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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-23 · Heft 30 (23.7.1849) · p. Seite 410

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 30 (23.7.1849)
Date
1849-07-23
Page
Seite 410 (sequence 2)
Language
German
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410 und unveränderlich? Nein; da die Gedanken der Menschen nach der Verschiedenheit ihrer Bildungsstufe, ihrer Kenntnisse u. s. w. verschieden und veränderlich sind und die Gedanken der Menschen maßgebend für das Kriterium der Wahrheit sind, so ist die Wahrheit verschieden und veränderlich." (S. 41. 42.) O, die Sophisterei! Wir wollen nicht einmal auf die Widersprüche eingehen, daß zuerst die Wahrheit die Uebereinstimmung des Gedankens mit dem gedachten Gegenstände, dann wieder der veränderliche Gedanke Kriterium dex Wahrheit, und also die Wahrheit veränderlich sein soll, wahrend gerade im Gegentheil, wenn die Wahrheit die Uebereinstimmung des Gedankens mit dem gedachten Gegenstände ist, diese Wahrheit nur eine und dieselbe sein kann, und sich nicht mit dem Gedanken, sondern allein mit dem gedachten Gegenstände verändert — nehmen wir die Sache, wie sie uns gegeben wird, so sollen alle, den Menschen erfüllenden und leitenden Ueberzeugungen verdrängt und ersetzt werden von der Liebe zu einem — Nichts, nämlich zu einer ewig verschiedenen und veränderlichen, s. g. Wahrheit, die eben Nichts ist, weit sie nur der immerfort sich verändernde Gedanke des Individuums ist?... Ferner: „was ist Schönheit? Die Uebereinstimmung des menschlichen Geistes mit der Natur. Der Geist des Menschen macht den Inhalt, die Natur die Form des Schönen aus." (S. 43.) Auch hier Unzulänglichkeit der Erklärung. Denn erstens: der Geist des Menschen kann sich Unschönes denken, und die Natur giebt ihm die Form dazu. Ich denke mir z. B. einen von einem Raubthier zerrissenen Leichnam, die Natur giebt mir die Form dazu; sie stimmen also überein, und es ist doch unschön. Zweitens: auch hier die Auflösung alles Objektiven in das Meer der Individualität, denn es kommt dann immer darauf an, was mein Geist sich denkt. . . . Endlich: „worin besteht das Gute? In der Uebereinstimmung des einzelnen Menschen mit der ganzen Menschheit. Man nennt denjenigen Menschen gut, welcher das freie, harmonische Zusammenleben aller Menschen fördert; im gegentheiligen Falle ist er schlecht." (S. 45.) Der „Katechismus für freie Gemeinden" hat Recht, daß er sagt: „man nennt", denn die Erklärung giebt eben Nichts, als ein „man". Wie? giebt es nicht Menschen, die das Allgemeine in der Menschheit sehr gefördert haben, und dabei grundschlechte Menschen waren? Giebt es kein Verhältniß des Menschen zu sich selbst, wonach er sehr schlecht sein kann, ohne darum „das freie, harmonische Zusammenleben der Menschen" zu stören und anzutasten? Wie weit ist der Weg bei jeder Handlung des Menschen gegen andere Individuen zu dem „freien, harmonischen Zusammenleben aller Menschen," um daraus herzuleiten, was er zu thun habe, um gut zu handeln? Und ist es denn blos die äußere That, sind Motiv, Absicht, Gesinnung nicht entscheidend über den sittlichen Werth einer That, wahrend Förderung oder Störung „des freien, harmonischen Zusammenlebens" doch nur durch die That berührt werden? Also das ist die Botschaft des modernen Heidenthums an die Menschheit, dies das Heil, das es verkündet! Eine Wahrheit und eine Schönheit, die Nichts sind, als die ewig veränderlichen Gedanken der Individuen, ein Gutes, das in einer seichten Aeußeclichkeit liegt — diese sollen eine Ueberzeugung sein, diese Leiter der Menschen sein in guten und bösen Tagen, diese Stab und Leuchte in den Zeiten des Sturms wie des Friedens, an diesen soll der Geist erstarken, das Herz sich erwärmen und begeistern, diese sollen Gebeugte aufrichten, Aufrechte vor dem Falle schützen.. . . Fürwahr, wenn diese Männer als das Ziel der Wahrheit: „die Erforschung der menschlichen Natur und Persönlichkeit" aufstellen, so haben sie noch einen weiten Weg zurückzulegen, fle stehen noch in den Kinderschuhen. Und auf diesem Grunde stehend, und mit solchen Gaben kommend, schwingen diese Männer die Geißel, gießen sie einen Strom des Spottes aus über die Verirrungen des religiösen Wesens in der Menschheit, überall aber diese Verirrungen für die Religion selbst ausgebend. Darin zeigt sich die Boshaftigkeit und die Verblendung derselben. Ich gestehe selbst dem, der nichts Besseres zu geben weiß, das Recht zu, gegen Jrrthum und Entartung zu Felde zu ziehen. Ja, ich erkenne ihm sogar eine Krone zu, wenn er Nichts vollbringt, als der Heuchelei, dem Aberglauben, der Herrschsucht die Larve abzuziehen, und den Götzen zu zerschlagen. Wenn er aber wissentlich und absichtlich an einem großen und bedeutungsvollen Gegenstände, an einer hochherrlichen Erscheinung nur die Auswüchse der Zeiten hecvorzieht, nur die schädlichen Wirkungen dieser Auswüchse beleuchtet, und dann vorgiebt, den Gegenstand, die Erscheinung selbst zu haben, zu bekämpfen, zu vernichten: so hat er das Blendwerk der Lüge getrieben, so hat er Verrath gesponnen. Die aber wollen die Menschheit zum Bessern führen, welche sich selbst lügenhafter und verrätherischer Handlungsweise nicht enthalten? Wir haben bewiesen,

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