Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1849)
- Date
- 1849-07-16
- Page
- Seite 405 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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405 unbemittelten, sonst aber arbeitsamen Israeliten Etwas zu verdienen geben konnte. — Ferner sind unter den edlen Männern nichtisraelirischer Konfession, welche wegen ihrer hochherzigen und humanen Gesinnungen, die bürgerlichen Rechte der zur Zeit mehr geduldeten als rechtskräftig anerkannten Israeliten Ln Kurland zu fördern und nach Möglichkeit begründen zu helfen, sich eine ewig dankbare Erinnerung in dem Herzen der hiesigen Israeliten erworben haben, vorzüglich zu bezeichnen: XVII. Se. Excellenz, General - Lieutenant v. Driesen, ehemaliger Chef der Civilverwaltung von Kurland; XVIII. Se.Exzellenz der russ. kaiserl. wirkliche Staatsrath und Ritter, kurländischer Vize-Gouverneur v. Bcießkorn, und XIX. Se. Hochwohlgeboren der Herr Bürgermeister zu Mitau, C. Ezel; indem diese Edlen sich sammttich bestrebt haben, die Verdienste der hiesigen Jsraelitengemein.de um den Staat, und die Motive, wodurch dieselbe als treue Unterthanen und nützliche Bürger einer Gleichstellung mit ihren christlichen Brüdern gewürdigt werden dürften, der Wahrheit gemäß vor die allerhöchste Stelle zu bringen, welche Vorstellung die gesegneten Folgen hatte, daß sie allerhöchst wirklich anerkannt wurde, und die dasigen Israeliten seit dieser Zeit nicht mehr wie früher konzessionict blieben, sondern sich fast derselben Rechte wie ihre christlichen Mitbürger hier zu erfreuen haben; und die von Zeit zu Zeit erscheinenden Verordnungen von Seiten der hohen Regierung, beweisen hinlänglich, daß dieselbe keineswegs die Absicht hege, irgend welche Rechte der hiesigen Israeliten zu schmälern, sondern vielmehr mit väterlicher Fürsorge darauf bedacht sei, dieselben nach und nach zur vollständigen Emanzipation zu führen. So ist z. B. jetzt den hiesigen Israeliten sogar gestattet worden, sich in Krons- und Privatländereien in Kurland mit vielem Vortheile anzusiedeln, was ihnen früher nur in den weit entfernten unbewohnten Strecken Sibiriens und Südrußlands erlaubt gewesen war, und beeilen sich auch gegenwärtig bereits viele Individuen von dieser hohen Gnade freudig Gebrauch zu machen. Ebenso kann die allerhöchste Verordnung, welche die Kahate im Reiche ausgehoben hat, nur als eine weise Maßregel zur Vorbereitung der völligen Emanzipation der Israeliten betrachtet werden. Auch hier in Kurland sind, der gedachten Verordnung gemäß, bereits die Kahate aufgehoben worden; dagegen hat die israelitische Gemeinde in Beziehung auf ihre Kultusangelegenheiten Nichts im Mindesten verloren; denn an Stelle des ehemaligen, isolirten, vom Staate bis hierzu überhaupt keineswegs als kompetente Behörde anerkannten Kahalsamtes, sitzen gegenwärtig wie überall an den Orten im Reiche, wo den Israeliten bleibender Aufenthalt gestattet ist, so auch hier km Stadtmagistrate einige Individuen jüdischer Nation, die als Gemeindedeputkrte daselbst ihre Kultusangelegenheitm nach wie vor rechtskräftig vertreten. — Wegen der damit verbundenen literarhistorischen Notiz, mag hier auch die hiesige, als gelehrte Schriftstellerin bekannte Frau Kammerherrin von derRecke, geb. Gräfin von Medem erwähnt werden, welche in Folge ihrer Aeußerung in Bezug auf das Judenthum, so wie in Folge der vom Hofpredigec zu Berlin, Fr. Theremim, im Jahre 1820 erschienenen Uebersetzung der hebräischen Gesänge des Lord Byron, — den Herrn Stadtrath David Friedländer zur Herausgabe einer Schrift veranlaßte, die im Jahre 1820 zu Berlin in Kommission der Nikolai'schen Buchhandlung unter dem Titel „Beitrag zur Geschichte der Verfolgung der Juden im 19. Jahrhundert durch Schriftsteller. Ein Sendschreiben an die Frau Kammerherrin von der Recke, geb. Gräfin von Medem, von David Fried länder" erschienen ist. — Den Lesern dieses Blattes wird es hoffentlich angenehm sein, wenn ich bei dieser Gelegenheit auch zugleich ein dem gedachten Werkchen beigefügtes interessantes Fragment eines Briefes von Kant an Moses Mendelssohn vom 16. August 1783 hier mittheile. Es lautet wie folgt: Fragment u. s. w. „Herr Friedländer*) wird Ihnen sagen, mit welcher Bewunderung der Scharfsinnigkeit, Freiheit und Klarheit ich Ihren „Jerusalem" gelesen habe. Ich halte dieses Buch für die Verkündigung einer großen, obzwar langsam bevorstehenden und fortrückenden Reform, die nicht allein ihre Nation, sondern auch andere treffen wird. Sie haben Ihre Religion mit einem solchen Grade von Gewissensfreiheit zu vereinigen gewußt, die man ihr gar nicht zugetraut hätte, und dergleichen sich keine andere rühmen kann. Sie haben zugleich die Nothwendigkeit einer unbeschrankten Gewissensfreiheit zu jeder Religion so gründlich und so hell vorgetragen, daß *) Derselbe war damals auf einer Geschäftsreise in seiner Vaterstadt.