Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1849)
- Date
- 1849-07-23
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jämmerliche Wahlintrgucn näher zu enthüllen, cs würde uns sehr freuen, diese Enthüllungen kennen zu lernen. Um zu erfahren, wie es von jener Seite schon vor vielen Monaten, selbst Jahren angefangen worden ist, sich Majoritäten zu verschaffen, braucht man nur die Liste der Gemeindemitgliedcr durchzulesen, von denen Viele aus reiner Großmuth die unbedeutendsten Beiträge zahlen, aber am Bedeutendsten wählen. Jndeß mundus vult decipi, ergo decipiatur! Wer war es, der den ehrlichen alten Strenggläubigen ihren Tempel, der über ein Jahrhundert immer schon und der Schönste war, verunstaltete? Wer war es, der das ehrliche und friedliebende Rabbinat mit so vielen Reformvorschlägcn, als: Abbringen vieler jüdischen Gebete und Einfuhren deutscher Gebete und Gesänge immer in Verlegenheit zu bringen suchte? Wer war cs, statt Frieden der Gemeinde zu predigen, hauptsächlich wenn man sich nicht wollte, eine einzig und allein selig machende Kirche, im Judenthum cinmodeln lassen, die gräßlichsten und aufregendsten Schmähpredigten sich erlaubte, und so den größten Unfrieden und arge Streitigkeiten hervorries? Wer war es, der nicht anders als in der Synagoge predigen konnte, um zu bewerkstelligen, daß die theatralischen Trauungen nur in selbiger stattfinden, um dem Rabbinat immer mehr Verlegenheiten zu bereiten und indem das Rabbinat darin nachgab und einwilligte, der Inkonsequenz beschuldigte und wie es später für Manchen zu kostspielig, für Manchen zu lächerlich erschien, -es wieder nachblieb? Wer war so inkonsequent im Englischen Hause eine Traupredigt zu halten? Wir könnten noch viele Fragen vorlegen, doch ein guter Schütze verschießt seine Munition nicht mit einem Male und erwarten wir von dem oben genannten Einsender eine Entgegnung, der wir stets die Spitze bieten werden." A. —. Was uns betrifft, so glauben wir, daß wir erst am Anfänge stehen, und daß noch Manches sich anders gestalten wird, als die jetzige Majorität den Anschein giebt. Allerdings war es doch nur ein S ch a ukelsystem, welches der berliner Vorstand bis jetzt befolgte; aber unsere Zeit läßt auf die Länge nicht mehr dabei verharren. Endlich muß man doch aus den Phrasen heraus, und sagen, was man eigentlich wolle. —. Dr. Veit, der als Stadtverordneter durchgefallen, ist, wenn auch mit kleiner Majorität zum unbesoldeten Stadtrath erwählt worden. Brkeg, im Juni. (Privatmitth.) Die günstige Veränderung in hiesiger israelitischer Gemeinde, zumal unter den jetzigen, ungünstigen Zeitverhältnissen verdient wol der öffentlichen Erwähnung. Diese günstige Veränderung verdanken wir hauptsächlich der Energie des am 1. Januar c. sehr glücklich gewählten, außerordentlich thätigen Vorstandes, bestehend aus dem Präses, dem bei Juden und Christen allgemein geachteten und geschätzten Arzte, Herr Dr. Ehrlich, den Herren M. Böhm und H. Pollack, Synagogenvorsteher, dem Herrn L. Eckersdorff, Vorsteher der 'p 'n, dem Herrn H. Friedländer, Rendant, den Herren Dr. Galewsky und I. Wohl, Assessoren. Dieses Vorstandskollegium ging stufenmäßig dem schönen Ziele entgegen. Zuerst veranlaßten diese Herren die Umgestaltung unsers Gotteshauses, welches jetzt durch seine Einfachheit und Freundlichkeit bekundet, daß cs ein nbsri rpa sei. Dann führten sie das aus, was seit einem Jahrzehend der fromme Wunsch der Gemeinde war, sie gaben ihr in der Person des Herrn Rabbiner Dr. Julius Landsberger einen Seelsorger. Diese Wahl ist eine glückliche zu nennen, da wir in Herrn Dr. L. einen jungen, wiffenschastlich gebildeten Mann besitzen, welcher durch seine gediegenen Predigten alle Zuhörer, so oft er spricht, erbaut und befriedigt. Schon als Kandidat erfreute uns derselbe während seiner Anwesenheit in Breslau, namentlich an Festtagen, durch seine Gastpredigten, und so kam es denn, daß die Zustimmung der ganzen Gemeinde erfolgte, als der Vorstand in einer Generalversammlung Herrn Dr. L. als unfern Seelsorger proponirte. Ein Mann, der den Ansprüchen der kasseler Gemeinde genügte; ja sogar einen Ruf nach Charleston in Amerika mit einem bedeutenden Gehalte erhielt, diesem aber aus Liebe zu seinen ergrauten Eltern und zu seinen Landsleuten nicht folgte, ein solcher Mann mußte, sobald er geneigt dazu war, die hiesige Stelle bekommen. So ist auch Herr Dr. L. seit seinem Amtsantritte bemüht, ohne den Ansichten der einzelnen Glieder der Gemeinde zu nahe zu treten, diejenigen Reformen nach und nach einzusühren, welche die Gegenwart fordert, wir erwähnen nur z. B. die Todtenfcier, mnias msm, am zweiten Schebuotfeste, welche alle Anwesenden, worunter viele Christen waren, erbaute. Ebenso feierlich sind die Trauungen, welche jetzt in der Synagoge stattsinden. — Nicht nur als Seelsorger für die Er-