Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1849)
- Date
- 1849-07-16
- Page
- Seite 398 (sequence 6)
- Language
- German
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388 sind auch die Verwalrungsangelegenheiten, welche sich in einem sehr traurigen Zustande befanden, durch eine von der Gemeinde zur Regulirung derselben gewählte Kommission zur allgemeinen Zufriedenheit geordnet worden. Mit der Hälfte der früheren Umlagen werden jetzt alle Institutionen auf bessere und zweckmäßigere Weise verwaltet. Wer die früheren Verhältnisse hiesiger Gemeinde gekannt, muß den Muth und den Takt der Männer bewundern, die in einer so kurzen Zeit so Gewaltiges vollbracht und das Alles ohne den Frieden der Gemeinde auf einen Augenblick zu stören. Fast alle Beschlüsse derselben sind einstimmig gefaßt und auf die schoncndste Art zur Ausführung gebracht worden. Auf diese Weise wurde cs denn auch möglich, den schon vor mehreren Jahren projektirten Bau einer neuen Synagoge im verflossenen Frühjahre zu beginnen, und wir werden vielleicht schon in den Herbstfeicrtagen zur Einweihung derselben schreiten können. Wie auch von Seiten unserer christlichen Mitbürger das Streben der jüdischen Gemeinde gewürdigt wird, können Sie daraus ermessen, daß der Stadtrath durch einen fast einstimmigen Beschluß dem jüdischen Kultus aus der Stadtkasse einen jährlichen Zuschuß von beinahe int) Thlr. bewilligt, so wie zur Umfriedung des umfangreichen Gottesackers das nöthige Material lim Werhe von einigen hundert Thalern) angeboren und überreicht hat. Und um den gewonnenen Boden selbstständig bearbeiten, und ohne Störung von außen die erwünschten Früchte erzielen zu können, ist, wie ein Segen von oben, unterm 8. des verflossenen Monats dem Vorstande vom königlichen Oberpräsidium eine Zuschrift Übermacht worden, wonach, gemäß eines Ministerialreskriptes die rheinischen jüdischen Konsistorien, die uns so hinderlich im Wege gestanden (noch vor wenigen Monaten hat das zu Bonn die hiesige Regierung darum angegangen, die Reformen in unserm Gottesdienste zu verbieten) aufgelöst worden sind. Demgemäß ist nun hier sofort ein selbstständiges Rabbinat gegründet und unser bisheriger Prediger, Herr Ben-Israel, zum Rabbiner desselben ernannt worden. Wir hoffen, daß dieses Rabbinat sich recht bald dadurch, daß die umliegenden Gemeinden sich anschließcn, zu einem größern Sprengel ausdehnen wird, was um so mehr zu erwarten steht, als Herr Ben-Israel durch seine sechsjährige Verwaltung des Predigeramtes bewiesen hat, daß ihm weder die Fähigkeit noch der gute Wille fehlt, das religiöse Leben zu fördern und zur Hebung des Kultus sein gutes Theil beizutragen. Durch das Engagement des bisherigen Lehrers zu Bad-Ems, Herrn S. Sommer, zum Religionslehrcr und Vorbeter ist für das Aufblühen und Gedeihen der neu geschaffenen Religionsschule der beste Erfolg in Aussicht gestellt. Mögen die übrigen jüdischen Gemeinden der Rheinprovinz, die nun jeder geistlichen Obhut entbehren, die erlangte Selbstständigkeit in Betreff der Kultusangclegcnheiten nicht zum Zerstören, sondern zur Befestigung und Verherrlichung unserer heiligen Religion, welche so vielen Stürmen Trotz geboten, nutzen und gebrauchen, mögen sie nur beginnen, es wird ihnen zur Vollendung dieses Werkes der Segen Gottes nicht fehlen. Magdeburg, 10. Juli. (Privatmitth.) In diesen Tagen kam uns aus Landsberg a. d. W. folgendes Schreiben zu. „Ich gehöre der demokratisch-konstitutionellen Partei an, und betrachte cs als einen politischen Fehler, daß unsere Partei sich an den bevorstehenden Wahlen nicht betheiligen will. Daß die Juden in ihrer Mehrzahl nicht wählen, holte ich aber für ein politisches Unglück; denn wir ergeben uns der reaktionären Partei auf Gnade und Ungnade, und, was wir von derselben zu' erwarten haben, zeigt uns die jüngste Nummer des „Sonntagsblattes". Halten Sie es für zweckmäßig, daß die Juden wählen, so erlaube ich mir, Sie zu bitten, in Ihrer vielgelcsenen Judenzeitung diesem Thema einen Artikel zu widmen." So weit der Korrespondent. Der Brief ist zu spät gekommen, um durch Berücksichtigung irgend einen Einfluß auf die Wahl üben zu können, da dieses Blatt nach der Wahl erst in den Händen des Publikums sein wird. Ueber „Wählen oder Nichtwählen" sich direkt auszusprechen, käme daher post lestum. Allein Einiges hier zu sagen, fühlen wir uns doch veranlaßt. Wir halten in einer so tief bewegten Zeit, wie die unsrige, das allein für einen großen Fehler: keiner Partei anzugehören. Mag Recht oder Unrecht auf dieser oder jener Seite, oder mehr Recht oder mehr Unrecht auf dieser oder jener Seite sein, dies gehört nicht hierher — aber Einer Partei