Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1849)
- Date
- 1849-07-16
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
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399 muß man angehörcn. Denn wenn eine jede Partei sagen muß: wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, so wird die Theilnahme an keiner Partei von allen Parteien bestritten und zur Zeit bestraft, man fällt dann zu aller Zeit mit der fallenden Partei, welche diese auch sei, und siegt nie mit der siegenden. Ohne also auf die Frage „Wählen oder Nichtwählen?" cinzugehen, halten wir cs doch für falsch, wenn die Juden, die der demokratischen Partei angehören, wählen, während die ganze Partei nicht wählt. Sei das Nichtwahlen ein politischer Fehler dieser Partei cdcr nicht, sie dürfen sich von ihr nicht trennen. Denn ihun sie dies, so vermehren sie die Erfolge der Gegenpartei, und vermindern die ihrer Partei, entscheiden rönnen sie doch Nichts. Diejenigen Juden, welche der demokratischen Partei nicht angehören, diese werden schon wählen. Wenn der Korresp. sagt, wenn die Juden nicht wählen, so liefern sie sich den Reaktionären auf Gnade oder Ungnade in die Hände — so glauben wir schwerlich, daß das Wählen von Seiten der Juden einen so großen Einfluß haben könnte, um die Macht der Reaktionäre zu vermindern. Es versteht sich von selbst, daß hier von der jetzt praktizirten preußischen Wahlordnung die Rede ist. Erinnert der Korresp. an die jüngste Nummer des „Sonntagsblattcs", so erinnert er freilich an eine Ausgeburt des wüthendsten Hasses, der unbändigsten Leidenschaft, eines Grimmes, wie er nie dagewesen, wie er unverhüllter noch nie zum Vorschein gekommen. Vergessen wir Juden nie, daß es die beiden Extreme sind, welche den furchtbarsten Haß gegen die Juden in ihrem Schooße nähren. Niemals wird die absolutistische Partei in unsere Gleichstellung willigen, aber auch die Rothen sehen in den Juden' Gegner, und'^haben es bewiesen, daß sie sie nicht dulden wollen. Nur die große, aufrichtige Volkspartei ist cs, die uns die Gleichstellung gab und giebt und erhält, ohne dabei unsere Eristenz zu befeinden. Oesterreichischer Kaiferstaat. Prag, 1. Juli. In K..., einem Flecken in der Nahe Prags, fand neulich eine Monstrehochzeit statt; 15 jüdische Brautpaare wurden in einem Tage getraut, Kinder und Enkel der Brautleute tanzten fröhlich mit. Es verhält sich damit folgendermaßen: Bisher war die Anzahl der jüdischen Familien für Böhmen auf 8000 gesetzlich normirt, welche auf einzelne Dominien und Städte vertheilt waren. Es konnte somit sich nicht anders gestalten, als daß bei den oft unübersteiglichcn Hindernissen, die den Nicht-Familianten bei ihrer Verehelichung im Wege standen, eine ungeheure Anzahl wilder Ehen befördert wurde. Kaum hatte der Kaiser vernunftgemäß durch die Emanzipation diesen Druck von den Schultern der Juden genommen, als das Streben der in solcher Ehe Lebenden, dahinging, die Heirathsbcwerbungen nachträglich einzuholen und ihre Nachkommen zu legitimiren. Dies war auch bei den 15 Familien der Fall, worunter sich bereits Greise befanden. —. Der Vorstand der Israeliten in Prag ermahnt in einem, in beiden Bethäusern bekannt gemachten Aufruf seine Glaubensgenossen, sich des Ankaufs der kleinen Münze, welche eine solche Störung im Verkehr hervorbringt, zu enthalten; weil man ihnen diesen Wucher, der auch in Steyermark und Tirol, und fast allen Orten, wo auch keine Juden sind, sich vorfindet, ausschließlich zur Last legt, um dadurch unliebsame Verdächtigungen hervorzubringen, die durch das Aufgcben eines kleinen Gewinnstes leicht vereitelt werden können *). Ungarn. Raab, 1. Juli. Der jüdischen Gemeinde wurde nach der Einnahme Raab's „wegen ihrer Theilnahme an der ungarischen Sache" eine Strafe von 80,000 Fl. auferlegt. *) Wir gestatten uns die Bemerkung, daß in dem Augenblicke, wo uns dies zukam, wir im Begriffe waren, eine ähnliche Aufforderung an unsere Glaubensgenoffen in Oesterreich zu richten. Die Nachrichten aus Wien lauteten in dieser Beziehung sehr niederschlagend, und die immer unter der Oberfläche schlummernden Vorurthelle und Gehässigkeiten gegen die Juden haben daran nur eine, Vielen willkommene Stütze sich wieder aufzurichten. Es ging so weit, daß Juden, welche bei der Bank sich Noten wechseln wollten, durch Militär vor Mißhandlungen geschützt werden mußten. Indem der löbl. Vorstand von Prag auf Steyermark und Tirol, wo gar keine Juden wohnen, hinweist, giebt er zu verstehen, daß die betreffenden Anschuldigungen nicht wahr, oder doch übertrieben sind, und Andere ebenso gut treffen. Allein gerade darum muß der Jude um so vorsichtiger sein. Vergesset niemals, daß, was Ihr thuet, Allen zur Last fällt! Es sollte nicht so sein, aber es ist so. Der schuldige Jude ist also zwiefach schuldig! Redakt.