Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1849)
- Date
- 1849-07-30
- Page
- Seite 426 (sequence 2)
- Language
- German
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42« Die Thrane selbst ward uns Verbrechen, Es blieb die Klage ungesprochen: Die Harfen waren Längst zerbrochen. Da ließ der Herr den Ruf ertönen Zur Freiheit — Durch alle Lande ging das Dröhnen — Laßt wieder Harfen uns besaiten. Des Tempels Bau uns vorbereiten! Des Tempels Bau, doch nicht auf Hügeln Des Landes — Wie wir geweint an alten Bachen, An allen Wellen, die sich brechen. Muß er in jedem Strom sich spiegeln. Hoch ragt des dritten Tempels Zinne: Der Himmel — Sein Fundament die ganze Erde, Daß niemals er zertrümmert werde, Daß nie Verbannter Zähre rinne! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Posen, 14. Juli. Nach der Pos. Zeit, werden die „Sonntagsblätter", die von, gegen die Juden gerichteten schmähenden und geradezu aufhetzenden Artikeln wimmeln, unentgeltlich unter die Soldaten ausgetheilt. Soll so Ruhe, Ordnung und Gesetzlichkeit im Lande hergestellt und gefördert werden? Es wäre zu wünschen, daß sich unter den Juden in Berlin ein Verein bilde, der es sich zum Zwecke mache, die „N. Preuß. Zeit." und ihre „Sonntagsblatter" gerichtlich zu verfolgen, da auch nach dem neuen Preßgesetze die Aufhetzung zu Haß und Verachtung gegen eine Religionsgenossenschaft schwerer Strafe unterliegt. Ein wenig mehr Thun, und ein wenig weniger Schwatzen wäre an der Zeit. Berlin, 23. Juli. (Privatmitth.) Es ist völlig der Wahrheit zuwiderlausend, wenn man den jetzigen Zustand vieler Gemeinden, insonders in Preußen, dem jüngst verflossenen Jahre zuschrciben wollte. Vielmehr datirt sich die Auflösung schon seit langer Zeit, seit der Zeit, wo eine große Gemeinde der Komplex der verschiedenartigsten Ansichten und Bildungsstufen geworden ist. Die Auflösung ist Folge innerer Zerrissenheit, nie von äußeren Anstößen allein abhängig. Man sehe doch nur auf Breslau, Königsberg u. s. w. in früheren Jahren. Aber auch hier haben die meisten Reformer schon seit mehren Jahren die Beiträge verweigert, wenn nicht der Genossenschaft Zuschüsse aus der Gemeindekasse gewährt würden. Bei solcher Beschaffenheit ist es wahrlich nur zuträglich, daß die Dinge einmal zum Ausbruch kommen, um aus der Schwebe herauszukommen. Und was wird es am Ende schaden, wenn statt einer ungeheuer großen, ungeordneten und zerrissenen Gemeinde mehrere kleinere, doch noch immer genug große, darum aber einige und in sich geordnete und konzentrirte Gemeinden an einem Orte bestehen, so wie es in großen Gemeinden zu aller Zeit mehre Chebrot zu einem und demselben Zwecke gegeben hat? Unsere Zeit kommt immer mehr zu der Ueberzeugung, besser ist ein kleiner Verein voller Lebenskraft und Energie, als ein großer, schlaffer, vegetirender. Sollte irgend eine große Schöpfung in der Zukunft einmal intendirt werden, so wird trotz dem Bestände mehrerer Gemeinden nebeneinander jeder Freund der Sache zusteuern. Fragen wir, was hat denn diese große Gemeinde Berlin seit vielen Jahren geleistet? Nichts, was ihr nicht aus alter Zeit überkomme.n war, und daher in seiner Gestalt sich überlebt hatte. Versuchte man ja Etwas zu regeniren — ich erinnere an das Seminar — so mißlang es. Ergo: ist die jetzige Entwickelung eine günstige, und die Schäden müssen nicht wieder verklebt und vertuscht, sondern einmal gründlich geheilt werden. — Wie es vorauszusehen war, hat sich ein großer Theil der hiesigen Juden an den Wahlen betheiligt, ein anderer großer Theil nicht. So begegnen wir auch vielen Juden als Wahlmännern in der Liste. Es ist also Nichts mit jener Frechheit, mit welcher die Absolutisten die Juden in einen großen politischen Topf zu werfen suchen. Aus Westpreußen, im Juli. (Privatmitth.) Seit längerer Zeit, namentlich seitdem Ihr westpreußischer Korrespondent unsere Provinz verlassen, war in Ihrem weit verbreiteten Blatte wenig oder gar Nichts aus unserer Gegend zu lesen, so daß es Ihnen wol nicht unwillkommen sein wird, wenn ich Ihnen