen Gemeinden zu zählen, stirbt der Lehrer vor Hunger, weil noch ein anderer sich dort niedergelassen hat und billiger unterrichtet, damit sie Beide Nichts zu essen haben. Man sollte dies von einer Gemeinde wie C. nicht glauben, aber es ist leider dennoch so! Tu che l hat an Herrn St. einen guten Lehrer, der zugleich Agent einiger Feucrsozietäten ist und dadurch sein Einkommen vergrößert. Der Rabbiner in Tuchel, Herr Horwitz, berühmt durch die Anfrage bei der ersten Rabbinerversammlung, ob man ohne Titel aufrufen darf, ist ein ganz würdiger Mann. In Jastrow bestand durch mehrere Jahre eine gute Schule, die auch von auswärtigen Kindern besucht wurde, die aber jetzt auch eingehen soll. I. hat das eigene Schicksal, einige Jahre hindurch immer gute Lehrer zu haben und dann eine lange Zeit zu feiern. Ueber die Gemeindeverhältnisse daselbst können wir Ihnen nichts Näheres berichten; so viel wissen wir, daß I. mit seinem Rabbiner im steten Streite lebt. Culm, berühmt durch seine Betheiligung an der Reformgenossenschast so wie durch seinen frühern Oberrabbiner, Rabbi Jolowicz, soll in der Person des vr. Wolf einen tüchtigen Prediger gefunden haben, der auch das Schulwesen durch Eiirverständniß mit dem dortigen Lehrer, der erst kurze Zeit da ist, zu heben gedenkt. Marienburg hat keinenLehrer, der dortige Kantor und Schächter, ein honetter Mann, versieht den Religionsunterricht. Stargard ist seinen Rabbiner, Herrn Lichten stein, einen ordentlichen Mann, mit dem es viele Jahre prozessirt und gezankt hat, los, da er nach Schlochau, einer Gemeinde, von der gar Nichts zu sagen ist, gegangen; wir wünschen ihm dort Ruhe und Frieden. Stargard hat eine hübsche Synagoge, die neulich durch Dr. Gebhard aus Gnescn unter Mitwirkung des Kantor Weintraub aus Königsberg eingeweiht wurde, aber die Kanzel steht verwaist da und das Katheder der Schule ist unbesetzt; die Jugend bleibt so ungebildet wie es die Väter sind. Schwetz hat an Herrn Cassel einen guten Prediger, ob ein Lehrer da ist, weiß ich nicht. Vom südwestlichen Theil unserer Provinz, von dem mir spezielle Nachrichten fehlen, kann ich Ihnen Nichts berichten; ich glaube auch, daß es für diesmal schon genug sein wird, um dem Leser eine kleine Vorstellung von den jüdischen Zuständen unserer Gegend zu geben. Emanuel Wahrmann. Hamburg, 19. Juli. (Privatmitth. Hamburgiensia.) Wenn es in der Thal an der Zeit ist, die jüdischen Gemeindezustände aller Orten gründlicher Reform, nicht nach leeren Theorieen und Schwatzereien, sondern zu Dauer und festem Konsolidiren, zu unterwerfen, so muß eine genaue Untersuchung der Gemeindeverhältnisse, namentlich in den großen Gemeinden, vorangehen, um den Status quo und den bisherigen Entwickelungsgang übersehen zu können. Eine solche Rechenschaftsablage des hiesigen Vorsteherkollegiums der deutsch-israelitischen Gemeinde ist soeben gedruckt ausgegeben worden, als „Bericht über die finanziellen Verhältnisse der deutsch-israelitischen Gemeinde in Hamburg". Das 199 Quartseiten umfassende Opus hat viele Arbeit gekostet, ist aber auch ein Bericht von historischem Werth. Wer die Dinge nicht oberflächlich ansieht, und vor Zahlen nicht erschrickt, wird ihn studiren, und daraus viel Belehrung schöpfen. Der Hauptzweck ist, damit sich in der Gemeinde irgend ein Plan für die Zukunft bilde. Noch eristirt .dergleichen nicht, und werdas komplizirte Wesen überblickt, und sieht, um welche hohe Interessen es sich handelt, nicht etwa um Chorgesang und yip'ibna, sondern um die echten alten israelitischen Interessen des Schul- und Armenwesens, um immerfortige, lebendige, aber praktische Ausgleichung für alle Schäden, die aus den gesellschaftlichen Zuständen nothwendig hervorgehen, der wird gestehen, daß dies nichts Kleines ist. Ertheilen wir aber auch vorne weg, neben den Verfassern dieses mühevollen und gründlichen Berichtes, dem Drucker, Herrn I. I. Halberstadt, verdientes Lob, der es verstanden, dieses zahlen- und tabellenreiche Werk höchst korrekt und gefällig auszuführen. Wir können seine Anstalt dringend empfehlen. Die A. Z. d. Jud., welche es sich für die nächste Zukunft zur Aufgabe gemacht hat, der Umgestaltung des Gemeindewesens sowol beobachtend zu folgen, als auch kräftigst förderlich zu sein, wird gern aus diesem Berichte einiges Nähere mittheilen.

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