Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1849)
- Date
- 1849-07-16
- Page
- Seite 406 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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m auch endlich die Kirche unsererseits darauf wird denken müssen, wie sie Alles, was daS Gewissen belästigen und drücken kann, von der Ihrigen absondern, welches endlich die Menschen Ln Ansehung der wesentlichen Religionspunkte vereinigen muß; denn alle das Gewissen beängstigende Religionssatze, kommen uns von der Geschichte, wenn man den Glauben an deren Wahrheit zur Bedingung der Seligkeit macht." Schließlich bemerke ich noch, daß daß das von mir Ln meiner „Geschichte der Juden in Kurland" in der Allg. Ztg. d. Jud. 1847 No. 17 erwähnte Buch rwnr des R. Daniel b. Chajin Klef außer Hamburg auch noch zu Prag 1782 und zu Amsterdam 1794 in 4. gedruckt ist, und daß ein Sohn des Verfassers, laut einer mir soeben von Herrn W. Wolffsohn in Mitau gemachten Mittheilung, als russ. kaiserl. Staatsrath und Doktor der Medizin erst vor wenigen Monaten zu Orel in Rußland kinderlos verstorben sei, und ein ungeheures Vermögen in liegenden Gründen sowol, als an baarem Gelde hinterlassen habe. Demnach wird also jetzt den zu Hasenpoth noch lebenden Deszendenten des Verfassers der gedachten iTTW plötzlich ein i-ntt nebst einem Kapitale von beinahe 300,000 R. S. M. als Erbtheil zufallen. — R. I. Wunderbar. Belletristisches. Sara Grinberg. Nach dem Französischen des Jean Czyoski. (Aus den Arch. israel. de Fr.) Die Menge drängte sich am Eingang des Theaters in Warschau. Die Karossen brachten Adlige, Reiche, Oberofsiziere, hohe Beamte unaufhörlich herbei. Die weniger bemittelten Bürger und die Arbeiter kamen zu Fuß. Heute gaben sich alle Klassen der Gesellschaft ein Stelldichein zur Darstellung eines höchst beliebten Stückes. Hier und da bemerkte man selbst Juden mit ihren breitrandigen Hüten und ihren schwarzen, gelockten Haaren, die ihnen wie lange Pfropfenzieher auf die Backen sielen. Was für ein Meisterstück zog also die Bewohner aller Winket der Hauptstadt herbei? Wollte man die erhabenen Eingebungen Schillers oder Shakespeares bewundern? oder die besten Schöpfungen Victor Hugo's oder Dumas'? Fehl geschossen. Man führte ein Stück ohne Geist, ohne Geschmack, ohne Verdienst auf, eine Nachahmung des Deutschen, betitelt: „Unser Verkehr." Ein obskurer Skribent hatte in einen Haufen die Beschimpfungen, welche man gewöhnlich an die Juden richtet, gesammelt, ließ auf der Bühne einige Personen nachäffen, die sich ausgezeichnet sei es durch ihr Vermögen, sei es durch ihre glücklichen Erfolge, fädelte einige Szenen zusammen, eine an die andere, ohne Zusammenhang, ohne Jntrigue, und komponirte so ein Stück, dessen Kosten der Haß und die Vorurtheile trugen, und das ein tolles Glück in der Leopoldsstadt wie in Warschau machte. Es genügte, auf die Bekanntmachungen „Unser Verkehr" zu setzen, um den Saat zu füllen, so daß Tausende keinen Platz mehr finden konnten. Es war die dritte Vorstellung. Unter den Neugierigen, die diesen Abend angezogen worden, konnte man eine schöne Jüdin bemerken, bescheiden gekleidet, gestützt auf den Arm eines jüdischen Jünglings. Die Toilette des Mädchens entfernte sich ein Wenig von dem gewöhnlichen Kostüm der polnischen Jüdinnen. Die Form ihres Kleides, ihr Haarschmuck verriethen eine Person, der die christlichen Moden nicht fremd waren. Was ihren jungen Gefährten betraf, so war dies ein treuer, nationaler Typus eines polnischen Juden. Sein breiter Hur konnte als Regenschirm dienen, seine gelockten Haare bedeckten ihm die'Hälfte des Gesichtes; Nichts fehlte seinem Kostüm, nicht der schwarze Kaftan, noch die kurze Hofe, noch die grauen Strümpfe, die bei ihrem Ursprung weiß gewesen sein sollten. Dies waren Sara Grinberg und ihre Vetter Moschele. Alle Beide gestoßen, gedrängt, hätten schon gern dem Schauspiel entsagt, waren gern nach Hause zurückgekehrt, aber es war zu spat. Die dichte Masse ward immer größer und trieb sie wider Willen vorwärts. Nur ihre Nachbaren vergnügten sich aus Kosten des Gefährten der schönen Jüdin. „Hast Du Hunger? willst Du ein Stück Schinken? Wie Vielen hast Du heute schon über's Ohr gehauen?" und tausend andere Spaße der Art gelangten zum Ohre des armen Juden. Der Eine trieb ihn vorwärts, der Andere stieß ihn rückwärts. Moschele schwitzte Blut und Wasser, aber verlor die Haltung nicht, empfing die Stöße mit Resignation, deckte nur so gut er konnte das junge Mädchen; und endlich nach einer Stunde von Qualen, nachdem er das Fegefeuer bestanden, gelangte er mit