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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-30 · Heft 31 (30.7.1849) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 31 (30.7.1849)
Date
1849-07-30
Page
Seite 427 (sequence 3)
Language
German
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427 hiermit einige Notizen für dasselbe zukommen lasse. Im Ganzen sieht's hier zu Lande mit den jüdischen Verhältnissen noch traurig aus, obwol es nicht zu leugnen, daß schon hie und da Schritte zum Bessern geschehen sind. Namentlich ist's das Schulwesen, mit dem es, gerade.weil unsere Gemeinden in der Regel nicht klein, hätte besser bestellt sein können, aber dem ist nicht also. Im ganzen marienwerderschcn Departement sind nur zwei öffentliche jüdische Schulen, eine in M. Friedland (über die in No. 28 berichtet) und eine in D. Crone, an der drei Lehrer wirken, worunter ein vr. Ephraimsohn. Wie man hört soll man damit umgehen, die Schule, weil sie nicht genug leistet, aufzulösen, was sich von D. Crone, das keinen Rabbiner und alle Jahre einen andern Chasan hat, auch erwarten läßt. Bon den Privatschulcn unsers Bezirks verdient vor Allem die zu Marienwerder (unter Leitung des Herrn Rosenthal, eines tüchtigen Schulmannes), über deren Leistungen .schon einmal in No. 17. 1847 berichtet, erwähnt zu werden. Bor einiger Zeit, irren wir nicht war's im Monat April, fand wieder eine öffentliche Prüfung statt, die glänzend aussiel und dem Herrn R. den Dank aller Anwesenden, worunter die tüchtigsten Schulmänner M.s, erwarb. Der Herr Regierungs- und Schulrath Dr. Grolp wünschte den Eltern Glück einen solchen Lehrer zu besitzen (derGymnasialbirektor Herr vr. Lehmann erklärte, daß er gern die Schüler des Herrn R. in das Gymnasium aufnehme) und dem Lehrer unter Versicherung seines besondern Wohlwollens, fernere Ausdauer und Segen in seinem guten Streben, worin wir von Herzen einftimmen. Es ist eine solche öffentliche Anerkennung allerdings ermunternd, namentlich wenn sie von so hochgestellten Männern ausgeht, und solche Momente verrauschen zwar nie ganz, aber die Stellung des jüdischen Lehrers ist noch immer eine gar zu prekäre, weil die Behörden für ihn Nichts thun und Nichts thun können. Jndeß muß man's der Gemeinde zu M. nachsagen, daß sie das Gute anzuerkennen weiß und auch ihr Gemeindewesen rc. in bester Ordnung erhält. Nur eins bedauern wir, daß M. seinen frühern Kantor, Herrn Bach, einen braven, charaktervollen Mann, der jetzt in Eylau fungiren soll, verloren und sich dafür ein Individuum eingetauscht, daß in dem festen Glauben zu leben scheint, ein Chasan müsse ein Schaute sein; doch dies Vergnügen würden wir dem Herrn Prag oder Prager, wie der gute Mann heißen soll, gern gönnen, wenn er nicht dabei höchst anmaßend und ehrgeizig wäre. Herr Pr., der vielleicht in seiner Jugend einmal ein wenig Mischnajot, den Sebach Schemuel, den Ohel Jizchak und andere dergleichen Riesenwerke studirt, unterschreibt sich auf jedem Wisch: „Vizerabbiner". Wir haben gar Nichts dagegen, hochehrwürdiger Herr Vizerabbiner, aber wir fragen Sie allen Ernstes, wie verträgt es sich mit einem Vizerabbiner, daß er fort und fort bemüht ist die Wirksamkeit des Herrn R. zu verdächtigen und durch Errichtung einer Schule*) hemmen zu wollen? Wissen Sie es nicht, hochehrwürdiger Herr Vizerabbin er, daß die Tora sagt, und das rufe ich Ihnen mit der Donnerstimme des Propheten zu inr>-> Vna a'Da “Win. Die Behörden müssen allen Respekt vor Ihrer Vizerabbinerschaft bekommen, wenn sie Ihre Schreibereien lesen. Von Ihnen gilt, was Jemand bei einer andern Gelegenheit bemerkt und als „großer Hebräer", als „Lamdan" werden Sie's doch wol übersetzen können: qbo-n v'nps rw -ii.v aman *o Nehmen Sie dies nicht für ungut, Herr Vizerabbiner und (unter uns gesagt!!) schmuggeln Sie sich nur ja nicht in die Schule ein, denn da paßt der Dünkel am Allerwenigsten; die Jugend macht sich zuerst über den „Zopf" lustig und dann ist's mit der Schulmeisterwürde aus. Doch entschuldigen Sie, Herr Redakteur, diese Bemerkungen; so gern wir alles Persönliche bei Seite gelassen, so muß auch einmal eine Rüge Platz finden; und nun blicken wir auf andere Gemeinden. Elbing hat seit Jahren einen Prediger, Herrn vr. Sommerfeld, keine Lehrer und von Zeit zu Zeit Streitigkeiten. Der Jndifferentismus blüht. Graudenz glaubt genuggethan zu haben, wenn es eine schöne Synagoge hat, die auf eine pomphafte Weise eingeweiht wurde, und wenn es die Vakanz seiner Prediger- und Lehrerstelle annoncirt. Mit dem Schulamt ist in Graudenz der Schächter betraut, der die Kinder, nach alter lieber Weise, in der Religion et Zubehör abrichtet. In Zempelburg geht's sehr bunt her; der Rabbiner bekommt kein Gehalt und wehe dem Lehrer, der auf *) Uebrigens begreife ich nicht, wie die Behörde dies gestatten kann, wenn die Rosenthalsche Schule für das Bedürfniß ausreicht.

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