Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1849)
- Date
- 1849-07-16
- Page
- Seite 401 (sequence 9)
- Language
- German
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401 der historische Werth der Worte: „Bei dem wahren Glauben eines Christen", jetzt bekannt ist, so würde sich wol selbst das zarteste Gewissen in England nicht verletzt fühlen. (Freilich käme man hier durch ein Hinterpförtchen herein, nachdem man durch die Hauptpforte hinausgeworfen worden! Allein in England, wo Alles auf Formen beruht, ist man froh, wenn man nur eine alte Form hat, mit der man eine andere alte Form umgehen kann, ohne sie geradezu aufzuheben. Der Engländer, hat er dann einen solchen s. g. Präzedenzfall, weiß dann wenigstens sein politisches Gewissen gedeckt. Indeß hieße es im Grunde doch Nichts anders als eine Anerkennung des Rechts der Juden, trotz der Verneinung des Oberhauses.) —. Dr. Adler hielt neulichst eine sehr beredte Predigt über die Gründung eines Instituts für Bildung jüdischer Lehrer. Allein auch in England, wo doch ein Jude genügte, um der londoner Universität hinlängliche Fonds zu gewähren, kann man das Geld zu einer so unentbehrlichen Anstalt nicht finden. —. Wir geben hier Mehreres aus einem Artikel der ArcK. isr. de Fr. über die Missionsgesellschaft in London, den die Arch. nach dem Jewish Chronicle brachten. Das Jew. Chron. widmete drei Artikel vom 1., 8. und 15. Juni der öffentlichen Sitzung der englischen Bekehrer in Exeter-Hall. Diese Artikel, unter der Herrschaft eines gerechten Unwillens geschrieben, führen den bezeichnenden Titel „Mummenschanz der Bekehrungsgesellschaft in Exeter-Hall". In der That ist die Sitzung ein Mummenschanz, aber ein sehr trauriger für die Ehre Großbritaniens gewesen. Wenn im Schooße einer Gesellschaft, die mit allen Errungenschaften der Zivilisation bereichert ist, im Angesicht eines Landes, wo alle Religionen, alle Meinungen einer gleichen Freiheit genießen, so lange sie die öffentliche Ordnung nicht stören, Männer, bekleidet mit ehrwürdigem Amte, sich laut rühmen, die Gewissen beunruhigt, Zwietracht und Uneinigkeit in das Innere der Familien gebracht zu haben, und Hände finden, die sie beklatschen, Stimmen, um ihnen Glück zu wünschen, Börsen, bereit sich zu öffnen, um sie in dieser unwürdigen und schuldigen Industrie zu ermuthigen, das ist wahrlich! ein sonderbarer Anblick! Unsere Leser mögen nach einigen Auszügen urtheilen. Ein Herr H. C. Reichardt sagte: Seit meinem Eintritt in die Mission habe ich das Glück gehabt die Wahrheit des Evangeliums 15« Israeliten beiderlei Geschlechts und aus verschiedenen Ländern zu verkündigen, sei es in ihren eigenen Wohnungen, sei es in London, sei es bei mir, und ich wage es zu sagen, in mehreren Fällen nicht ohne Wirkung *). Ich habe den größten Theil meiner Zeit angewendet, um Israeliten in ihrer Wohnung zu besuchen**). Ich habe 262 Visiten gemacht in Familien und bei Individuen, und während derselben Zeit sind Israeliten 180 Mal zu mir gekommen***). Diese Besuche waren mit sehr interessanten Gesprächen über religiöse Gegenstände ausgefüllt st). Ein Herr Skolkowiski, ein jüdischer Apostat, hat die Versammlung durch folgenden Bericht erbaut: Vom 17. Juni 1848 an, seitdem ich mein Amt ausübe, habe ich 447 Visiten in 47 israelitischen Familien gemacht, ohne 14 Individuen zu rechnen. Während dieser Zeit habe ich 601 Visiten von 45 Israeliten bei mir empfangen, und habe mich mit 195 anderen in verschiedenen Quartieren Londons unterhalten. So habe ich 249 das Wort des ewigen Gottes verkündet, und in Einigen wenigstens trug der ausgcstreute Samen Früchte ff). Endlich ein Herr Alvarcz, portugiesischer Jude, Apostat, erzählte, daß er 152 Familien besucht, 800 Visiten gemacht, 250 Visiten empfangen, mit ungefähr 250 auf der Straße geplaudert, und 24 Kindern Unterricht ertheilt hatststst). Die Einnahmen der Gesellschaft im vergangenen Jahre betrugen — staunt! *) Diese Bescheidenheit der unbescheidenen Missionäre zeugt für wenig Wirkung, von der wir auch wirklich Nichts erfahren. Red. d. A. Z. d. Jud. **) Wie oft ist aber der Herr hinausgeworfen worden? Das sagt er nicht, und doch wissen wir von dergleichen Fallen. Red. d. A. 3. d. Jud. ***) Wie viel Individuen waren dies, die den Herrn besuchten, oder ist Keiner wiedergekommen, wenn ec einmal bei ihm war? Red. d. A. 3d. Jud. st) Wie oft ist der Herr von den Juden total besiegt worden? Wird das nicht in den Tagebüchern verzeichnet? Red. d. A. 3d. Jud. stst) Das „Einige" ist abermals ein schlechtes 3eichen. Red. d. A. 3> d. Jud. ststst) Da haben wir endlich etwas Positives! 24 Kinder unterrichtet. Wie viel Kinder unterrichten Dr. Adler, Dr. Löwe und alle die Herren Ober- und Unterrabbinen, Vorsänger rc.? Aber das halten diese Herren, die vom Judenthum leben, für unter ihrer Würde, oder 29*